Alte und neue Widersprüche – Dresden, der 13. Februar und ein Aufkleber

Werbung der Stadt für die Menschenkette 2012. Foto: Rädisch

 

Von Tobias Strahl. Die Stadt Dresden sieht ihren Aufruf zur Menschenkette vom 13. Februar durch einen Aufkleber verunglimpft, berichteten die „Dresdner Neusten Nachrichten“  (DNN) in der Wochenendausgabe vom 14./15. Januar. Der Aufkleber, der unter anderem an Stromkästen und Laternenmasten in Dresden zu finden ist, „diffamiert“ die Menschenkette, meinen die DNN. Der Zeitung zufolge will die Stadt Urheberrechtsklage einreichen – gegen wen, weiß jedoch niemand.

Für einen nicht unerheblichen Teil der Kommunikation nicht nur in dieser Stadt dienen öffentliche Objekte als Medium oder Träger von Medien: Häuserwände, Stromkästen, Laternenmasten einerseits – Graffiti, Plakate, Aufkleber andererseits. Ob  der fragliche Aufkleber unter dem Genre „Straßenkunst“ einzuordnen ist, das obliegt dem persönlichen Geschmack – meinen trifft er nicht. Ein wichtiges Stück Kommunikation ist der kleine Klebezettel – nach meiner Interpretation – trotz allem.

Grund zur Klage. Der anonyme in Dresden verteilte Aufkleber (die angegebene Internetseite existiert nicht). Foto: Strahl

 

Es war im Jahr 2000, als der damalige sächsische Ministerpräsident Kurt Biedenkopf mit dem Spruch, die Sachsen seien immun gegen Rechtsextremismus, für Aufsehen sorgte. Denjenigen, die damals, etwa in Löbau, Aue oder Wurzen, schon einmal Bekanntschaft mit einem Quarzsandhandschuh, Baseballschläger oder Schlagring im Besitz „immuner“ junger Männer machen durften, blieb, ob so viel Realitätsferne auf Seiten ihres „Königs“, nichts weiter übrig, als verständnislos die Köpfe zu schütteln (wenn sie es noch konnten). In den folgenden elf Jahren haben Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhard dem sächsischen Königreich, Deutschland und der Welt bewiesen, dass das Postulat des Spitzenpolitikers nicht ganz falsch, jedoch auch nicht ganz richtig war. Es gibt offenbar tatsächlich eine Immunität gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus in Sachsen – was deren Indikatoren anbelangt. Diese Immunität, nennen wir das Phänomen besser Ignoranz, grassierte und grassiert, wie es aussieht, vor allem unter Sachsens bürgerlicher und politischer Elite und in den verantwortlichen Behörden.

Es hat sich nicht viel verändert in Sachsen und der Landeshauptstadt in puncto Rassismus, Rechtsradikalismus und Fremdenfeindlichkeit, seit der Mosambikaner Jorge João Gomondai am 6. April 1991 das erste Dresdner „Opfer eines fremdenfeindlichen Überfalls“, wie es beschönigend heißt, wurde. Wer sich in den Initiativen, die sich mit den genannten Phänomenen auseinander setzen, in den letzten zehn Jahren umgehört hat, wer sich die Mühe machte, die Berichte der Beratung für Opfer rechter Gewalt, Amal und RAA, einzusehen, wer darüber hinaus ein paar Polizisten mit einschlägiger Stellenbeschreibung und deren private Berichte kennt, der zweifelte an der „Immunität“ der Sachsen schon länger.

Die anderen "Guten". Aufkleber des Bündnis Dresden Nazifrei mit dem Aufruf für 2012. Rhetorisch-juristisch gewandt, immerhin. Foto: Telefon

Seit mehr als zehn Jahren inszenieren Neonazis anlässlich des 13. Februar ihr widerliches Spektakel in Dresden. Sachsens bürgerliche Elite hat, bis auf wenige Ausnahmen, lange gebraucht, um die Dimensionen und gesellschaftlichen Implikationen des größten Naziaufmarsches in Europa auch nur annähernd zu begreifen. Während jahrelang lediglich eine Handvoll Menschen in Initiativen und Vereinen für eine offene Gesellschaft eintraten und dabei nicht selten ihre körperliche Unversehrtheit aufs Spiel setzten, ignorierte, alles spricht dafür, die Breite der Gesellschaft, vor allem aber sächsische Politiker und Verantwortliche in den Behörden alles, was für die Katastrophe sprach, die andere bereits erlebten – oft mit den schlimmsten Folgen.

Seit zwei Jahren gibt es nun auch eine Menschenkette in Dresden zum 13. Februar. 2010 rief Dresdens Oberbürgermeisterin unter anderem mit den Worten zur Teilnahme auf, die Menschenkette sei „Gedenken, Mahnung und Widerstand in einem“.  Seit zwei Jahrzehnten neuer Dresdner Geschichte steht das „Opfer Dresden“  im Mittelpunkt einer deutschlandweit einzigartigen Zeremonie angeblich betroffener Bürger, die nichts mehr mit den tatsächlichen Opfern des Bombenangriffs verbindet als ein von Nazi-Propagandaminister Goebbels inszenierter und von der DDR-Führung instrumentalisierter Mythos. Der Opfer-Mythos zweier Diktaturen wird unreflektiert fortgeführt in einem demokratischen System – trotz neuer Nazis, trotz rechter Gewalt, trotz rassistisch motivierter Tötungsdelikte und trotz rechter Gewalttaten in Sachsen, in Dresden. Trotz Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhard und dem Nationalsozialistischen Untergrund ist hier immer noch hauptsächlich vom „Opfer Dresden“  die Rede und nicht von den Opfern alter und neuer Nazis.

In die Menschenkette reiht sich, neben Dresdner Bürgern sowie nationalen und einigen internationalen Gästen, vor allem die sogenannte sächsische politische Elite ein und landet damit jedes Jahr öffentlichkeitswirksam auf den Titelseitenseiten sächsischer Gazetten. Auch Ludwig Güttler ließ sich schon öffentlichkeitswirksam für die Menschenkette ablichten und warb damit für das Gedenken der Zerstörung Dresdens vor 65 Jahren anlässlich des 13. Februar. Güttler galt auch als einer der am stärksten exponierten Befürworter für die Errichtung einer originalgetreuen Kopie der Frauenkirche.

Kein angeblich linker Chaot, sondern der international gefeierte Architekturtheoretiker und Verfasser wichtiger Architektur-Standardwerke Hanno-Walter Kruft schrieb dazu in einem bemerkenswerten Aufsatz  mit dem Titel „Rekonstruktion als Restauration“ bereits 1993: „Das bekannteste Beispiel ist der beschlossene Wiederaufbau der Frauenkirche in Dresden. Historisch und denkmalpflegerisch ist dieser Wiederaufbau nicht zu rechtfertigen. Als politische Entscheidung wird er verständlich, doch müssen sich die Entscheidungsträger – dies gilt auch für eine kollektive Mehrheit – sagen lassen, dass ihr Umgang mit der Geschichte unehrlich ist. Solche Entscheidungen sind Ausdruck der Restauration und spiegeln einen orientierungslosen, historisch retrospektiven gesellschaftlichen Zustand. Man kann solche Tendenzen nicht aufhalten, allenfalls bewusst machen.“ Man kann Dresden kaum prägnanter beschreiben als Kruft in seinen Zeilen.

In der auf allen Seiten mehr oder weniger aufrichtig betriebenen Kommunikation zum 13. Februar erscheint der fragliche Aufkleber als das plumpe Medium einer Position, die der Menschenkette Paradoxie und Schizophrenie vorwirft. Für diese Position gibt es handfeste Indizien, auch wenn der „Ton“, mit der sie vorgetragen wird, hier vierschrötig daher kommt. Jeder, der diese Position kennt, hätte die Aufkleber anfertigen und verteilen können. Was dafür spricht, „dass sie aus der radikalen Antifa-Szene stammen könnten“, bleibt ein Geheimnis der Auguren in der Redaktion der DNN. Die Folgerung der Zeitung, die Botschaft des Aufklebers laute „wer sich der Menschenkette anschließt, kann sich auch gleich auf die Seite der Nazis stellen“, folgt einer bestenfalls oberflächlichen Analyse des Klebezettels. Nur so lässt sich Ludwig Güttler „als vermeintlich rechte[n] Person[en]“ interpretieren – ein absurder Schluss fürwahr. Das Büro Güttlers, berichten die DNN, werde auf eine Klage gegen die Urheber des Aufklebers verzichten. Man wolle die „Sache nicht wichtiger machen, als sie ist“. Nicht so die Stadt Dresden: „Wir werden Urheberrechtsklage einreichen“, zitiert die Zeitung Stadtsprecher Kai Schulze. Nun, dann kann die Stadt sich wohl glücklich schätzen, dass es für die weiße Rose als Symbol keinen Inhaber des Urheberrechts gibt. Der nämlich könnte auf die Idee kommen, die Stadt Dresden zu verklagen, weil sie mit dem Gebrauch des Symbols der weißen Rose im Zusammenhang mit der Mythologisierung des „Opfers Dresden“ die Erinnerung an die im Nationalsozialismus ermordeten Mitglieder der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ verunglimpft.

Im Übrigen haben CDU, FDP und Bürgerfraktion im Stadtrat am vergangenen Donnerstag einen Antrag von Grüne, SPD und Linke, einen Teil der Florian-Geyer-Straße im Gedenken an die im Juli 2009 im Dresdner Landgericht ermordete Marwa El Sherbini nach der Ägypterin zu benennen, abgelehnt. Bernd Hempelmann hat dazu einen treffenden Kommentar in den DNN verfasst, in dem er unter anderem auf die Kontextualisierung der Abstimmung im Zuge des 13. Februar verweist.

11 comments

  • Sehr guter Artikel. Der Satz vom “spiegeln einen orientierungslosen, historisch retrospektiven gesellschaftlichen Zustand” trifft die Sache. wie den Nagel auf den Kopf.

    Was das Urheberrecht betrifft – das ist ja sowas von albern. Ohne Rechtsverdreher zu sein, bin ich mir sicher, dass das als (gute oder schlechte sei einmal dahin gestellt) Parodie als erkennbares Zitat durchgeht, als Satire sozusagen.

    Mir gefällt der Aufkleber übrigens. Ich habe mich schon damals aufgeregt, als man “Gesicht zeigen” wollte, dies aber weit abseits der Naziroute tat. Wie bitte, kann ich jemand mein Gesicht zeigen, wenn der hunderte Meter von mir weg steht. Da muss ich ja noch Feldstecher verteilen.

    Und eine angebliche “Nazifizierung” von El-Güttlero & Co. kann ich auch nicht erkennen. Dort steht ja nicht, dass die Leute Nazis sind – wie es ja auch in Deutschland nach 1933 nur ganz, ganz, ganz wenige waren (glaubt man den Aussagen nach 1945). Aber man hat halt weggeschaut und sich nicht eingemischt. Da sehe ich schon Parallelen zum aktuellen Zustand der Gesellschaft…

  • Sorry, hatte den Flieger nicht genau angeschaut – da steht ja der faule Apfel in einer Reihe mit dem Oberbläser. Das ist nicht wirklich nett, nimmt durch Überziehung auch meiner Ansicht nach dem Ganzen die Schärfe.

  • Am coolsten ist der Pferdehintern ;), super Artikel!

  • hä? Was will uns der Autor mit diesem düsteren Bild nun eigentlich sagen? Was hat Kurt Biedenkopf und die Frauenkirche mit den 3 t h ü r i n g e r Rechtsradikalen zu tun? Ist etwa ringsum Dresden und Sachsen eine heile Welt? Sind die “angeblich linken(r) Chaot”en die einzigen Guten, die noch die Demokratie verteidigen?

  • Als Autorin des im Artikel genannten DNN-Artikels werfe ich mal Folgendes in den Ring:

    1. Ja, ein Aufkleber, der Menschen wie Ludwig Güttler mit Typen wie Holger Apfel und sogar Joseph Goebbels in eine Reihe stellt, nur weil Ersterer es vorzieht, seinem Protest gegenüber Nazis in friedlicher Weise Ausdruck zu verleihen, statt Barrikaden zu bauen und gegebenenfalls noch anzuzünden, der diffamiert die Menschenkette bzw. deren Befürworter als “Handlanger der Nazis”. Herr Strahl hat viel geschrieben, doch nicht einen Satz darüber verloren, warum die Botschaft des Aufklebers nicht als diffamierend eingeordnet werden sollte.
    Dass zwischen Blockierern und Menschenkettlern längst der Krieg um die Deutungshoheit für die “richtige Reaktion auf die Naziaufmärsche” entbrannt ist, kann wohl keiner mehr leugnen, der die Entwicklung beider Gruppen im Auge hat.

    2. Ich rate dringend an, einmal einen Blick zurück zu werfen, und zwar ein wenig weiter als nur zehn Jahre. Sagen wir mal 18 Jahre. Damals pilgerten am 13.2. ein paar Handvoll Menschen mit Kerzen zur Ruine der Frauenkirche und vielleicht eine Handvoll Nazis zum Heidefriedhof. Das war alles. Von Naziaufmärschen damals keine Spur. 1995, im 50. Jahr der Zerstörung Dresdens hatte die Stadt soeben damit begonnen, die Frauenkirche wiederaufzubauen. Dafür brauchte sie Mittel. Die Kirche wurde zum Symbol für Versöhnung aufgebaut – und der 13. Februar wurde das Aushängeschild, um dafür auch außerhalb der Landesgrenzen ein Bewusstsein und Geldgeber aufzutun. Und zack! war Dresden zur Projektionsfläche für alle möglichen Assoziationen geworden, die wer auch immer mit dem Zweiten Weltkrieg, dem alliierten Bombardement, den Schrecken und dem Leid hegen mochte. Und zwar betraf dies naturgemäß nicht nur die Dresdner, die Holocaust-Opfer, die Sieger und die Verlierer – sondern selbstverständlich auch die Neonazis, die zu jener Zeit sagen wir mal eine ganz besondere Beziehung schon immer hatten.
    In den Folgejahren wurde das stilisierte, öffentlich inszenierte Gedenken an diesem Tag zur Gedenkindustrie nahezu perfektioniert. Der 13.2. in Dresden wurde zu einem Event, von dem nicht zuletzt auch Handel und Gewerbe profitierten. Auch ein Grund, warum man sich diesen Tag heute um keinen Preis mehr nehmen lassen will. Auf diesen Zug sind die Nazis, die eine solche Vereinnahmung logischerweise als schiere Provokation auffassen MUSSTEN, irgendwann Ende der 90er-Jahre einfach aufgesprungen. Sie sagten sich sinngemäß: Moment mal, wo sind wir eigentlich an diesem so geschichtsträchtigen Tag? Was die können, können wir schon lange. Und von da an zogen die das Dresden-Gedenken ähnlich groß auf wie der Rest der politischen Sphäre. Und nun kamen keine 100 Nazis mehr verschämt zum Heidefriedhof, sondern es marschierten 1000, 2000, 5000. Und auf dem Heidefriedhof stand man künftig in teuren Anzügen Seit an Seit mit Wagner und Biedenkopf.
    Ganz interessant übrigens auch der Blick ganz nach links, denn dort war eine ähnliche Reaktion auf die Institutionalisierung des Dresden-Gedenkens durch die Lokalpolitik zu beobachten: Die Antideutschen machten ebenso mobil. Folglich marschierten seit Ende der 90er-Jahre auch antideutsche Verbände in wachsender Zahl durch Dresden. Im Jahr 2011 waren es am 11. Februar immerhin knapp 1000, die durch Dresden zogen und skandierten: “Reißt die Frauenkirche wiedere ein!” oder “Bomber-Harris, do it again!”
    Noch interessanter: Gegen diese Art Extremisten scheint sich unter den ach so wackeren Demokraten aus dem Umfeld des Bündnisses Dresden-Nazifrei keinerlei Groll zu regen. Nein, man hat die Zielgruppe seiner Wahl bereits gewählt, was interessiert mich da, dass es da noch andere unschöne Phänomene gibt?

    Ich folgere schluss: Die Probleme mit der Vereinnahmung des 13. Februar für extremistische Zwecke in Dresden sind HAUSGEMACHT. Und wir werden sie nicht lösen, indem wir uns an einigen Tagen im Jahr den Nazis symbol- und öffentlichkeitsträchtig entgegenstellen. Das dürfte so klar wie Kloßbrühe sein für jeden, der keine Scheuklappen trägt. Wer will, dass die Vereinnahmung aufhört, der sollte zuerst bei sich selbst anfangen, und dann schauen, wie alles begann. Will die Stadt keine Nazis, muss sie selbst aufhören, den Tag für politische Zwecke zu instrumentalisieren.

  • Nachtrag:

    Ich kann nur hoffen, lieber Herr Strahl, dass die Botschaft in Ihrem Blogeintrag nicht lautet: Wenn wir nur laut genug protestieren, wenn wir nur vehement genug unsere eigenen Gesetze beugen, um uns in einem Akt von zivilem Ungehorsam am 13. Februar den Nazis entgegenzustellen (und dafür gern auch Sach- oder Personenschäden etwa aufseiten der Polizei in Kauf nehmen), dann, ja dann wird der Traum vom nazifreien Dresden, Sachsen oder Deutschland irgendwann wahr.
    Es wird immer Menschen geben, die andere ausgrenzen wollen, weil Intoleranz und Rücksichtslosigkeit nun mal zum einen ein unerlässliches Hilfsmittel auf dem Weg zu Macht und Einfluss sind und zum anderen wunderbar geeignet sind, um eigene Unzulänglichkeiten zu überspielen und Frustrationen abzubauen. Machtstreben und Frustbekämpfung sind aber so ziemlich das, womit die Menschheit tagtäglich dealt. Hier lediglich die Neonazis heranziehen zu wollen, ist scheinheilig und seinerseits ignorant.
    Und genau deswegen ist das hilflose Anschreien gegen einige wenige Symptome einer grundsätzlich aus dem Ruder laufenden Menschheit nichts anderes als in einem stickigen Raum einen Tischventilator anzustellen.

  • Liebe Jane,

    Ich sollte vorausschicken, dass ich ein wenig hin und her überlegt habe, diese Zeilen zu schreiben. Zum Schluss ist es eine Frage, die mich dazu bewogen hat: Woher dieser Zorn?

    Ich will nicht wiederholen, was wir (vor allem Tobias, aber ganz bewusst WIR) für Texte und Standpunkte zum Thema 13. Februar hier eingestellt haben. Alles nachlesbar. Wir diskutieren auch selbst immer wieder darüber, müssen dabei nicht bei jeder Kleinigkeit übereinstimmen. Ist auch gut so.

    Einen Satz Deines langen Kommentars unterschreibe ich sofort: “Will die Stadt keine Nazis, muss sie selbst aufhören, den Tag für politische Zwecke zu instrumentalisieren.” Zumindest wenn Stadt für ihre politischen Entscheidungsträger steht.

    Bei Formulierungen wie “klar wie Kloßbrühe für jeden, der keine Scheuklappen trägt” oder Vorwürfen der Scheinheiligkeit und Ignoranz aber ist die Frage wieder da: Woher dieser Zorn? Wir können auch über Blockaden streiten, ich befürworte sie. Der Vorwurf, Gesetze damit zu beugen, läuft – mit allem Respekt – ins Leere. Es gibt Situationen, wo eine Entscheidung nicht dadurch richtig wird, dass sie allein durch Paragraphen legitimiert ist.

    Doch, ich würde es gern wissen: Woher dieser Zorn? Wir stehen nämlich auf derselben Seite. Eigentlich.

    Würde mich freuen, mit Dir drüber reden zu können. Ganz ehrlich.

  • Zugegeben, den letzten Part hatte ich damals nur überflogen. Daher jetzt noch mal ein paar Worte zu den Einlassungen des Autors zum (von mir verfassten) DNN-Artikel:

    Die Einschätzung, der Aufkleber käme höchstwahrscheinlich den “radikalen Antifa-Kreisen” entstammen, entspringt keinen ominösen “Geheimnissen der Redaktion”, sondern stammt einem Interview mit Dresden-Nazifrei-Sprecher Thiele. Und auch der Pressesprecher der Linken hat diesen Verdacht geäußert, da weitere Aufkleber (auf die im obigen Artikel gar kein Bezug genommen wird) sich offensichtlich sogar gegen linke Politiker wenden, die es wagten, auch an der Menschenkette teilzunehmen. Tatsächlich braucht man doch in diesem Fall nur 1 und 1 zusammenzählen:

    Die Linke sowie Bündnis Dresden-Nazifrei distanzieren sich von dem Aufkleber und ächteten ihn als überzogen und radikal, so etwas habe man gar nicht nötig. Die Aufkleber verhöhnen Versöhnungsaktivisten, das rechte, konservative, bürgerliche und das linke politische Lager gleichermaßen und stellen diese damit auf eine Stufe mit Hitlers Vasallen. Dann hatte ich im Artikel doch wirklich ausführlich die Zusammenhänge geschildert: Güttler gilt als Wegbereiter des Wiederaufbaus der Frauenkirche in antideutschen Kreisen als Symbolfigur eines Versöhnungsgedankens, der zumindest in seiner grundsätzlichen Ausrichtung (die Frage des Wie sei hier einmal ausgeklammert) eigentlich nur in eben diesen Kreisen NICHT gewollt und scharf angegriffen wird. Ich wüsste niemanden sonst, der solch eine radikale Position vertritt. Sie vielleicht? Dann wagen Sie sich doch mal aus der Deckung, Herr Strahl, und nennen Sie ein paar Kandidaten, statt lediglich gegen die geäußerte Variante zu schießen. Wenn wirklich “jeder” diese Position vertreten könnte, dann dürfte der glaubwürdige Nachweis ja nicht so schwer fallen.
    Und noch etwas spricht klar für die antideutschen Kreise: Das Anfertigen solcher Aufkleber in derartigen Stückzahlen kostet Geld und Zeit und erfordert ein gut ausgebautes Netz an Helfern. Und es erfordert eine gewisse Leidenschaft für das berührte Thema. All dies spricht nicht gerade für irgendeine beliebige Einzelperson, die sich einen bösen Scherz erlaubt. Nein, das spricht für eine gut organisierte Gruppe.

    Und wenn ich hier wieder von der vermeintlichen “Mythologisierung des Opfers Dresden” lese, dann weiß ich eigentlich sehr genau, woher hier der Wind weht. Nämlich ziemlich genau aus jenen Richtungen, aus denen in etwa auch der Aufkleber hergeflattert sein dürfte. Niemand außer den extremen Rechten und Linken redet von einem “Opfer Dresden”. Es sind die Menschen, die Opfer wurden – und zwar ganz genau so, wie es Dieter Landgraf-Dietz vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge auf dem Heidefriedhof sagte: “In Dresden wurden Täter und Opfer des 2. Weltkrieges gleichermaßen getroffen – Nazi-Verbrecher, Juden, unschuldige Zivilisten, Kinder, Greise, Flüchtlinge, alliierte Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter. Und genau dies ist die mit Abstand am weitesten verbreitete Position in Dresden zum 13. Februar 1945. Von einem “Mythos” reden lediglich die, die gar kein Gedenken wollen, keine Versöhnung und auch sonst nichts, das das Täteralleinstellungsmerkmal und die Kollektivschuld auch nur einen Millimeter weit von den Deutschen wegrückt.

  • Liebe Frau Janke,

    um die Sache abzukürzen, vor allem aber leser- und diskussionsfreundlicher zu gestalten: Ich kann in Ihren Ausführungen keine Position entdecken, die nicht bereits in einem der hier hinterlegten immerhin 26 Artikel zu dem Thema behandelt
    worden ist.

    Vielleicht nehmen Sie sich die Zeit, und lesen die Artikel zunächst einmal sorgfältig. Sie finden hier Antworten auf alle von Ihnen bisher vorgebrachten Fragen – vom bürgerlichen Diskurs bis zur Mythenbildung. Diese Arbeit kann ich Ihnen nicht abnehmen.

    Wenn dann Ihrerseits noch konkrete Fragen oder Kritikpunkte bestehen sollten, können Sie die gern auf das Tapet bringen. Das erspart mir viel Zeit und vor allem (Schreib)Arbeit.

    Ich bitte Sie, in diesem Sinne von weiteren Polemiken abzusehen.

    Im Übrigen müssen Sie sich für die von Ihnen an verschiedener Stelle vorgetragene Position nicht rechtfertigen.

    Mit den besten Grüßen,

    Ihr Tobias Strahl

  • Herr Strahl,
    da ich sehe, dass Sie an ausführlichen Diskussionen nicht interessiert sind (wobei ich mich da schon frage, weshalb Sie in einem Blog veröffentlichen, das nicht zuletzt von Diskussionen lebt), mach ich’s diesmal kurz: Ein Autor, der sich zu schade ist, auf Fragen seiner Leser einzugehen und stattdessen lieber hochnäsig auf die anderen veröffentlichten Artikel verweist, der verdient eigentlich keinerlei Resonanz.
    Und bevor Sie mir Polemik vorwerfen, sollten Sie einmal die wenig akurate Art und Weise einer genaueren Überprüfung unterwerfen, mit der Sie mit der schreiberischen Arbeit anderer umgehen. Bevor Sie mir mangelnde Sorgfalt vorwerfen, schauen Sie einmal, was Sie alles in meinem Artikel auf DNN-Online überlesen haben, was mich ja erst zu einer Reaktion hier veranlasste. Es passiert mir wirklich nicht oft, dass mir der Mund offen stehen bleibt ob so viel arroganter Selbstüberschätzung.

  • Lesen bringt grundsätzlich eigene Interpretationen des Textes ins Spiel. Bitte versucht immer, mit Hartnäckigkeit und Geduld im – in diesem Fall schreibenden – Gegenüber einen Menschen mit positiven Absichten zu vermuten, auch wenn das eigene verhärtete Bild anderes verlangt. Und sollte die Kraft dafür nicht reichen, lasst Schmutz lieber vorbeischwimmen.

    Ob man Kommentator oder Autor ist, spielt dabei keine Rolle.

    Wir kommen in Frieden.

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