Artikel der Abteilung ‘Prosa: Perlen ohne Säue’

Gelb steht dir gar nicht!

“Ich wollte eigentlich noch ein Haus abreissen, aber dafür war einfach keine Zeit mehr. Die Jungs und ich, wir hatten alle Hände voll zu tun.” Peter Macheli wirkt geschafft, als er spät abends mit seinen Kindern von der Bunten Republik Neustadt heimkehrt. Schlaff hängt die große Heckenschere in der Faust seines jüngsten Sprosses. Elena Jupiter zählt fassungslos die Gliedmaßen ihrer Kinder nach. “Sind noch alle dran”, versichert Peter mit einem Kuss auf ihre Nasenspitze, “der Mittlere hat das mit dem Beil schon ganz gut gemacht.”

Deutschland (Abbildung ähnlich)

Deutschland (Abbildung ähnlich)

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Wie sich Thassilo bei Peter Macheli in die Wohnung schlich und den „Müpel“ benutzte. Was dann geschah…

 

Thassilo war ein bisschen sauer auf seinen Kumpel Peter Macheli. Seit Wochen hatte er nichts mehr von dem genialen Tüftler gehört. Der „Müpel“ stand unbenutzt auf dem Balkon des Hauses gegenüber. Oft saß Thassilo nachts hinter der Gardine seines Schlafzimmers und glotzte auf Machelis Küchenfenster, in der Hoffnung, dort das vertraute bläulich-grüne Leuchten des „Müpels“ zu erblicken – dahinter, im Zimmer an der Wand, der zuckende Schatten Machelis, der sich vor Lachen bog oder aber zusammengekauert und schaudernd in einer Nische klebte, weil er etwas Schreckliches in der Zukunft zu sehen glaubte. Doch nichts davon geschah. Das Küchenfenster blieb dunkel.

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Politik ist fön

Geschafft! Erschöpft lehnt sich Peter Macheli zurück und beschmiert sich den Rücken aus Versehen mit der weißen Kalkfarbe der Garagenwand. “Wie kriegn wir die jetzt nach Berlin?” Kostja, der rollende Komposthaufen der Familie Macheli, versucht in der hellen Frühlingssonne zu glitzern. Erfolglos.
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Ein perfekter Moment

Von Torsten Klaus. Er hatte es tatsächlich gesehen, keine zwei Schritte entfernt.

Der Apriltag war nicht sonderlich kühl gewesen, obwohl vom Meer immer eine Brise herüberzog. Doch nun, am Abend, spürte Schrankanski die zurückkehrende Kälte. Er klappte den Kragen nach oben und bewegte seine Finger in den Manteltaschen. Die Hände blieben trotzdem kalt.


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Bürokratische Sympathie

Helma OroSZ, insgeheim liebevoll Gerda Hirnschiet genannt, hatte ganze Arbeit geleistet, stellte Peter Macheli fest, während er über die Rathausflure schritt und den leicht bekleideten Models in den Büros durch die offenen Türen zuwinkte. Wo er auch hinkam, überall das gleiche aufregende Bild. In letzter Zeit hatte er es sich deswegen zum Hobby gemacht, Formulare auszufüllen und Anträge zu schreiben. Weiterlesen ‘Bürokratische Sympathie’ »

Neuerervorschlag

Liebe Verkehrsbetriebe,

ich fahre beinahe täglich mit Euren schicken und oft auch schnellen Vekehrsmitteln durch unsere phantastische Heimatstadt Dresden. Morgen für Morgen bemerke ich dabei junge Menschen, vor allem Frauen, die Kaffee aus beim Bäcker erworbenen Pappbechern schlürfen, Croissants essen und nebenbei frisch und ausgeruht mit Kollegen, Schulkameraden oder ihrem Handy plappern. Junge Frauen simsen auch sehr gern. Bevor ich abschweife, möchte ich Ihnen einen Verbesserungsvorschlag unterbreiten:
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Wenn ich einmal groß bin…

Wiederum ein paar Tage später

Peter Macheli wälzt sich ruhelos hin und her. Der Hunger hat ihn gepackt und hält ihn durch unregelmäßiges am Bauch krabbeln vom Schlafen ab. Außerdem schmatzt Elena im Traum. Nach zwei Stunden beisst Peter in den sauren Apfel und steht auf, um eben dies zu tun. Barfuss, ob der sibirischen Kälte schlotternd und leise hüpfend, begibt er sich in die Küche, die Schlafzimmertür leise schliessend. Den Gedanken an den sauren Apfel ersetzt er durch einen anderen, besseren. Wenn er schon mal aufgestanden ist… Nach fünf Minuten erfolgloser Suche nach den Minischokomuffins beschliesst er jedoch, erstmal eine Hose und einen warmen Pullover überzustreifen.

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Deutschland bei nackt

“Mir macht das ja nichts. Wenn ich den Flughafen betrete, sammeln sich die Sicherheitsbeamtinnen um den Monitor des Nacktscanners!” prahlt Peter Macheli in die Kamera. “Worte wie Bombe oder Dynamitstange fallen dann auch regelmäßig.”

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Widerstand ist zwecklos. Sie werden assimiliert!

Ein paar Tage später, ein sonniger Sonntagmorgen

Elenuschka summt falsch, aber laut vor sich hin, während sie den Frühstückstisch deckt. Plötzlich kommt ein erschrockenes ‘Huch’ aus dem Nachbarzimmer, dem Schlafzimmer der Machelis, durch die sonntägliche Idylle geflogen, stösst flatternd an ihren Kopf, durchschwebt etwas langsamer ihre hübschen, vorbildlich sauberen Ohren und nimmt neben dem Bild einer kleinen Handtasche (nur 35 €!) in ihrem Kopf Platz. Das ‘Huch’ wackelt beim Hinsetzen ein bißchen mit dem Po, dem ‘ch’, und verdrängt dadurch die kleine Melodie. Elena Jupiter beginnt sich für das Schlafzimmer zu interessieren.
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Schulterschluss

Erinnerungen haben ihre eigenen Regeln. Wir saßen an einem milden Spätsommerabend auf der Loggia unserer Wohnung beieinander: Meine Frau, meine Schwester von der Insel Rügen, ihr Lebensgefährte André und ich. Irgendwie kamen wir auf das Jahr 1968 und den so genannten „Dubček-Feldzug“ zu sprechen, jene militärische Intervention, die den Prager Frühling abrupt durch eine erneute politische Eiszeit in der Tschechoslowakischen Republik ersetzte. Meine Schwester erinnerte sich der Kuriositäten, die auf dem Gebiet der ehemaligen DDR, nahe der tschechischen Grenze eingerichtet wurden. Möglich, dass die Erinnerung daran in mir nie mehr abgerufen worden wäre. Im Zusammenhang mit den Berichten von André, der seinerzeit als Slovake den Einmarsch sowjetischer Truppen in Bratislava erlebte, erfuhr mein Wissen über die damaligen Ereignisse eine späte und erschütternde Ergänzung.

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