4. Fensterchen: Transparenz contra Paranoia

Erinnert sich noch jemand an den Film „8th Wonderland“? Cineastisch eher trübe, weil die Bildsprache manchmal eher einer ausufernden Power Point-Präsentation glich, hatte der Streifen doch einen wunderbar anarchistischen Ansatz: den rein virtuellen Staat, dessen Bürger sich schließlich ziemlich heftig in den Gang der realen Welt mischten.

Einer der interessanten Grundgedanken damals: Vorgänge transparent machen, die in den Hinterzimmern großer Politikertreffs oder in den Konferenzräumen nicht minder großer Unternehmen ihren Lauf nehmen. Noch einmal muss von dort der Bogen zu Julian Assange und vor allem zu Wikileaks geschlagen werden. Dass die Plattform mit der Veröffentlichung geheimer Dokumente einen Beitrag zur Transparenz leistet, erscheint klar. Da darf man von der Person Assange halten, was man will.

Die Reaktionen von großen Unternehmen (die nicht ganz ohne politischen Druck, vor allem aus den USA, handeln dürften) wie Amazon oder Paypal oder dem US-Provider everydns.net aber sprechen Bände. Der Provider beispielsweise machte wikileaks.org einfach dicht. Die Plattform der whistleblower muss nun Handstände machen, um erreichbar zu bleiben.

Wohin führt unser Weg, wenn wir dem Druck nachgeben, der aus Gründen jedweder Staatsräson die Dunkelzone der Intransparenz der der Offenheit vorzieht? Die Paranoia, die seit dem 11. September 2001 herrscht, nimmt immer neue Dimensionen an. Und nur, wenn der Öffentlichkeit Informationen vorenthalten werden, kann jeweils zum gewünschten Zeitpunkt die Angstkeule hervorgeholt werden, siehe das nicht verifizierbare Gewäsch ständig neuer Terrorgefahren.

Ich glaub, ich geh erstmal einen Glühwein trinken.

Prost.

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