Nur wenige Kilometer vom Polarkreis entfernt, abseits sämtlicher Straßen nur mit dem Boot erreichbar, gibt es im äußersten Nordwesten Islands eine Halbinsel namens Hornstrandir, deren karge Schönheit auch auf der größten Vulkaninsel der Welt seinesgleichen sucht. Bis Mitte der 50er Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts verhältnismäßig dicht besiedelt, ist seit dem Niedergang des industriellen Walfangs zu Beginn der 60er Jahre die Halbinsel – abgesehen von wenigen Leuchtturmwärterfamilien und ein paar Dutzend Sommerhäuschen – weitestgehend von Menschen verlassen. Ganz der Natur überlassen, ist Hornstrandir heute wieder eine Wildnis, wie es sie nur noch ganz selten in Europa gibt. Man kann dort durchaus mehrere Tage wandern, ohne auch nur einem Menschen zu begegnen. Ein Traum für jeden Reisenden, der die Einsamkeit in einer Natur sucht, die voller Leben steckt. Die Gefahr, auf mit Kameraobjektiven von der Länge eines Weltraumteleskopes und ebenso lauten und nervtötenden Stimmen ausgerüstete Traumschifftouristen zu treffen, geht gegen Null. Weiterlesen ‘Ein Sehnsuchtsort im wilden (Nord-)Westen Europas’ »
Von Torsten Klaus. Was zu trinken war meist in der Nähe, was zu rauchen auch. Und ’ne Schreibmaschine in Reichweite. Mit einem Bier bewaffnet (andere Munition in Flaschenform nicht ausgeschlossen) setzte sich der bärtige Typ an die Tasten und hämmerte aufs Papier, was seine Welt zusammenhielt: Suff, Wetten, Frauen. Diese Geschichten bekam man sonst nirgends zu lesen. Die hatten Copyright. Sein Copyright: Charles Bukowski. Er schrieb, wie er später sagte, „um meinen Arsch zu retten“.
Von Torsten Klaus. Das Fußball-WM-Loch im Blog ist wohl einigen aufgefallen. Wir haben uns angesichts des ach so jauchzend vorgetragenen Medienrummels, der noch die allerletzte Biertischgarnitur zwischen Castrop-Rauxel und Morgenröthe-Rautenkranz zur Fanmeile verklärte, Zurückhaltung auferlegt. Und atmen nun durch: vorbei. Fußballerisch war bis auf wenige Ausnahmen eh nicht viel zu vermelden. Nachdem also die Nation im alles ausblendenden Jubel vereint war, der nun dankenswerterweise zusammen mit den trötenden Vuvuzelas verebbt, kann sich langsam wieder den wichtigeren Dingen gewidmet werden (die soll’s tatsächlich geben, jawoll). Also auch Zeit, um den Fußball aus anderen Blickwinkeln zu betrachten.
Bruce Nauman, Room with My Soul Left Out, Room That Does Not Care, 1984
Von Torsten Klaus. Das Wort Raumflucht bekommt eine andere Bedeutung bei Bruce Naumann. Wer seine Räume betritt, den kann der Gedanke an Flucht schneller übermannen als gedacht. Naumann schafft Inseln trügerischer Ruhe, denen man – zumal sie recht eng sein können – schnell wieder entkommen will. Oder auch nicht: Denn In Naumanns Räumen kann sich der Besucher andererseits verlieren, weil er sich in sich selbst verliert. Naumanns Räume sind Orte ohne Zeit. In einer Ausstellung im Hamburger Bahnhof in Berlin entfalten sie derzeit ihren eigenwilligen Zauber – als “Dream Passage”.
Trailer zu Fernando Meirelles “Blindness” (2008) nach dem Roman “Ensaio sobre a cegueira” (Die Stadt der Blinden (1995)) von José Saramago. Originallink zu Youtube
Von Torsten Klaus. Alle reden vom Fußball. Ein paar versprengte Seelen noch vom Albertinum. An einem Tag, wo Deutschland (vergeblich) über den WM-Acker jagt und ein bedeutendes Museum kurz vor der Wiedereröffnung steht, bleibt für eine andere Nachricht nur wenig Aufmerksamkeit übrig: José Saramago ist tot.
Von Markus Loewenhaupt. Chancellor or president: Excuse me, wird in Deutschland noch Deutsch gesprochen? Neulich auf dem Heimweg: Ein Bus fährt vorbei. An der Außenseite die Werbung „FAHRSCHULE xy -: The Driving Instructor“. Aha, dachte ich, Fahrschule machen hierzulande ohnehin Leute unter dreißig Jahren. Die sprechen besser Englisch als Deutsch. Ich als Baldrentner und DDR-grundformatierter Bürger bin der deutschen Sprache und Schrift besser mächtig und lernte seinerzeit als Zweitsprache Russisch. Aber das nützt mir nichts, außer ich würde beim FC Chelsea unter Vertrag stehen. Oder, diesen Aspekt betrachtete ich noch nicht – ich hatte als NVA-Soldat Fahrstunden auf einem russischen Panzer des Typs T 55 zu absolvieren. Und – was nützte mir das? Ich habe keinen T 55. Unabhängig davon würde ich auch heute noch beim Kuppeln, Zwischengasgeben und Schalten genauso auf Deutsch und nicht auf Russisch fluchen. Aus der jüngeren Geschichte wissen wir, dass für einen der Teile Deutschlands das Lernen von der Sowjetunion nicht den damals propagierten Sieg brachte.
Thassilo war ein bisschen sauer auf seinen Kumpel Peter Macheli. Seit Wochen hatte er nichts mehr von dem genialen Tüftler gehört. Der „Müpel“ stand unbenutzt auf dem Balkon des Hauses gegenüber. Oft saß Thassilo nachts hinter der Gardine seines Schlafzimmers und glotzte auf Machelis Küchenfenster, in der Hoffnung, dort das vertraute bläulich-grüne Leuchten des „Müpels“ zu erblicken – dahinter, im Zimmer an der Wand, der zuckende Schatten Machelis, der sich vor Lachen bog oder aber zusammengekauert und schaudernd in einer Nische klebte, weil er etwas Schreckliches in der Zukunft zu sehen glaubte. Doch nichts davon geschah. Das Küchenfenster blieb dunkel.
Von Lukas Strenot. Und nun beendet der Bundespräsident das Missverständnis: Er tritt ab, überraschend, mit Tränen in den Augen. Wo ganz Deutschland bis eben noch gaga nach Lena war, dunstet nun wieder der Schleier alpschwerer Tagespolitik über der Republik. Ein Kontrastszenario, das stärker nicht ausfallen könnte.
Von Lukas Strenot. Nachrichtenjournalismus ist ein hartes Brot, vor allem auf dem Feld der Politik. Schnelles Verarbeiten von Informationen, Interviews, Pressebeiträgen, Wortmeldungen, Hintergrundgesprächen – ganz zu schweigen vom Verknüpfen dieser News mit dem bisher Bekannten zum jeweiligen Thema – sind vor allem bei den Nachrichtenagenturen das A und O. Um eine Lanze für die dort arbeitenden Kollegen zu brechen: Meist funktioniert dieser Mechanismus trotz des ständig herrschenden Zeit- und Konkurrenzdrucks gut. Ausnahmen bestätigen aber auch hier die Regel, wie eine unlängst von Bundespräsident Horst Köhler gemachte Aussage zum Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan zeigt.
"...und wiegen und tanzen und singen dich ein" foto: Agent S.
Von Torsten Klaus. Alle waren schon da in diesem – mit allem Respekt – Nest im Brandenburgischen: Brieselang, unweit von Potsdam. Die Gazetten hatten ihre Reporter geschickt, auch Fernsehen und Radiostationen die Idylle abgegrast. Der Grund: ein rätselhaftes Licht, das seit Jahren durch den dortigen Forst geistert. Doch trotz einzelner Sichtungen – Einheimische schwören vereinzelt gar, das Licht sei schon eingekreist gewesen, hätte sich aber mysteriöserweise wieder davongemacht – blieb eine Klärung des Phänomens aus. Nun hat sich Sehnsuchtsort dieses Themas angenommen (Wir haben zwar einst über Fox Mulder gegrinst, aber man weiß ja nie…) – und ist fündig geworden. Allerdings überraschend anders. Eine Enthüllungsgeschichte der dritten Art.