Ein Wille, ein Weg? Zur Zukunft der Ostrale

Von Torsten Klaus. Kulturthemen sind generell Nischenthemen, da mache ich mir nichts vor. Eine Blase, um im zeitgemäßen Jargon zu bleiben – zumindest aber eine schön tapezierte. Das ist in Dresden nicht anders. Doch zur schönen Tapete gesellen sich schrille Töne, weil hier in manchen Kreisen eigenartige Formen von Kommunikation herrschen. Jüngstes Beispiel: die Ostrale.

Der Ist-Zustand der Futterställe, des Ostrale-Ortes, im vergangenen Sommer.  Draußen…                           Fotos (2): Anja Schneider

Für alle, die nicht so vertraut sind mit bildender Kunst: Die Ostrale hat sich von 2007 bis 2017 als Dresdens und nicht zuletzt Sachsens große jährliche Ausstellung zeitgenössischer Kunst etabliert. Zu Hause ist sie in den ehemaligen Futterställen des früheren Erlweinschen Schlachthofgeländes im Ostragehege. Seit diesem Jahr ist die Ostrale in einen zweijährigen Modus gewechselt, also zur Biennale geworden. Ab nun wird im Wechsel einmal im Ausland gezeigt, was sich künstlerisch auf der Ostrale tut (in diesem Jahr ab April in Europas Kulturhauptstadt Valletta auf Malta), im Jahr darauf folgt die Rückkehr nach Dresden – und in diesem Wechselspiel immer so weiter.

 

Die 2017-Augabe der Ostrale, gut acht Wochen dauernd, konnte am Ende rund 30 000 Besucher vorweisen. Rekord. Ende Januar wurde auch eine Konzeptstudie bekannt, was die Sanierung der Futterställe angeht. Rund 14 Millionen Euro sind laut Studie fällig. Frühere Schätzungen bewegten sich zwischen 3 und 5 Millionen Euro. Aber darum geht es nicht. Sondern darum, dass im Zug dieser Studie die Stadt, in einem ersten Moment des Zusammenzuckens, offenbar so etwas wie kalte Füße bekommen hat. Nun wurde plötzlich ein anderes altes Bauwerk, das in Nachbarschaft der Futterställe seit 1994 zusehends verfällt, als künftiger Ostrale-Ort ins Spiel gebracht: der sogenannte Schweinedom, quasi die Landmarke des früheren Schlachthofgeländes im Ostragehege. Er soll für geschätzte 18 Millionen Euro saniert werden und könnte dann ganzjährig für Tagungen, Kongresse und Ähnliches genutzt werden. Die Ostrale wäre hier dann lediglich ein Mieter unter vielen. Und müsste absehbar mit deutlich weniger Ausstellungsfläche auskommen. Fast parallel dazu wurde die Idee laut, die Futterställe für lediglich 2 Millionen Euro zu sanieren. Dann sollen sie eine passable Lagerfläche hergeben. Also kommerziell genutzt. Ein Hickhack sondergleichen. Und ein bitterer Beigeschmack. Denn genau in dem Moment, wo die Ostrale nun ihren angestammten Ort verlassen muss, werden Pläne aus der Schublade gezogen, die ihre Zukunft mehr als wackelig erscheinen lassen. Im Ostragehege geht es um Immobilienentwicklung, mit Blick auf die Ostrale sollte es um Kulturerhalt gehen. Beides sollte zusammenfinden, gleichberechtigt. Nicht unter der Dominanz des Geldes.

…und drinnen.

Das Geld könnte freilich auch von anderer Seite kommen. Doch der Freistaat Sachsen zuckt da sozusagen die Schultern. Eine Landtagsabgeordnete sagte mir noch vor wenigen Tagen am Telefon, dass die Kulturstiftung des Freistaates für die Förderung wie die der Ostrale zuständig sei – und das Ganze sowieso in erster Linie eine kommunale Angelegenheit. Das stimmt – aber auch nur so lange, bis der Freistaat Sachsen beispielsweise feststellen könnte: He, die Ostrale ist ja nicht nur von Dresdner, sondern von landesweiter Bedeutung. Und entsprechend handelt.

 

Denn die Regularien, auch die zur Kulturförderung, sind von Menschen gemacht und können entsprechend geändert oder ausgelegt werden. Ein Beispiel dafür? Als der Kunstsammler Egidio Marzona sein Archiv der Avantgarde Ende 2016 vertraglich nach Dresden verschenkte, war im Vorfeld schon einiges festgezurrt worden. Vor allem die ziemlich schnelle und unbürokratische Entscheidung, das Dresdner Blockhaus, wo das Archiv einziehen soll, für rund 20 Millionen Euro zu sanieren. Das Archiv wird Teil der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden sein – ein vom Freistaat finanzierter Museumsverbund. Marzona hatte im Vorfeld seiner Entscheidung mit Sachsens damaligem Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) gesprochen. Man darf ziemlich sicher sein, dass er nicht ohne Zusicherungen aus diesem Gespräch herauskam. Und ein ganz anderes Beispiel noch: Als vor ein paar Wochen erstmals ein Skilanglauf-Weltcup am Dresdner Elbufer ausgetragen wurde, war die Finanzierung logischerweise auch ein Thema. Vom 1,2 Millionen Euro schweren Gesamtetat kamen 300 000 Euro vom Freistaat, der dafür extra einen Weg fand, um seine Sportförderung anzuzapfen. 150 000 Euro des Anteils stammten aus der Standortwerbung des Landes „So geht sächsisch“. Dafür stand „Simply Saxony“ auf den Trikots der Athleten.

 

Worauf ich hinaus will: Wo ein Wille ist, ist offensichtlich auch ein Weg. Statt sich also den Schwarzen Peter zuzuschieben, sollten Stadt, Ostrale-Macher und Freistaat gemeinsam nach einer dauerhaften Lösung für den künftigen Ostrale-Standort und dessen Finanzierung suchen. Nicht zuletzt deshalb, weil von den rund 550 000 Euro Gesamtetat etwa 150 000 Euro von regionalen Sponsoren kommen. Dieses Engagement sollte begrüßt und bestärkt werden, statt die Unterstützer (die meist Unternehmer sind) mit der unsicheren Ostrale-Zukunft zu verprellen und vors Schienbein zu treten.

 

Um einem möglichen Missverständnis abschließend noch entgegenzuwirken: Es geht in diesem Text nicht um die Forderung nach Förderung für die Ostrale. Es geht vielmehr um eine faire und ergebnisoffene Kommunikation miteinander, die auf professioneller Ebene angesiedelt ist. Und zwar gerade auch dann, wenn man persönlich nicht immer bestens miteinander auskommt, um es mal euphemistisch auszudrücken.

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