Fremde Stadt

Belgrad im Nebel I. Foto: Strahl

 

Von Tobias Strahl. Es ist kalt geworden in den letzten Tagen. Save und Donau kühlen aus, die Stadt liegt oft im Nebel. Belgrad hat sich verwandelt. Ich wandere mit dem Fotoapparat durch eine Stadt, die ich nicht kenne.

Belgrad im Nebel II. Foto Strahl

 

Irgendwann habe ich mich in die Stadt verliebt. Ich hatte mir vorgenommen, dass mir das nicht passieren würde. Geholfen hat es nichts. 

 

Belgrad im Nebel III. Foto: Strahl

 

Auch ich bewege mich im Nebel, verändere mich mit den Orten, an denen ich lebe. Neue Wege, neue Bilder, neue Gewohnheiten. Möglich ist, dass ich morgen alles ganz anders sehe. Sich ein neues Bild aus dem Nebel schält, etwas sicher Geglaubtes darin verschwindet. Die Eindrücke und Gewissheiten sind von denkbar kurzer Dauer.

 

Belgrad im Nebel IV. Foto: Strahl

 

 Mit Predrag zweifele ich die Stadt an, mit J. und M. vom Kulturzentrum REX bilde ich mir ein, einen Teil ihrer Probleme zu verstehen, mit dem Russen D. aus meiner Serbischklasse saufe ich sie aus.

 

Belgrad im Nebel V. Foto: Strahl

 

Die Stadt, die ich heute kennenlerne, hat nichts mit dem Serbien zu tun, was ich kannte. Wahrscheinlich hat sie, wie mir einige Beograđani versichert haben, nur wenig mit dem übrigen Serbien gemein. Möglich ist das, ich weiß es nicht. Es bleibt eine Menge zu entdecken. An den Wochenenden verbringe ich die erste Hälfte der Tage mit dem Fotoapparat in der Stadt. Am Abend folgt dann meist noch eine zweite Runde. Morgens Schwarzweißfilm (Tri-X 400, Kodak), abends digital. Oder, wie M. sagen würde: Am Morgen “fotografieren”, am Abend “knipsen”.

 

Belgrad im Nebel VI. Foto: Strahl

 

Die Stadt hat sich verwandelt im Nebel; mich hat sie verwandelt, mit ihren kraftvollen Bewegungen, ihrer abgetragenen Haut, an der noch Reste fantastischer Farben zu erkennen sind, ihrem Labyrinth aus scheinbar planlos angelegten Straßen und Häuserzügen. Belgrad ist absurd und erinnert mich in mehr als einer Hinsicht stark an Porto, im Norden Portugals. Die Stadt hat noch viele Geheimnisse, prachtvolle Fassaden vor  furchtbaren Hinterhöfen, neue, prunkvoll eingerichtete Geschäfte und alte, dreckige Märkte, die sich an Orten befinden, wo man sie nicht vermutet, verstopfte Straßen über gähnend leeren Unterführungen, einem Geflecht aus verzweigten Gängen, von denen man nicht weiß, wo sie einen hinführen werden.

Belgrad im Nebel VII. Foto Strahl

 

Kommentare

  • Belgrad im Nebel IV:
    Kompliment!
    Ich habe ne Weile gebraucht um die Aufnahme zu ergründen. Das war auch bei Nacht kein Knipser.

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