Kosovo: Dokufest bringt drei Millionen Euro Einnahmen für Prizren

 

Eine der Bühnen des Dokufest am Fuß der Festung Kalaja oberhalb der Stadt Prizren. Foto: Strahl

 

Von Tobias Strahl. Nach der Studie eines international tätigen Wirtschaftsanalysten hat das Dokufest, ein internationales Kurz- und Dokumentarfilmfestival in Prizren, Kosovo (Sehnsuchtsort-Berichte), Gewerbetreibenden in der Stadt Prizren im letzten Jahr 3,1 Millionen Euro Umsatz beschert.

Wie die kosovarische Nachrichtenagentur Kosovapress am Sonntag meldete, hat das Institut für höhere Studien gemeinsam mit den verantwortlichen Organisatoren des Dokufest eine Erhebung in Prizren durchgeführt, bei der 800 Händler und Einwohner der im Süden Kosovos gelegenen Stadt unter anderem zu ihren Umsätzen während der Festivalwoche vom 23. bis zum 31. Juli im letzten Jahr befragt wurden.

Die Organisatoren des Filmfestivals konnten anlässlich dessen zehnter Auflage 2011 einen Rekord von 10 000 Besuchern verzeichnen. Das international einflussreiche Dokufest ist nach Aussage seiner Sprecherin Nita Deda bisher um etwa 30 Prozent jährlich gewachsen. Die zahlreichen Besucher aus dem In- und Ausland  haben nach der Hochrechnung des Instituts für höhere Studien während der acht Festivaltage im letzten Jahr mehr als drei Millionen Euro in Prizren ausgegeben.  In die Analyse des Instituts sind unter anderem Aufwendungen für Speisen, Getränke, Unterkunft und Transport eingeflossen.

“Wenn man der Analyse Vertrauen schenkt, dann hat die zehnte Auflage des Dokufest mit mindestens zehntausend Besuchern etwa drei Millionen Euro Umsatz gebracht. Wir erwarten, dass sich die elfte Wiederkehr des Festivals im Juli 2012 mit etwa 4.6 Millionen Euro auswirken wird. Wenn wir auf dieser Basis eine Gesamtschätzung für die vier Jahre von 2011 bis 2014 vornehmen, wird sich das Dokufest mit etwa 17 Millionen Euro in diesem Zeitraum auf die regionale Wirtschaft ausgewirkt haben. Die direkten Nutznießer sind lokale Unternehmen in der Stadt Prizren“, erklärte zur Pressekonferenz am Sonntag der Sprecher des Instituts für höhere Studien Agon Demi.

Das vergleichsweise niedrige Budget, mit dem die Verantwortlichen des Dokufest agieren, erzeuge ein Vielfaches an Umsatz, erklärte Demi weiter. Er empfahl dem Ministerium für Kultur in Kosovo und der Gemeinde Prizren, Initiativen  wie das Dokufest gezielt zu fördern. Das Beispiel des Filmfestivals belege eindrucksvoll, wie mit geringen Investitionen und der Arbeit regionaler Initiativen ein großer Mehrwert für die Region geschaffen werden könne.

Aliriza Arenliu, einer der Organisatoren des Dokufest, betonte zur Pressekonferenz, dass die finanzielle Unterstützung der Gemeinde Prizren mit nur etwa zehn Prozent des Gesamtbudgets gemessen an den Einnahmen der Stadt zu niedrig liege. Die Aufwendungen für das Festival betrugen im letzten Jahr etwa 300.000 Euro. Die Gemeinde Prizren unterstütze mit etwa 30.000 Euro. Den Rest mussten Arenliu, sein Partner Veton Nurkollari sowie zahlreiche Unterstützer durch eine Patchwork-Finanzierung schultern. Dem finanziellen Engagement der Stadt steht das 100-fache an Einnahmen der regionalen Gewerbetreibenden gegenüber.

Kujtim Gashi, der Vertreter der Gemeinde Prizren, versprach zur Pressekonferenz für dieses Jahr eine breitere Unterstützung durch die Kommune. Die Gemeinde habe beschlossen, das Festival anlässlich seiner elften Auflage sowohl finanziell als auch technisch und personell tatkräftig zu unterstützen.

Die Region Kosovo gehört seit jeher zum „Armenhaus“ des Balkan. Schon im ehemaligen Jugoslawien flossen massive Geldströme in die autonome Provinz Kosovo, die zumeist in den Taschen einiger weniger verschwanden. Eine regional angemessene Entwicklungsstrategie fehlte im jugoslawischen Selbstverwaltungssozialismus unter Präsident Tito. Kosovo verfügt über keine international konkurrenzfähige Wirtschaft.  Auch nach der Erklärung zum unabhängigen Staat 2008 sind die Haupteinnahmequellen Kosovos der Geldfluss ungezählter Arbeitsmigranten, internationale Finanzhilfen, die Präsenz ausländischer Diplomaten sowie der Kosovo-Force, und eine blühende Schattenwirtschaft.

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