Mediokres Personal: Die USA vor der Wahl

Von Torsten Klaus. Mitt Romney will die USA wie ein Unternehmen führen – das kann man bestenfalls als amerikanisch betrachten. Doch die von ihm in diesem Zusammenhang ständig wiederholte Staatsschelte greift nicht: Worauf schließlich zielen die beiden großen amerikanischen Parteien, wenn nicht auf das Staatswesen? Parteien und Staat sind auch in den USA ein Konglomerat, keine Antithese. Also ist es bei genauer Betrachtung doch kein Land, das wie ein Unternehmen geführt wird, egal von welcher Partei. Dazu würden Experten reichen, dafür wurde der Terminus Technokraten geprägt. Es wäre, siehe teilweise Griechenland, die Abschaffung des Politikers. Ob das gewollt ist, lasse ich dahingestellt. Es wäre andererseits keinesfalls die Abschaffung der Politik.

 

Mitt Romney. Foto: Gage Skidmore/Wikipedia

Und weil wir gerade von Romney reden: Welche Rolle spielt sein Vize-Kandidat Paul Ryan? Die des nützlichen Idioten, der die unbequemen Wahrheiten ausspricht, die des Executive Directors eines Präsidenten in spe Romney? Oder ist Ryan cleverer, als wir alle glauben – und bringt sich schon für künftige Aufgaben in Stellung? Angesichts des republikanischen Personalbestandes auf höchsten politischen Ebenen sicher keine irrelevante Überlegung. Man erinnere sich nur des Duos John McCain und Sarah Palin. Oder an Newt Gingrich. Ryans Aufstieg jedenfalls war immer eng an die Republikaner geknüpft; fast die Hälfte seines Lebens ist der 42-Jährige auf der politischen Karriereleiter unterwegs, meist nach oben. Davon wird er nicht lassen.

Trübe Erinnerungen: das Duo McCain/Palin. Wer's mag: erhältlich auf go-patriots.com.

Der Satz, dass die USA ein Land sind, das von einer Partei mit zwei konkurrierenden Flügeln regiert wird, kommt vereinzelt wieder auf. Obwohl sich das im Kampf Barack Obama versus Mitt Romney wohl weniger zeigen wird. Das Wort Konkurrenz jedenfalls kann immer öfter durch Feindschaft ersetzt werden. Seit Obamas Amtsantritt 2008 hat sich das Land zwar – zumindest teilweise – neu gefunden, es ist aber auch – und das wesentlich erkennbarer – neu und tiefer gespalten. Nachgeholfen hat vor allem eine eine aggressive Berichterstattung, die eigentlich Meinungsmache ist. Durch Medienunternehmen wie Fox ist die Separation innerhalb der USA in ihren Konturen wieder klar hervorgetreten. Die Republikaner repräsentieren überwiegend Weiße, leben in der Vergangenheit (Romneys Slogan lautet: “We built it”), träumen von einem goldenen Gestern, das das bessere Morgen sein soll. Bei den Demokraten findet sich die Diversität des Landes, doch trotz aller Bemühungen ist es Obama nicht gelungen, dieses Abbild als psychologischen Vorteil zu verbuchen.

Obama ist die Gegenwart, aus europäischer Sicht auch klar die Zukunft, zumindest bis 2016, trotz mancher Enttäuschungen – Stichwort Guantanamo. Was aber sind Romney und Ryan? In meinen Augen Protagonisten einer Zeit, die abgelaufen ist. Umso schlimmer sind die Befürchtungen, wohin die USA marschieren, sollte dieses Duo ins Weiße Haus einziehen. Romney und Ryan sind der Mensch gewordene Beweis, wie medioker die politische Klasse der USA mittlerweile bestückt ist – besonders die Republikaner. Es braucht keine Technokraten als Ersatz, sondern bessere Politiker. Und das ist weiß Gott nicht nur ein amerikanisches Problem.

3 comments

  • wenn ryan die vizepraesidentenkandidatur als karriereschritt geplant hätte, wäre das eher kontraproduktiv (s. heute: http://www.nytimes.com/2012/09/04/opinion/the-hex-on-paul-ryan.html?_r=1&hp) – er setzt m.e. schon auf sieg und stebt dann dort eher die rolle cheyne’s “unter” bush junior an. http://www.newyorker.com/reporting/2012/08/06/120806fa_fact_lizza

    er hat sich in den letzten 3 jahren einen plan zurechtgelegt und sich mit den entpsrechenden leuten verbuendet (koch brueder etc.) und wenn der plan aufgeht, pruegeln deren superpac millionen ihn und das aushaengesschild romney in’s weisse haus. zusammen mit der kongressmehrheit und dem senate im ewigen fillibuster ist dann wirklich der weg frei zum um/rueckbau des landes nach der reinen lehre des individualismus.

    wenn es nicht um ein paar hundert millionen menschen und deren leben ginge, waere das irgendwie sogar spannend anzusehen, wie (ob?) der strickte geldkapitalismus ohne jedes soziale netz sich selbst in den sand setzt..

  • @falschgold
    Wie es aussieht, wenn mann in einer Regierung völlig die unternehmerischen Aspekjte negiert, kann man wunderschön im Bundesland Berlin besichtigen: Politiker sitzen im Aufsichtsrat eines Riesenbauvorhabens und die Karre fährt gründlich in den Dreck. Desweiteren klafft dort die Schere zwischen den steigenden Sozialausgaben (z.B. für Mercedesfahrer) und den Einnahmen aus der Wertschöpfung immer weiter auseinander und hätte ohne die Zuzahlungen wahrscheinlich schon den Kollaps hervorgerufen.

  • […] Verschlechterung der Qualität des handelnden politischen Personals (leider auch hierzulande). Vor nicht ganz vier Jahren schrieb ich an dieser Stelle mit Blick auf die USA über das bestenfalls …, das sich damals auf republikanischer Seite dazu anschickte, Obamas zweite Amtszeit zu verhindern. […]

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