Wenn man die uniformierten Lakaien der “Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg” (SPSG) mit ihren herablassenden Mienen durch die Gemächer Friedrichs des Großen stolzieren sieht, dann denkt man instinktiv, dass man sich eher dem bildungsfernen Pöbel verbunden fühlt, dass die runden 50 Euro für einen maschinengeführten Rundgang (Familienkarte!) durch goldenen, dem Volk abgepressten Kitsch besser in Sprengstoff angelegt wären. Weiterlesen ‘Ambivalenz rettet Kitsch’ »
“Ich wollte eigentlich noch ein Haus abreissen, aber dafür war einfach keine Zeit mehr. Die Jungs und ich, wir hatten alle Hände voll zu tun.” Peter Macheli wirkt geschafft, als er spät abends mit seinen Kindern von der Bunten Republik Neustadt heimkehrt. Schlaff hängt die große Heckenschere in der Faust seines jüngsten Sprosses. Elena Jupiter zählt fassungslos die Gliedmaßen ihrer Kinder nach. “Sind noch alle dran”, versichert Peter mit einem Kuss auf ihre Nasenspitze, “der Mittlere hat das mit dem Beil schon ganz gut gemacht.”
Von Torsten Klaus. Begrabt mein Hirn an der Biegung des Flusses, forderte einst Wiglaf Droste. Der britische Architekturkritiker Ian Nairn wollte unter der Einflugschneise des Flughafens Heathrow in die Grube fahren. Und Selbstmörder fanden im Vereinigten Königreich einst ihre zweifelhafte letzte Ruhestätte unter - Straßenkreuzungen. Wo das Kümmern so weit ins Jenseits reicht, stellt sich natürlich die Frage: Wohin soll ich einst Kopf und Korpus zur Verwesung betten? Oder soll ich besser gar nicht…? Als Autor hofft man zwar sowieso auf Unsterblichkeit. Aber wenn es wirklich soweit ist, dass der Schnitter mir die Hand auf die Schulter legt und meinen Namen mit Grabesstimme flüstert (so stelle ich mir diese Szene zumindest vor, filmreif und mit dem nötigen Pathos eben, ist ja immerhin mein Abgang), muss vorgesorgt sein. Also gedankenspielen wir vor uns hin. Weiterlesen ‘Last exit’ »
Von Torsten Klaus. „Vom Ich zum Wir“, hieß es einst. Lange her, nicht nur in Jahren gemessen. Der Plural wird heute nur noch genutzt, wenn es um Fehler geht. Der Erfolg dagegen ist ein Tummelplatz der ersten Person Singular. Und nicht nur das: Die Häufung des Pronomens „Ich“ nimmt inflationäre Ausmaße an, weil in diesen drei Buchstaben der Geist dessen kulminiert, was als höchste Form zivilgesellschaftlicher Entwicklung gilt: Individualismus.