Knjige, Pesme, Filmovi

Sajam Knjiga - Buchmesse in Belgrad. Vorn der Stand des Gastlandes Portugal. Foto: Strahl

An diesem Wochenende ist die berühmte Buchmesse Belgrads, die Sajam Knjiga, zu Ende gegangen. Zu Gast war in diesem Jahr Portugal. Zwei Mal war ich auf der Messe und beide Male fand ich ihre Hallen übervoll mit  Menschen.

Kein Wunder, Bücher spielen eine herausragende Rolle in der serbischen Gesellschaft. Belgrad ist voller Buchläden und Buchantiquariate, denen nicht selten eine kleine Kunstgalerie angeschlossen ist.

Die Knjizare sind noch weitestgehend individuelle Erscheinungen. Noch prangt nicht über jedem Buchladen das Zeichen derselben Kette. Auch gibt es bisher keinen Bücher-Giganten – ich würde nicht so weit gehen, zu behaupten, dass ein solcher fehle – wie etwa Amazon oder Thalia. Das macht die Bücherjagd, vor allem die Suche nach raren Titeln, zum Erlebnis besonderer Art.

Ebenfalls zum Stadtbild gehören improvisierte Stände mit Büchern auf offener Straße sowie Händler, die, insbesondere um die philologische Fakultät der Belgrader Universität herum, ihre „Ware“ in Form von Büchern auf dem Gehsteig ausgebreitet haben.

Zwei Titel, den ersten touristischen Reiseführer der jugoslawischen Republik sowie ein seltenes Giftbuch, das ich wie den sprichwörtlichen bösen Pfennig suchte, habe ich hier gefunden. Den Reiseführer zu erlegen, gelang mir auf der Messe, am Stand eines Buchantiquariats, das Giftbuch konnte ich durch Zufall auf offener Straße stellen.

Am Freitagabend eröffnete der Komponist, Regisseur und Multiinstrumenatlist Boris Kovač in einem gemeinsamen Konzert mit David Yengibarjan (Armenien) im Belgrader Kulturzentrum Rex das Filmfestival Slobodna-Zona / Free Zone. Bei der Gelegenheit sah ich auch Rajko Petrovic, den künstlerischen Leiter des Festivals, wieder, den ich zuletzt Anfang August in Prizren, in Kosovo getroffen hatte. Man kann das geniale Konzert, mit Kovač am Saxophon und Yengibarjan am Akkordeon, durchaus als politische Botschaft zu Beginn des Filmfestivals auffassen, wie das Festival selbst, auf eine unaufdringliche Art, durch und durch politisch ist.

 

Der Serbe Kovač beeindruckt seit Jahren mit brillanten Kompositionen in deren Aufführung regelmäßig Musiker aus dem gesamten Balkanraum involviert sind. Das an diesem Abend mit lediglich Saxophon und Akkordeon, im Vergleich zu anderen Konzerten Kovačs, eher minimalistisch operierende Duo, entfaltete eine Wucht in der Improvisation über Kovačs Kompositionen (etwa des berühmten Tango Apocalypso) sowie den armenischen Volksliedern, die Yengibarjan mitgebracht hatte, die das Publikum zunächst sprachlos machte und schließlich zu wahren Begeisterungsstürmen hinriss. Selten habe ich ein derart emotionales Konzert erlebt.

 

(Trailer des Filmfestivals Slobodna Zona 2011)

Ab dem 4. November, dem Freitag nächster Woche, werden etwa 40 internationale Dokumentar- und Spielfilme im Kulturzentrum Rex sowie dem Kulturzentrum der Stadt Belgrad im Rahmen des Slobodna Zona Filmfestivals zu sehen sein, von denen ich einige mit einem ganz besonderen Gast zu sehen gedenke, dessen Ankunft ich kaum mehr erwarten kann.

T. S.

Marginalien:

Es fällt mir auf, das Predrag so viele Bücher gelesen hat, deren Namen ich nicht kenne, dass ich ihm schnell nicht mehr folgen kann, wenn er mir daraus erzählt.

Ich jetzt kann alleine Bus fahren, was an sich keine Leistung ist, jedoch mit dem richtigen Bus (den man zuvor erfragen muss) konnte ich es bisher nicht. Auch so lernt man eine Stadt kennen.

Die schöne Melodie, die mich tagtäglich umgibt, mit den vielen weichen Lauten, ergibt jetzt hin und wieder einen Sinn. Einzelne Wörter stechen aus dem Singsang heraus. Ich stelle fest, dass sich die Menschen im Bus über die gleichen wunderbaren Dinge unterhalten wie zu Hause auch.

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