„Ein Krieg der Brandstifter und Gesichtslosen“

Zu den Prostesten Rechtsextremer gegen Roma in Ungarn.

Gerade lese ich ein Interview, das die kroatische Zeitung „Vjesnik“ mit dem montenegrinischen Schriftsteller Mirko Kovać (*1938) im November 1991, acht Tage vor dem traurigen Fanal von Vukovar führte (Vjesnik am Sonntag, 10. November 1991, S. 15). Der Anlass waren Antikriegsveranstaltungen von Schriftstellern und Intellektuellen aus allen ehemaligen Republiken Jugoslawiens im Belgrader (!) Theater „Duško Radović“. Mit den öffentlichen Lesungen und Diskussionen sollte gegen den Krieg in Kroatien demonstriert werden.

In dem Interview kommentiert Mirko Kovać die nationalistischen Kriegstreiber Serbiens, in erster Linie die Clique um Slobodan Milošević, mit einem Zitat Ortega y Gassets, das aus meiner Sicht auch die Aktionen der rechten Populisten in Ungarn gegen die dort lebenden Roma erfasst: „der Massenmensch ist tatsächlich ein Primitiver, der sich durch die Kulissen auf die alte Bühne der Zivilisation schleicht […]“ (Aufstand der Massen, 1929/30). Überschrieben war das Interview mit Kovać „Das ist ein Krieg der Brandstifter und Gesichtslosen“ [Ovo je rat palikuća i nikogovića]. Wohl differenzierter, in ihrer prägnanten Knappheit jedoch kaum besser, lassen sich die derzeitigen Ereignisse in Ungarn nicht charakterisieren.

T. S.

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