Ein Land im Wartestand: Transkarpatien, die Ukraine und das Bangen

Oleksandr Lipčej ist der Direktor der Schule in Nišnje Selišče. Die Regierung von Viktor Janukowitsch übte in den letzten Jahren auf das ukrainische Lehrpersonal starken Druck aus, um bereits mit der Schulbildung die Identifikation mit Russland zu fördern. Foto: Tobias Strahl

 

Von Torsten Klaus. Im ukrainischen Fernsehen laufen sie regelmäßig: die Spots, in denen Künstler, Intellektuelle und auch Mitarbeiter der Sendestationen selbst die Einheit ihres Landes beschwören, sich gegen einen drohenden Krieg wenden. Meist aber werden diese Bilder rasch abgelöst von anderen, auf denen Bewaffnete zu sehen sind oder die von Aufklärungsflugzeugen gemacht wurden. Im Osten der Ukraine stehen russische Truppen. Aber wo stehen diese Truppen in ein paar Tagen? Diese Frage pocht in den Köpfen vieler, mit denen wir im Westen der Ukraine, in Transkarpatien in der Nähe der Stadt Chust bisher haben sprechen können. Das Wort Angst nimmt dabei kaum jemand in den Mund. Doch wird das sogenannte Referendum übermorgen, das über die territoriale Zukunft der Krim entscheiden soll, wirklich das Ende einer bilateralen Krise zwischen Ukraine und Russland sein – oder doch der Anfang eines Krieges?

Wir werden an dieser Stelle nicht versuchen, in den Chor derer einzustimmen, die hierher kommen und nach ein paar Stunden Aufenthalt den Zustand eines Landes wie der Ukraine analysieren. Wir sind bisher vielen Menschen begegnet – Lehrern, Bauern, Wirten, jungen und älteren Semestern – und noch mehr Begegnungen stehen an. Viele dieser Menschen sind von zwei Zuständen geprägt: Hoffnung und Hilflosigkeit. Sie warten und bangen, müssen warten auf die Entscheidung eines anderen, in diesem Fall eines anderen Landes. Das Ergebnis ist schlimmstenfalls das Aufeinandertreffen zweier Armeen. Ein Wartestand nah am Rand der Unmöglichkeit. Was wir auch sagen können: Die Krim haben die Ukrainer, mit denen wir gesprochen haben, mehrheitlich schon abgeschrieben. Ob dieser Verlust der einzige bleibt, wird sich übermorgen zeigen. Erst nach dem Ergebnis auf der Krim werden wir hier unsere Eindrücke und Einschätzungen allumfänglich veröffentlichen. Stay tuned.

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