AdventAgenda 2010 – 1. Fensterchen: DD 22 statt S 21

Stuttgart 21 ist tot, der so genannte Schlichterspruch von CDU-Geisel Heiner raubt dem Projekt die Grundlage, denn jegliche Spekulationen mit Grundstücken sollen unterbunden werden. Ja, aber: Wozu denn dann dieser Aufwand?

Warum sind die Herren Entscheider hubschraubend über der Stadt gekreist und haben den derzeitigen Schrottwert von Gleisen und Immobilien im Geiste gewogen? Und wozu wurden Baumschützer verknüppelt und Augen ausgespült?
Jetzt sind die Illusionen verendet, der Tiefbahnhof geerdet, die U-Bahn gen Ulm und das schöne neue S-Stadtzentrum hin! Das Gesicht des Landesherrn während der Präsentation des schlichten Spruchs sprach Bände: Während ein fröhlich gelaunter Bahnbauchef den sofortigen Baustoppbaustopp ansagte, gärte es im Schwaben gehörig und sichtbar: Im Frühjahr kein Präsident mehr – und nun auch keine Spekulatorenprämie, das ist ein hartes Schicksal, blöder Koppbahnhof!
Derweil kündigte die Bahn am Tag 1 in Dresden den nächsten unterirdischen Gag an – subtil wie bei Giftunfällen, also sehr diskret: Der Bahnhof auf der wilden Elbseite, dort, wo die Grünen manchmal 45 Prozent Protestwähler billig bis preiswert einsammeln, heißt ab sofort „Dresden-Ustadt“ (siehe Foto). Der zugehörige Tunnel sollte eigentlich von Leipzig (L21 ist fast fertig) bis Prag (P33) reichen, aber nun wird von Weinböhla bis Bad Schandau angefangen. Das Projekt – angesichts Dresdner Dynamik intern DD22 genannt und im Sächsischen Freiwirtschaftsministerium (SFWM) angesiedelt – verspricht herrliches Neubauland, vor allem in Radebeul. Aber auch die Dresdner Hafencity kann nun bis zum Heiderand geplant werden. Ein großzügiges Zugeständnis der Bahn soll grillige Stadträte gefügig machen: Die fünfgleisige Marienelbbrücke bleibt erhalten und wird dem Autoverkehr gewidmet – so soll das Blaugelbe Wunder entlastet werden.

Rudi Ment (im Advent)

Bahnhof Dresden-Ustadt
Bahnhof Dresden-Ustadt

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