Guido gut – alles gut!

Wie Macheli den “Müpel” an seinen Kumpel Thassilo verborgte. Was dann geschah.

Thassilo war wütend. Guido ging nicht mehr weg. Seitdem Thassilo letzte Woche bei einer Spielerei mit dem von Peter Macheli ausgeborgten Zukunftsfernseher die Begriffe „Geld*, Westerwelle* Macheli*“ und die Zahl 2022 in die Suchmaske eingegeben hatte, machte das blöde Dinge jetzt permanent die Westerwelle, auch wenn Thassilo gar nicht danach suchte. Guido beim Angeln in Kamtschatka, beim Sonnenbaden am Nil, beim Rodeln in Geißing – überall lauerte der furchtbare Kerl. Thassilo konnte sich nicht erklären, woran es lag. Übermorgen musste er Peter den “Müpel” zurückgeben. Wenn Guido dann immer noch in jeder Simulation auftauchte, dann würde sich Thassilo sein Mädchenbier in Zukunft selber kaufen müssen.

Dabei hatte alles ganz harmlos angefangen. Thassilo, erpicht auf eine zukünftige Version seiner finanziellen Lage, hatte ausprobieren wollen, wie groß der Schaden, den die Fantastereien des derzeitigen Außenministers darin anrichten könnten, ausfallen würde. Zuerst hatte der Zukunftsfernseher Fragmente einer Nachrichtensendung im Jahr 2022 ausgespuckt:

“Die Regierungsmannschaft und ihre Sympathisanten, unter ihnen auch Altkanzlerin Angela Merkel, haben sich in den Büros des Berliner Bundestages mit Luftgewehren und Katapulten, so genannten Zwillen, verschanzt. Sie halten den stellvertretenden Konzernsprecher der Äonen AG, Diethelm Leuchtofen, als Geisel fest. Mit ihrer Aktion will die ehrenamtliche Regierung des Demokratiemuseums Berlin auf die drohende Auflösung ihrer Arbeitsverhältnisse als Ein-Euro-Jobber hinweisen. Letzte Woche hatte der Vorstand der Bundesbahn AG, unter Federführung des ehemaligen Außenministers Guido Westerwelle, die Laufzeit der Zuwendungen an den Verein Bundesregierung e.V. im Rahmen des reformierten Schmiere18-Gesetzes auf drei Monate verkürzt.”

Was hat der Schwachsinn mit mir zu tun? – hatte Thassilo sich gefragt und die Suche abgebrochen. Seine neue Kombination für Machelis geniale Zukunftskiste lautete: Politik*, Thassilo Bart*, Sparbüchse* und wiederum 2022*. Das Licht in Thassilos Arbeitszimmer flackerte, Machelis Kästchen summte verdächtig, schließlich manifestierte sich über dem Schreibtisch ein Bild. Thassilo sah sich selbst, wie er, in einen schäbigen Sportanzug gekleidet, ein Buch aus einem Regal zog. „Erich Springbaum“ stand auf dem Einband. „Guido gut, alles gut“ lautete der Titel. „Gruselig“, dachte Thassilo, entschloss sich aber, durchzuhalten und weiterzugucken. Er sah sich in dem besagten Buch blättern. Einzelne Passagen flackerten durch die Projektion von Machelis Maschine. „…so war die ökonomische Effizienz des Parlaments im Jahr 201…strittig….kaum noch gewährleistet…letzte Funktion, die der Umverteilung von … schon lange nicht mehr in vollem Umfang erfüllen können…Westerw…Vorschlag…keine Einwohner…Europaparlament entschieden, Europäer als Angestellte…nicht mehr als Franzosen, Italiener oder Deutsche etwa…Umverteilung besser…Unternehmen gewährleistet…Leistungsprinzip…Transformation der Parlamente…im Sinne…kollektives Gedächtnis…Vereine“ – rumms! Mit einem lauten Krachen endete die Projektion. In Thassilos Arbeitszimmer stank es entsetzlich nach verbrannter Plaste und schwelendem Gummi, das Licht war erloschen, in der Wohnung über ihm hörte Thassilo das Fluchen von Mathilde, die beim Wickeln ihrer Tochter ebenfalls in Dunkelheit versunken war. „Was machst Du hier, Thassilo“, hörte er die wütende Stimme von Genoveva, die, mit einer Taschenlampe bewaffnet, die Tür zum Arbeitszimmer aufgerissen hatte. Ahh…! Thassilo unterdrückte nur mühsam einen Schrei. Nicht Genoveva war es, die dort vor dem dunklen Grund des Korridors im Rahmen der Tür heraufzog wie Sataniel am Höllentor. Im funzeligen Schein der Taschenlampe stand Guido Westerwelle, der ihn mit der Stimme von Genoveva ansprach. „Geh weg!“, schrie Thassilo und schlug das Kreuzzeichen. „Hast Du sie nicht mehr alle“, fragte Guido aka Genoveva. „Ach so, die Maske“. Die Gestalt im Türrahmen zog sich eine Plastikmaske vom Gesicht, zum Vorschein kam das vertraute Antlitz der göttlichen Genoveva. „Hab ich für Fasching gekauft, sieht ganz schön blöd aus, hä? Macheli wird Augen machen, witzig oder?“ „Ganz und gar nicht“, stammelte Thassilo und begab sich auf die Suche nach dem Sicherungskasten.

Fortsetzung folgt

Thassilo Bart

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