„Europa ist ein Denkmal“

Studenten aus Südosteuropa machen sich ein eigenes Bild ihrer Heimat – Politiker und Professoren sehen das oft mit Argwohn.

Aida Hadžimusić, die Organisatorin der HISTUM-Konferenz für Studentinnen und Studenten der Kunstgeschichte in Sarajevo, in einer Straßenbahn in Sarajevo. Bild: Tobias Strahl

 

Von Tobias Strahl. Aida Hadžimusić ist eine Frau, die im klassischen Sinne als schön gelten kann. Die 23-jährige Studentin der Kunstgeschichte aus Sarajevo, der Hauptstadt Bosnien und Herzegowinas, spricht in wohlbedachten Sätzen und fehlerfreiem Deutsch über ihre bosnische Identität. „Den Osten hat Europa immer als das „Andere“ gesehen. Als Bosnierin fühle ich mich diesem „Anderen“ zugehörig – gleichzeitig aber auch als europäische Frau. Das ist wohl ein wenig schizophren“. Ihre schmalen Hände umfassen ein Buch, einen deutschen Klassiker über einen jungen Mann, der Schauspieler sein wollte und schließlich Arzt wurde. Aufmerksam beobachten ihre dunklen Augen ihr Gegenüber. „Als ich in Berlin studiert habe, hatte ich immer das Bedürfnis, meine Identität auszudrücken. Es hat mich frustriert, wenn Menschen nicht wussten, wo Bosnien liegt.

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Rätsel II

Foto: Tobias Strahl

  

Dunkles zwingt uns, Helles führt uns,
hier sind wir und dort
Schweres nährt uns, Leichtes lehrt uns,
da sind wir und fort

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Rugby – Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss.

Sportliche Grüße für 2013.

Ein nicht ganz ernst gemeintes Portrait der Dresdner Rugby-Mannschaft "Hillbillies" aus dem Jahr 2007. Zeichnung: W. Strahl

 

Von Tobias Strahl. Die Jahreswende verbrachte ich, unter diversen Weihnachtsbäumen durchziehend, unter anderem damit, alte Bilder zu sortieren, Trophäen zu sichten und in Erinnerungen zu schwelgen. Beim Sichten einer Mappe mit Zeichnungen fiel mir ein Aquarell meines Vaters in die Hände, das er, die Rugby-Saison 2007 resümierend angefertigt hatte. Rugby an sich ist ein großartiger Sport, vielleicht der Sport schlechthin – das Bild soll darüber nicht hinwegtäuschen. Mein Vater war schlicht und ergreifend verzweifelt. Schließlich führte mich der Heimweg vom Spielfeld nicht selten über das Krankenhaus des Ortes in dem wir gerade spielten. Trotzdem dachte ich nicht daran, aufzuhören. Ich hatte meine Gründe.

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Extremismus in Kosovo / Extremism in Kosovo

Frontseite der neuen Ausgabe des Magazins "Kosovo 2.0" mit dem Title "SEX" / Cover of new the issue of the Magazin "Kosovo 2.0" with the title "SEX". Source: Kosovo 2.0

 

By Tobias Strahl. On 14 December, the editors of the magazine “Kosovo 2.0”, a publication dedicated to the (lack of) political culture on the Balkans, planned a public discussion with a subsequent party in Priština, the capital of Kosovo. The event should take place in the context of the recently released winter-issue of the journal. However, before the evening could start out with a reading of the authors of the new magazine, a crowd of 20 men, some of them with covered faces, burst into the venue, destroyed the stage and beat up one member of the staff of the magazine.

Von Tobias Strahl. Die Herausgeber des Magazins „Kosovo 2.0“, einer Zeitschrift, die der politischen (Un-) Kultur der Balkanstaaten gewidmet ist, planten für den 14. Dezember in Prishtina, der Hauptstadt Kosovos, eine öffentliche Diskussion mit anschließender Feier zur neuen Ausgabe des Journals. Doch noch bevor der Abend mit einer Lesung der Autoren des neuen Heftes in seine erste Runde gehen konnte, stürmten etwa 20 zum Teil vermummte Männer die Veranstaltung, zerstörten die Bühne und schlugen einen Mitarbeiter des Magazins krankenhausreif.

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Alexander der Vergebliche

Denkmal Alexander des Großen (2011) auf dem Mazedonien-Platz im Zentrum Skopjes. Foto: strahl

 

Von Tobias Strahl. Wenn Manfred Wiemer, Amtsleiter für Kultur- und Denkmalschutz in Dresden, auf einer internationalen Konferenz in der mazedonischen Hauptstadt Skopje, einer der Partnerstädte Dresdens, spricht, und kein offizieller Vertreter der Stadt Skopje bei diesem Vortrag zugegen ist, wirft das Fragen auf. War das Gesagte – Wiemer sprach über Kulturfinanzierung in Dresden – ohne Belang für Skopjes Offizielle? Spielen in der Stadt im Norden Mazedoniens, an der Grenze zu Kosovo gelegen, Kultur und die Frage ihrer Finanzierung keine Rolle? Oder wussten die Vertreter der Partnerstadt schlicht nichts von dem Vortrag des Kollegen aus Dresden?

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“Four more years” – Obama hat gesiegt, doch gewonnen ist dadurch wenig

 

Barack Obama. Quelle: The White House Official Fotostream

 

Von Torsten Klaus. Charles P. Pierce hatte schon lange vor der Wahl im “Esquire” zur treffendsten Mitt-Romney-Kritik ausgeholt: der (gestern gescheiterte) republikanische Präsidentschaftskandidat der USA “couldn´t lead a whore to bed”, schrieb Pierce in Anspielung auf deutlich fehlende Führungsqualitäten von Selfmade-Mitt. Nun fällt es unter Satire, wenn ein Mann über einen anderen urteilt, der kriege nicht einmal eine Hure ins Bett. Oder unter schlechten Stil. Es erklärt aber, zumindest in diesem Fall, auch die Erleichterung, dass dieser Knabe, der den puren Kapitalismus immer noch für gottgegeben hält, nun nicht ins Weiße Haus einzieht. Was ein Segen der Stunde ist, aber dem Wahlsieger Barack Obama über diesen Moment hinaus auch nicht hilft.

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Warum Kroatiens Beitritt die EU stärken wird

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Von Gerald Knaus und Kristof Bender. Den Anfang machte eine Schlagzeile der Frankfurter Allgemeinen am 9. Oktober: „Brüssel ermahnt Kroatien: ‚Bedingungen für Beitritt noch nicht erfüllt’.“ Dann meldete sich Gunther Krichbaum (CDU), Vorsitzender des Europaausschusses des Bundestages, zu Wort: “Zum jetzigen Zeitpunkt ist das Land nicht beitrittsfähig.“ Bundestagspräsident Norbert Lammert erklärte: “Wir müssen … den jüngsten Fortschrittsbericht der EU-Kommission ernst nehmen: Kroatien ist offensichtlich noch nicht beitrittsreif.“ Und am 15. Oktober schrieb Martin Winter in der Süddeutschen Zeitung, dass Kroatien in der Tat „nicht reif genug ist“, doch dass der Zug schon abgefahren sei. „Nur leider: Lammert kommt mit seinem Einwurf ein wenig spät.“

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„Ein Krieg der Brandstifter und Gesichtslosen“

Zu den Prostesten Rechtsextremer gegen Roma in Ungarn.

Gerade lese ich ein Interview, das die kroatische Zeitung „Vjesnik“ mit dem montenegrinischen Schriftsteller Mirko Kovać (*1938) im November 1991, acht Tage vor dem traurigen Fanal von Vukovar führte (Vjesnik am Sonntag, 10. November 1991, S. 15). Der Anlass waren Antikriegsveranstaltungen von Schriftstellern und Intellektuellen aus allen ehemaligen Republiken Jugoslawiens im Belgrader (!) Theater „Duško Radović“. Mit den öffentlichen Lesungen und Diskussionen sollte gegen den Krieg in Kroatien demonstriert werden.

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Insolvent und keine Fragen

Eine Nachbetrachtung zur jüngsten Abwärtsentwicklung der Nachrichtenagentur dapd.

Von Torsten Klaus.

Wenn man nicht schon Realist wäre – der Journalismus brächte einen dazu.

Als die Nachrichtenagentur dapd vor ziemlich genau zwei Jahren in Berlin gegründet wurde und sofort Fahrt aufnahm, was sich auch in zahlreichen Neueinstellungen niederschlug, spielten einige meiner Kollegen mit dem Gedanken, dorthin zu wechseln. Ich übrigens auch. Manche gingen den Schritt. Ich nicht. Seit dapd vorgestern für ihre Gesellschaften “nachrichtenagentur” und “nachrichten” einen Insolvenzantrag in Eigenverwaltung gestellt hat, sind mir meine damaligen Zweifel wieder bewusst geworden. Und noch etwas anderes ging mir durch den Kopf. Die dapd-Inhaber, Peter Löw und Martin Vorderwülbecke, sind binnen zwei Jahren mit viel Vollmundigkeit aufgefallen. Mit Transparenz weniger – was so gravierende Dinge wie einen Geschäftsbericht betrifft. Die Behandlung – oder besser: Nichtbehandlung – dieses Themas zeigt auch das Versagen der Medien insgesamt in diesem Fall. Ein Beispiel kollektiven Wegschauens.

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A quest called tribe

f.l.t.r.: Carlos Lopez, Nataša Šarkić, Muriel Buzarra, Nikola Vitković and Vladimir Palibrk

 

Not long ago, on 2 July this year, the movie-music-comic-project Beograd Underground was guest of the Freiraum e. V. in the Wächterhaus in Zittau, a city in the far east of Germany, situated in the triangle of Poland and the Czech Republic. Nataša Šarkić, Nikola Vitković and Vladimir Palibrk from Serbia presented together with Carlos Lopez and Muriel Buzarra from Spain the documentary “(On the Quest for) Beograd Underground”, an exhibition of comics and a music project to introduce not only the Serbian underground art scene to an audience outside Serbia. The Spanish-Serbian Balkan Pirates tour – that’s how Nataša and her friends entitled the ambitious project to present the program in several European cities – went on throughout the whole summer. A couple of days ago Nataša gave an interview to Ivan Antunović from the Weblog “halfreleases” about the tours’ success, the development of the project, nationalism in Serbia and the Serbian underground-scene. With friendly permission of the weblog “halfreleases” we are able to submit the interview with Nataša Šarkić at Sehnsuchtsort, too.

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