Alle Artikel von ‘Torsten Klaus’

Viel Glück zum Nicht-Geburtstag: Charles Bukowskis 90.

Von Torsten Klaus. Was zu trinken war meist in der Nähe, was zu rauchen auch. Und ’ne Schreibmaschine in Reichweite. Mit einem Bier bewaffnet (andere Munition in Flaschenform nicht ausgeschlossen) setzte sich der bärtige Typ an die Tasten und hämmerte aufs Papier, was seine Welt zusammenhielt: Suff, Wetten, Frauen. Diese Geschichten bekam man sonst nirgends zu lesen. Die hatten Copyright. Sein Copyright: Charles Bukowski. Er schrieb, wie er später sagte, „um meinen Arsch zu retten“.

Charles Bukowski
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Fußball als Sozialkonstrukt – Gedanken nach der WM

Von Torsten Klaus. Das Fußball-WM-Loch im Blog ist wohl einigen aufgefallen. Wir haben uns angesichts des ach so jauchzend vorgetragenen Medienrummels, der noch die allerletzte Biertischgarnitur zwischen Castrop-Rauxel und Morgenröthe-Rautenkranz zur Fanmeile verklärte, Zurückhaltung auferlegt. Und atmen nun durch: vorbei. Fußballerisch war bis auf wenige Ausnahmen eh nicht viel zu vermelden. Nachdem also die Nation im alles ausblendenden Jubel vereint war, der nun dankenswerterweise zusammen mit den trötenden Vuvuzelas verebbt, kann sich langsam wieder den wichtigeren Dingen gewidmet werden (die soll’s tatsächlich geben, jawoll). Also auch Zeit, um den Fußball aus anderen Blickwinkeln zu betrachten.

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Klaustrophobie – Situationen in Berlin und Prora

 
 
 
 

Bruce Nauman, Room with My Soul Left Out, Room That Does Not Care, 1984

 

Von Torsten Klaus. Das Wort Raumflucht bekommt eine andere Bedeutung bei Bruce Naumann. Wer seine Räume betritt, den kann der Gedanke an Flucht schneller übermannen als gedacht. Naumann schafft Inseln trügerischer Ruhe, denen man – zumal sie recht eng sein können – schnell wieder entkommen will. Oder auch nicht: Denn In Naumanns Räumen kann sich der Besucher andererseits verlieren, weil er sich in sich selbst verliert. Naumanns Räume sind Orte ohne Zeit. In einer Ausstellung im Hamburger Bahnhof in Berlin entfalten sie derzeit ihren eigenwilligen Zauber – als “Dream Passage”.

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Adeus, José

Trailer zu Fernando Meirelles “Blindness” (2008) nach dem Roman “Ensaio sobre a cegueira” (Die Stadt der Blinden (1995)) von José Saramago. Originallink zu Youtube

Von Torsten Klaus. Alle reden vom Fußball. Ein paar versprengte Seelen noch vom Albertinum. An einem Tag, wo Deutschland (vergeblich) über den WM-Acker jagt und ein bedeutendes Museum kurz vor der Wiedereröffnung steht, bleibt für eine andere Nachricht nur wenig Aufmerksamkeit übrig: José Saramago ist tot.

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Last exit

Von Torsten Klaus. Begrabt mein Hirn an der Biegung des Flusses, forderte einst Wiglaf Droste. Der britische Architekturkritiker Ian Nairn wollte unter der Einflugschneise des Flughafens Heathrow in die Grube fahren. Und Selbstmörder fanden im Vereinigten Königreich einst ihre zweifelhafte letzte Ruhestätte unter - Straßenkreuzungen. Wo das Kümmern so weit ins Jenseits reicht, stellt sich natürlich die Frage: Wohin soll ich einst Kopf und Korpus zur Verwesung betten? Oder soll ich besser gar nicht…? Als Autor hofft man zwar sowieso auf Unsterblichkeit. Aber wenn es wirklich soweit ist, dass der Schnitter mir die Hand auf die Schulter legt und meinen Namen mit Grabesstimme flüstert (so stelle ich mir diese Szene zumindest vor, filmreif und mit dem nötigen Pathos eben, ist ja immerhin mein Abgang), muss vorgesorgt sein. Also gedankenspielen wir vor uns hin.
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Der Bleichenwang von Brieselang oder Blair Witch meets Brandenburg

"...und wiegen und tanzen und singen dich ein" foto: Agent S.

Von Torsten Klaus. Alle waren schon da in diesem – mit allem Respekt – Nest im Brandenburgischen: Brieselang, unweit von Potsdam. Die Gazetten hatten ihre Reporter geschickt, auch Fernsehen und Radiostationen die Idylle abgegrast. Der Grund: ein rätselhaftes Licht, das seit Jahren durch den dortigen Forst geistert. Doch trotz einzelner Sichtungen – Einheimische schwören vereinzelt gar, das Licht sei schon eingekreist gewesen, hätte sich aber mysteriöserweise wieder davongemacht – blieb eine Klärung des Phänomens aus. Nun hat sich Sehnsuchtsort dieses Themas angenommen (Wir haben zwar einst über Fox Mulder gegrinst, aber man weiß ja nie…) – und ist fündig geworden. Allerdings überraschend anders. Eine Enthüllungsgeschichte der dritten Art.

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Ein perfekter Moment

Von Torsten Klaus. Er hatte es tatsächlich gesehen, keine zwei Schritte entfernt.

Der Apriltag war nicht sonderlich kühl gewesen, obwohl vom Meer immer eine Brise herüberzog. Doch nun, am Abend, spürte Schrankanski die zurückkehrende Kälte. Er klappte den Kragen nach oben und bewegte seine Finger in den Manteltaschen. Die Hände blieben trotzdem kalt.


youtube-Direktlink

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weDoubt – Individualismus als Knieschuss

Von Torsten Klaus. „Vom Ich zum Wir“, hieß es einst. Lange her, nicht nur in Jahren gemessen. Der Plural wird heute nur noch genutzt, wenn es um Fehler geht. Der Erfolg dagegen ist ein Tummelplatz der ersten Person Singular. Und nicht nur das: Die Häufung des Pronomens „Ich“ nimmt inflationäre Ausmaße an, weil in diesen drei Buchstaben der Geist dessen kulminiert, was als höchste Form zivilgesellschaftlicher Entwicklung gilt: Individualismus.

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Korrektiv Karlsruhe

Von Torsten Klaus. Die guten alten Zeiten, als Recht noch Uniform trug und Ordnung bürgerlich war, sind vorbei. Damals gab es die üblichen Verdächtigen. Heute ist es dagegen üblich, dass der Staat jeden verdächtigt. Doch wir haben ein kleines, im besten Sinn republikanisches Bollwerk gegen die Heraufbeschwörung aller Bedrohungen der freiheitlichen demokratischen Grundordnung: Karlsruhe, übernehmen Sie!

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Der Brunnen

(mit einem schönen Gruß an José Saramago)

Der Brunnen am Ortsrand war immer ihr Treff gewesen. Erklären konnte das niemand, es hatte sich mit der nicht mehr nachvollziehbaren Stärke des ersten Moments so ergeben. Dennoch war es mit dem Treff am Brunnen so wie mit anderen Dingen, die zur Gewohnheit wurden: Erst das zweite Mal, als die Clique dort zusammenkam, machte aus der zufälligen Wahl des Ortes eine Stringenz, die sich zur Tradition ausweiten sollte. Das zweite Mal ist immer das entscheidende, dachte Schrankanski.

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