Artikel der Abteilung ‘Dresden und die Welt’

Klaustrophobie – Situationen in Berlin und Prora

 
 
 
 

Bruce Nauman, Room with My Soul Left Out, Room That Does Not Care, 1984

 

Von Torsten Klaus. Das Wort Raumflucht bekommt eine andere Bedeutung bei Bruce Naumann. Wer seine Räume betritt, den kann der Gedanke an Flucht schneller übermannen als gedacht. Naumann schafft Inseln trügerischer Ruhe, denen man – zumal sie recht eng sein können – schnell wieder entkommen will. Oder auch nicht: Denn In Naumanns Räumen kann sich der Besucher andererseits verlieren, weil er sich in sich selbst verliert. Naumanns Räume sind Orte ohne Zeit. In einer Ausstellung im Hamburger Bahnhof in Berlin entfalten sie derzeit ihren eigenwilligen Zauber – als “Dream Passage”.

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Adeus, José

Trailer zu Fernando Meirelles “Blindness” (2008) nach dem Roman “Ensaio sobre a cegueira” (Die Stadt der Blinden (1995)) von José Saramago. Originallink zu Youtube

Von Torsten Klaus. Alle reden vom Fußball. Ein paar versprengte Seelen noch vom Albertinum. An einem Tag, wo Deutschland (vergeblich) über den WM-Acker jagt und ein bedeutendes Museum kurz vor der Wiedereröffnung steht, bleibt für eine andere Nachricht nur wenig Aufmerksamkeit übrig: José Saramago ist tot.

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Germany’s next Top-Dingsbums…

Von Markus Loewenhaupt. Chancellor or president: Excuse me, wird in Deutschland noch Deutsch gesprochen? Neulich auf dem Heimweg: Ein Bus fährt vorbei. An der Außenseite die Werbung „FAHRSCHULE xy -: The Driving Instructor“. Aha, dachte ich, Fahrschule machen hierzulande ohnehin Leute unter dreißig Jahren. Die sprechen besser Englisch als Deutsch. Ich als Baldrentner und DDR-grundformatierter Bürger bin der deutschen Sprache und Schrift besser mächtig und lernte seinerzeit als Zweitsprache Russisch. Aber das nützt mir nichts, außer ich würde beim FC Chelsea unter Vertrag stehen. Oder, diesen Aspekt betrachtete ich noch nicht – ich hatte als NVA-Soldat Fahrstunden auf einem russischen Panzer des Typs T 55 zu absolvieren. Und – was nützte mir das? Ich habe keinen T 55. Unabhängig davon würde ich auch heute noch beim Kuppeln, Zwischengasgeben und Schalten genauso auf Deutsch und nicht auf Russisch fluchen. Aus der jüngeren Geschichte wissen wir, dass für einen der Teile Deutschlands das Lernen von der Sowjetunion nicht den damals propagierten Sieg brachte.

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Last exit

Von Torsten Klaus. Begrabt mein Hirn an der Biegung des Flusses, forderte einst Wiglaf Droste. Der britische Architekturkritiker Ian Nairn wollte unter der Einflugschneise des Flughafens Heathrow in die Grube fahren. Und Selbstmörder fanden im Vereinigten Königreich einst ihre zweifelhafte letzte Ruhestätte unter - Straßenkreuzungen. Wo das Kümmern so weit ins Jenseits reicht, stellt sich natürlich die Frage: Wohin soll ich einst Kopf und Korpus zur Verwesung betten? Oder soll ich besser gar nicht…? Als Autor hofft man zwar sowieso auf Unsterblichkeit. Aber wenn es wirklich soweit ist, dass der Schnitter mir die Hand auf die Schulter legt und meinen Namen mit Grabesstimme flüstert (so stelle ich mir diese Szene zumindest vor, filmreif und mit dem nötigen Pathos eben, ist ja immerhin mein Abgang), muss vorgesorgt sein. Also gedankenspielen wir vor uns hin.
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Der Bleichenwang von Brieselang oder Blair Witch meets Brandenburg

"...und wiegen und tanzen und singen dich ein" foto: Agent S.

Von Torsten Klaus. Alle waren schon da in diesem – mit allem Respekt – Nest im Brandenburgischen: Brieselang, unweit von Potsdam. Die Gazetten hatten ihre Reporter geschickt, auch Fernsehen und Radiostationen die Idylle abgegrast. Der Grund: ein rätselhaftes Licht, das seit Jahren durch den dortigen Forst geistert. Doch trotz einzelner Sichtungen – Einheimische schwören vereinzelt gar, das Licht sei schon eingekreist gewesen, hätte sich aber mysteriöserweise wieder davongemacht – blieb eine Klärung des Phänomens aus. Nun hat sich Sehnsuchtsort dieses Themas angenommen (Wir haben zwar einst über Fox Mulder gegrinst, aber man weiß ja nie…) – und ist fündig geworden. Allerdings überraschend anders. Eine Enthüllungsgeschichte der dritten Art.

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Der Autor und die Geprügelten

Von Lukas Strenot. Was ist auf ihn eingedroschen worden, was musste er sich anhören. Das alles ist zwar schon Jahre her, aber die damals coram publico gefallenen Worte hallen immer noch nach. Die Rede ist von Helmut Kohl, dem Altkanzler (die sprachliche Assoziation zu Alteisen stellte sich bei mir schon vorher mit Adenauer ein). Kohl, ein politisches Artefakt, hatte sich ins Abseits manövriert, als er in der CDU-Spendenaffäre die Herkunft eines Millionenbetrages ungeklärt ließ – und bis heute lässt. Doch nach Jahren, in denen das Schweigen der häufigste Umgang mit dem Renegaten war, ist nun selbst der Gedanke wieder hoffähig, Kohl den Friedensnobelpreis für seine Mitwirkung an deutscher und europäischer Einigung zukommen zu lassen. Diesmal bittet kein Geringerer als Uwe Tellkamp.
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Schön manipuliert

Von Lukas Strenot. Die Frage nach der Schönheit trägt immer öfter das Gewand der Manipulation. In der Kunst bestimmt zunehmend der Markt darüber, was schön, sprich: erfolgreich zu verkaufen und somit teuer ist; in der Mediengesellschaft braucht der Blick kaum umherzuschweifen, um allenthalben die Muster zu erkennen: geglättete Fotos, Retusche flächendeckend. Es ist gibt sie de facto nicht mehr, die unbearbeiteten Bilder. Die Welt gehört eben aufgehübscht, meinen die Werbefachleute und Blattmacher und Internetredakteure. Wenn’s nach ihnen ginge, müsste man sich eigentlich umterm Sofa verkriechen vor der Masse eines ständig aufs Neue gepushten Ideals, die aus den falschen Bildern kippt. Dennoch oder vielleicht gerade deswegen ist Schönheit natürlich ein Thema, wie ein Blick in die jüngste Sonderausstellung “Was ist schön?” im Dresdner Hygiene-Museum zeigt.

Dollfie, Gabriele Nagel, 2010, Video still. Quelle: Hygienemuseum, PR.

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Gut’ Nacht, lieb’ Vaterland

Von Lukas Strenot. Da langt er hin, da teilt er aus: Der Hausregisseur des Staatsschauspiels Dresden, Tilmann Köhler, hat Ödön von Horvaths “Italienische Nacht” auf die Bühne des Kleinen Hauses geholt. Die 80 Jahre seit der Uraufführung in Berlin schienen kaum zu existieren. Glaube? Allüberall. Liebe und Hoffnung? Nicht die Bohne, denn in den Figuren herrscht das Nichts. Und man darf davon ausgehen, dass Horváth genau das beabsichtigt hatte.

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Heult doch!

Die Centrum-Galerie ist immer viel zu leer. Niemand kauft (in) ihr was Schönes, keiner hat sie lieb. Dabei hat sie sich soo schön herausgeputzt, sicherlich glänzt auch alles darin, selbst das, was nicht Gold ist. Der geneigte Leser und Nichtkäufer nickt weise mit dem Haupt und spricht: “Das wusste ich vorher.” Vorher heißt hier: Vor der Sanierung des schlecht besuchten Ramschkaufhauses und seiner jetzigen strahlenden Wiederauferstehung  als – dreimal schwarzer Kater – schlecht besuchtes Kaufparadies.

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