Eine Studie für den Austausch mit Kosovo

Neki Jahaj (r.) und Bernd Stracke in der Hillerschen Villa in Zittau. Foto: Tobias Strahl

 

Von Tobias Strahl. Im Jahr 2010 stellte mir Walter Happel, der Leiter des Loyola-Gymnasiums in Prizren, im Süden Kosovos, zum ersten Mal Neki Jahaj vor. Die Schule mit angeschlossenem Internat feierte gerade ihr fünfjähriges Bestehen und Neki war kurz zuvor Leiter der Fachschaft Deutsch geworden. Ein längeres Gespräch entspann sich zwischen uns; wir stellten fest, dass sich unsere Geschicke im Grunde schon elf Jahre vor unserem ersten Treffen verbunden hatten. 1999 floh die Familie Nekis vor dem Krieg in Kosovo nach Deutschland, ich wurde als Gebirgsjäger von Deutschland nach Kosovo geschickt. Neki lebte für eine Zeit in meiner, ich in seiner Heimat. Im Jahr 2000 nach Kosovo zurückgekehrt, studierte Neki an der Universität in Pristina deutsche Sprache und Literatur; ich begann mich nach meiner Rückkehr aus Kosovo mit südosteuropäischer Geschichte zu beschäftigen.

 

Seit dem Jahr 2005 unternimmt Neki mit seinen Schülern regelmäßig Exkursionen an eine Partnerschule des Loyola-Gymnasiums in Gemünden am Main. Deutsche Jugendliche reisen im Austausch dafür nach Kosovo. Derzeit ist Neki Gast der Hillerschen Villa in Zittau. Mit finanzieller Unterstützung der Marion Dönhoff Stiftung analysiert er die Strukturen kultureller Träger in Kosovo und Deutschland. Die Analyse soll einen Austausch zwischen diesen Trägern ermöglichen. Für das Projekt verwendet der Vater von zwei Kindern seine Sommerferien. Auf Basis der Studie könnten künftig etwa Jugendliche, die am jährlichen Filmworkshop im Rahmen des Neiße Filmfestivals in Zittau teilnehmen, denselben Workshop des Dokumentarfilmfestivals in Prizren, Kosovo besuchen. Im Gegenzug erwartet das Neiße Filmfestival junge Gäste aus Kosovo.

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