Fußball als Sozialkonstrukt – Gedanken nach der WM

Von Torsten Klaus. Das Fußball-WM-Loch im Blog ist wohl einigen aufgefallen. Wir haben uns angesichts des ach so jauchzend vorgetragenen Medienrummels, der noch die allerletzte Biertischgarnitur zwischen Castrop-Rauxel und Morgenröthe-Rautenkranz zur Fanmeile verklärte, Zurückhaltung auferlegt. Und atmen nun durch: vorbei. Fußballerisch war bis auf wenige Ausnahmen eh nicht viel zu vermelden. Nachdem also die Nation im alles ausblendenden Jubel vereint war, der nun dankenswerterweise zusammen mit den trötenden Vuvuzelas verebbt, kann sich langsam wieder den wichtigeren Dingen gewidmet werden (die soll’s tatsächlich geben, jawoll). Also auch Zeit, um den Fußball aus anderen Blickwinkeln zu betrachten.

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Klaustrophobie – Situationen in Berlin und Prora

 
 
 
 

Bruce Nauman, Room with My Soul Left Out, Room That Does Not Care, 1984

 

Von Torsten Klaus. Das Wort Raumflucht bekommt eine andere Bedeutung bei Bruce Naumann. Wer seine Räume betritt, den kann der Gedanke an Flucht schneller übermannen als gedacht. Naumann schafft Inseln trügerischer Ruhe, denen man – zumal sie recht eng sein können – schnell wieder entkommen will. Oder auch nicht: Denn In Naumanns Räumen kann sich der Besucher andererseits verlieren, weil er sich in sich selbst verliert. Naumanns Räume sind Orte ohne Zeit. In einer Ausstellung im Hamburger Bahnhof in Berlin entfalten sie derzeit ihren eigenwilligen Zauber – als “Dream Passage”.

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Ambivalenz rettet Kitsch

Wenn man die uniformierten Lakaien der “Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg” (SPSG) mit ihren herablassenden Mienen durch die Gemächer Friedrichs des Großen stolzieren sieht, dann denkt man instinktiv, dass man sich eher dem bildungsfernen Pöbel verbunden fühlt, dass die runden 50 Euro für einen maschinengeführten Rundgang (Familienkarte!) durch goldenen, dem Volk abgepressten Kitsch besser in Sprengstoff angelegt wären.
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Gelb steht dir gar nicht!

“Ich wollte eigentlich noch ein Haus abreissen, aber dafür war einfach keine Zeit mehr. Die Jungs und ich, wir hatten alle Hände voll zu tun.” Peter Macheli wirkt geschafft, als er spät abends mit seinen Kindern von der Bunten Republik Neustadt heimkehrt. Schlaff hängt die große Heckenschere in der Faust seines jüngsten Sprosses. Elena Jupiter zählt fassungslos die Gliedmaßen ihrer Kinder nach. “Sind noch alle dran”, versichert Peter mit einem Kuss auf ihre Nasenspitze, “der Mittlere hat das mit dem Beil schon ganz gut gemacht.”

Deutschland (Abbildung ähnlich)

Deutschland (Abbildung ähnlich)

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Adeus, José

Trailer zu Fernando Meirelles “Blindness” (2008) nach dem Roman “Ensaio sobre a cegueira” (Die Stadt der Blinden (1995)) von José Saramago. Originallink zu Youtube

Von Torsten Klaus. Alle reden vom Fußball. Ein paar versprengte Seelen noch vom Albertinum. An einem Tag, wo Deutschland (vergeblich) über den WM-Acker jagt und ein bedeutendes Museum kurz vor der Wiedereröffnung steht, bleibt für eine andere Nachricht nur wenig Aufmerksamkeit übrig: José Saramago ist tot.

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Germany’s next Top-Dingsbums…

Von Markus Loewenhaupt. Chancellor or president: Excuse me, wird in Deutschland noch Deutsch gesprochen? Neulich auf dem Heimweg: Ein Bus fährt vorbei. An der Außenseite die Werbung „FAHRSCHULE xy -: The Driving Instructor“. Aha, dachte ich, Fahrschule machen hierzulande ohnehin Leute unter dreißig Jahren. Die sprechen besser Englisch als Deutsch. Ich als Baldrentner und DDR-grundformatierter Bürger bin der deutschen Sprache und Schrift besser mächtig und lernte seinerzeit als Zweitsprache Russisch. Aber das nützt mir nichts, außer ich würde beim FC Chelsea unter Vertrag stehen. Oder, diesen Aspekt betrachtete ich noch nicht – ich hatte als NVA-Soldat Fahrstunden auf einem russischen Panzer des Typs T 55 zu absolvieren. Und – was nützte mir das? Ich habe keinen T 55. Unabhängig davon würde ich auch heute noch beim Kuppeln, Zwischengasgeben und Schalten genauso auf Deutsch und nicht auf Russisch fluchen. Aus der jüngeren Geschichte wissen wir, dass für einen der Teile Deutschlands das Lernen von der Sowjetunion nicht den damals propagierten Sieg brachte.

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Last exit

Von Torsten Klaus. Begrabt mein Hirn an der Biegung des Flusses, forderte einst Wiglaf Droste. Der britische Architekturkritiker Ian Nairn wollte unter der Einflugschneise des Flughafens Heathrow in die Grube fahren. Und Selbstmörder fanden im Vereinigten Königreich einst ihre zweifelhafte letzte Ruhestätte unter - Straßenkreuzungen. Wo das Kümmern so weit ins Jenseits reicht, stellt sich natürlich die Frage: Wohin soll ich einst Kopf und Korpus zur Verwesung betten? Oder soll ich besser gar nicht…? Als Autor hofft man zwar sowieso auf Unsterblichkeit. Aber wenn es wirklich soweit ist, dass der Schnitter mir die Hand auf die Schulter legt und meinen Namen mit Grabesstimme flüstert (so stelle ich mir diese Szene zumindest vor, filmreif und mit dem nötigen Pathos eben, ist ja immerhin mein Abgang), muss vorgesorgt sein. Also gedankenspielen wir vor uns hin.
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Wie sich Thassilo bei Peter Macheli in die Wohnung schlich und den „Müpel“ benutzte. Was dann geschah…

 

Thassilo war ein bisschen sauer auf seinen Kumpel Peter Macheli. Seit Wochen hatte er nichts mehr von dem genialen Tüftler gehört. Der „Müpel“ stand unbenutzt auf dem Balkon des Hauses gegenüber. Oft saß Thassilo nachts hinter der Gardine seines Schlafzimmers und glotzte auf Machelis Küchenfenster, in der Hoffnung, dort das vertraute bläulich-grüne Leuchten des „Müpels“ zu erblicken – dahinter, im Zimmer an der Wand, der zuckende Schatten Machelis, der sich vor Lachen bog oder aber zusammengekauert und schaudernd in einer Nische klebte, weil er etwas Schreckliches in der Zukunft zu sehen glaubte. Doch nichts davon geschah. Das Küchenfenster blieb dunkel.

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P.S.: Horst Köhler geht, Lena kommt nicht

Von Lukas Strenot. Und nun beendet der Bundespräsident das Missverständnis: Er tritt ab, überraschend, mit Tränen in den Augen. Wo ganz Deutschland bis eben noch gaga nach Lena war, dunstet nun wieder der Schleier alpschwerer Tagespolitik über der Republik. Ein Kontrastszenario, das stärker nicht ausfallen könnte.

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Köhler und Afghanistan: Der Schlaf der Agenturen – und der Opposition

Von Lukas Strenot. Nachrichtenjournalismus ist ein hartes Brot, vor allem auf dem Feld der Politik. Schnelles Verarbeiten von Informationen, Interviews, Pressebeiträgen, Wortmeldungen, Hintergrundgesprächen – ganz zu schweigen vom Verknüpfen dieser News mit dem bisher Bekannten zum jeweiligen Thema – sind vor allem bei den Nachrichtenagenturen das A und O. Um eine Lanze für die dort arbeitenden Kollegen zu brechen: Meist funktioniert dieser Mechanismus trotz des ständig herrschenden Zeit- und Konkurrenzdrucks gut. Ausnahmen bestätigen aber auch hier die Regel, wie eine unlängst von Bundespräsident Horst Köhler gemachte Aussage zum Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan zeigt.

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