Morgen – Wir möchten die Antworten von den jungen Menschen in Serbien

Ein Interview mit den Organisatoren des Slobodna Zona / Free Zone Filmfestivals in Belgrad, Serbien.

 

Branka Pavlović und Rajko Petrović, die Organisatoren des Slobodna Zona / Free Zone Filmfestivals vor dem Haus Albanien in Belgrad. Foto: Strahl

 

Branka Pavlović und Rajko Petrović arbeiten seit zehn Jahren zusammen. Vor drei Jahren haben sie die künstlerische Leitung des Slobodna Zona / Free Zone Filmfestivals übernommen, dessen siebte Wiederkehr eben in Belgrad zu Ende gegangen ist. In einem Interview einen Tag nach dem Festival sprechen sie über den Erfolg ihres Projekts, die derzeitige Situation in Serbien und über die Hoffnungen, die sie in die kommende Generation ihres Landes setzten.

Tobias: Branka, Rajko, vielen Dank, für die Zeit, die ihr euch genommen habt. Wie ist das diesjährige Festival aus eurer Sicht gelaufen, war es erfolgreich?

Rajko: Wir freuen uns, sagen zu können, dass wir in diesem Jahr erfolgreicher waren als im letzten Jahr. Wir konnten 40 Filme zeigen, 14 mehr als im letzten Jahr. Wir hatten darüber hinaus 24 Gäste, Produzenten, Regisseure und Freunde aus verschiedenen Netzwerken, unter anderen etwa Martichka Bozhilova vom Balkan Documentary Network. Etwa 12000 Besucher haben unsere Filme gesehen, das heißt, wir hatten 20 Prozent mehr Besucher als im letzten Jahr. Es gab viel positives Feedback, und das nicht nur von Menschen, die dem Festival nahe stehen.

Tobias: Zum ersten Mal hat das Slobodna Zona / Free Zone Filmfestival neben einem Veranstaltungsort, dem Kulturzentrum Belgrad, mit dem Dom Omladine, dem Haus der Jungend, kooperiert. Wie kam es zu der Kooperation und war die Zusammenarbeit gewinnbringend für beide Seiten?

Branka: Es ist nicht das erste Mal, dass wir an zwei Spielstätten Filme gezeigt haben. Die Zusammenarbeit mit dem Kulturzentrum in Belgrad währt nun sieben Jahre. Als Rajko und ich vor drei Jahren die Auswahl der Filme übernahmen, waren wir der Ansicht, dass nun möglicherweise die Zeit ist, zu wachsen, mehr Filme zu zeigen und eine größere Öffentlichkeit anzusprechen. Zuerst haben wir zusätzlich zum Kulturzentrum mit zwei kleineren Kinos zusammengearbeitet, die jedoch mittlerweile geschlossen haben. Die Zusammenarbeit mit dem Haus der Jugend war ein logischer Schritt, denn es existiert dort bereits ein ganzjähriges Filmprogramm. Von der Zusammenarbeit profitieren beide Seiten.

Rajko: Belgrad hat ein großes Problem mit geeigneten Spielstätten. Wir haben bisher kein Programmkino. Der entscheidende Vorteil am Haus der Jugend ist, dass dort das Potential und die räumlichen Möglichkeiten für ein Begleitprogramm bestehen.

Tobias: Der Schauspieler Predrag „Miki“ Manojlović, ist durch Sam Gabarskys Film Irena Palm oder die Produktionen von Emil Kosturica, etwa Schwarzer Kater, weißer Kater, nicht nur in Serbien bekannt. Die Eröffnung des diesjährigen Free Zone Filmfestivals in Belgrad durch Manojlović impliziert einen hohen Grad an öffentlicher Präsenz für das Festival. Wie werdet ihr in Belgrad, in Serbien und in der Region wahrgenommen?

Branka: Wir haben zu unseren Eröffnungen schon immer Personen des öffentlichen Lebens in Serbien eingeladen, die auf verschiedene Art zum öffentlichen Problembewusstsein beigetragen haben – Menschenrechte, Zivilgesellschaft. Miki Manojlović ist so eine Person. Wenn er bei uns auf der Bühne steht, ist das ein Zeichen, denn die Menschen wissen, auf welche Art er sich engagiert, und er ist sehr bekannt in Serbien und auch in Europa, in Frankreich und in Großbritannien, er hat in Kosturicas Filmen mitgewirkt; er ist nicht nur ein bekannter Schauspieler, er verkörpert Integrität, es ist einfach ein Zeichen, und der Umstand, dass er uns unterstützt ist auch ein Zeichen für uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Rajko: Manojlović ist einer der wenigen glaubwürdigen Multiplikatoren in Serbien.

Branka: Den zweiten Teil deiner Frage, die Aufmerksamkeit in der Region betreffend, ist zu sagen, dass wir unter anderem Mitglied im Netzwerk der Festivals für Menschenrechte sind. Wir arbeiten hier mit anderen regionalen Festivals zusammen, etwa dem in Prizren, in Kosovo und dem Festival in Sarajevo, in Bosnien und Herzegowina. Darüber hinaus kooperieren wir in einem Projekt mit unseren Partnern in Zagreb in einem Workshop für Jugendliche und mit dem Balkan Documentary Center. Wir möchten gemeinsam ein Netzwerk zur Produktion und Distribution von Dokumentarfilmen aufbauen und damit die Aufmerksamkeit unserer Gäste erregen.

Tobias: Ist der Balkan bereit für dieses Netzwerk?

Branka: Nun, wir müssen ihn bereit dafür machen. Nein, der Balkan ist bereit dafür. Ich meine, auf der kulturellen Ebene kannst Du hier am besten zusammenarbeiten. Die Region ist immer noch sehr problematisch aber auf kultureller Ebene, der Ebene des Films, gibt es eine gute Zusammenarbeit. In mancherlei Hinsicht hängen wir der Zeit hinterher, in anderer Hinsicht sind wir ihr voraus.

Tobias: Im Katalog des diesjährigen Slobodna Zona / Free Zone Filmfestivals bewerbt ihr die Festivals in Mazedonien, Kosovo, Montenegro und Bosnien und Herzegowina. Könnt ihr etwas mehr zu euren Kooperationen sagen?

Rajko: Feste Kooperationen haben wir innerhalb des Netzwerkes zur Verteilung von Dokumentarfilmen auf dem Balkan. Wir arbeiten dazu mit dem MakeDox Filmfestival in Mazedonien zusammen, dem Dokufest in Prizren, Kosovo, dem Underhill Filmfestival in Podgorica, Montenegro, dem Freestart Festival in Zagreb und Demiurg in Ljubljana, Slowenien. Die Organisatoren dieser Festivals sind Teil einer Gruppe, die sich vor zwei Jahren gegründet hat. Wir haben in mehrerlei Hinsicht großes Interesse daran, zusammen zu arbeiten.

Einerseits sind wir die Generation, die im ehemaligen Jugoslawien aufgewachsen ist. Wir sind uns der Einzigartigkeit des Kulturraumes, in dem wir leben, voll bewusst. Auf der anderen Seite wissen wir, dass wir in uns in einer sehr schwierigen Position befinden, weil wir kaum über die finanziellen Mittel verfügen, die wir für unsere Aktionen und zur Verwirklichung unserer Ideen benötigen. Wenn wir zum Beispiel die Aufführungsrechte für einen Film erwerben wollen, ist das normalerweise sehr teuer. So gibt jeder von uns einen Teil dazu.

Auf einer weiteren Ebene versuchen wir uns gegenseitig bei der Organisation von Workshops zu helfen. Zuerst haben wir zwei dieser Workshops für Schulkinder in Serbien organisiert. Veton Nurkollari [der künstlerische Leiter des Dokufest in Kosovo T. S.] wird im nächsten Jahr zum ersten Mal eine solche Werkstatt in Kosovo durchführen. Wir helfen ihm, indem wir die Aktion in Serbien bewerben. Zwei Teilnehmer aus Serbien werden den Workshop von Veton in Kosovo besuchen.

Und nicht zuletzt sind wir alle sehr gut miteinander befreundet. Wir besuchen uns gegenseitig auf unseren Festivals. Morgen etwa werde ich nach Sarajevo fahren und die anderen Mitglieder des Netzwerkes dort treffen.

Branka: Das Tempo Filmfestival aus Schweden war in diesem Jahr unser Gast. Auch das ist ein Weg, die Kooperation mit anderen Festivals auszuweiten. Rajko war Anfang des Jahres in Schweden. Als er zurückkam hatte er die Idee, dass wir mit den Schweden zusammenarbeiten sollten.

Rajko: Die schwedischen Dokumentarfilm-Produktionen gehören in meinen Augen zu den stärksten Produktionen weltweit. Wir konnten exzellente Produktionen aus Schweden in diesem Jahr in Belgrad zeigen. So etwa The Black Power Mixtape (2011), Love During Wartime (2011), Regretters (2010), My Heart Of Darkness (2010) und Blood Calls You (2010). Die Kooperation mit dem Tempo Filmfestival war also kein Business-Arrangement, es war eine Bereicherung unseres Festivals.

Vielleicht können wir diese Art Kooperationen im nächsten Jahr mit verschiedenen Ländern, oder auch mit Filmschulen und -akademien weiterentwickeln. In diesem Jahr hat sich die Nationale Filmschule London bei uns vorgestellt. Ich denke, dass ist sehr wichtig, weil wir diese Workshops für Schüler haben, die meisten sind interessiert an einem Studium an einer Filmschule und sie sehen ihre Zukunft möglicherweise in Europa, nicht nur in Serbien oder der Region.

Tobias: Es scheint, als wäre eure regionale Kooperation auf dem Balkan der Politik um einige Schritte voraus. Werdet ihr von serbischen Politikern bei eurer Arbeit unterstützt?

Rajko: Nein, selbstverständlich nicht. Ich möchte offen mit dir sein: Ich denke, dass Festival ist nicht parteiisch, vielleicht sieht es für einige Politiker so aus, aber Slobodna Zona ist nicht parteiisch.

Branka: Ich denke wir kommen ohne die Unterstützung von Politikern besser zurecht.

Rajko: Wir stehen keiner politischen Richtung nahe. Wir stehen den Menschen in Serbien nahe. Free Zone ist den Menschen in Serbien gewidmet. Wir möchten den Menschen mit dem Festival einen Raum eröffnen, nicht den politischen Parteien. Wir haben dieses Festival den Menschen gewidmet, wir haben einen Publikumspreis und einen Preis für das Publikum [für die beste Publikums-Rezension T. S.]. Wir haben keine Jury zur Prämierung der Filme, das ganze Konzept ist sehr offen.

Tobias: Veton hat Probleme mit Politikern in Kosovo bekommen – vielleicht konnten die nicht akzeptieren, dass jemand ihnen die Show stiehlt.

Rajko: Auf dem Balkan gibt es dieses Paradox mit Politikern. Persönlich denke ich, dass das Dokufest das Beste ist, was derzeit im Kosovo passiert. Das Dokufest ist eine bessere Werbung für dieses Land als alles andere was sich derzeit dort ereignet, insbesondere als die Politiker Kosovos. Das ist paradox – vielleicht sind sie dort deshalb wütend auf Veton. Uns wiederfährt so etwas nicht in Serbien.

Tobias: Ist das Slobodna Zona / Free Zone Filmfestival ein politisches Festival?

Branka: Politisch im Sinne eines Problembewusstseins. Aber wie Rajko schon gesagt hat: wir orientieren uns an unserem Publikum, wir möchten durch die Filme dessen Perspektive erweitern; wir möchten ein Bewusstsein schaffen für Probleme nicht einzig in unserer Gesellschaft, sondern vielmehr auch der Weltgemeinschaft; wir wollen zeigen, dass wir alle miteinander verbunden sind, mehr als wir das annehmen. Doch waren wir auch für lange Zeit isoliert, wegen der Kriege und der Dinge, die sich hier ereignet haben. Wir hatten Barrieren im Kopf. Damit beschäftigen wir uns in Hauptsache, und das hat in der Tat eine politische Dimension. Wenn Menschen beginnen nachzudenken, über ihre Positionen, über das, was sich vor ihren Augen abspielt, was Politiker tun, und das, was sie nicht tun. In diesem Sinn sind wir politisch, aber wir verteilen keine politischen Pamphlete.

Rajko: Wir verfolgen keinerlei politische Ideologie und wir werben auch nicht für eine solche. Doch sind alle Filme, die wir zeigen mit politischen Inhalten verbunden: Demokratie, Freiheit, Immigration, Geschlechterrollen, Menschenrechte, Umweltthemen und soziale Fragen. Wir wählen die Filme, die wir zeigen, sehr sorgfältig aus. Das Festival basiert auf drei wesentlichen Grundanliegen: Gute Filme und die Repräsentation der wichtigsten Problemstellungen aus allen Teilen der Welt.

Tobias: Der Titel des diesjährigen Festivals ist „Sutra“, „Morgen“. Es ist offensichtlich, dass alle Beiträge des Festivals sich mit der Frage nach Identität und Transformation beschäftigen. Was bedeuten Titel und Inhalt des diesjährigen Festivals vor dem aktuellen zeitlichen und politischen Hintergrund in der Balkanregion?

Branka: „Sutra“ klingt optimistisch. Eine bessere Zukunft ein besseres „Morgen“. Zukunft ohne einen Gedanken an die Vergangenheit und die Gegenwart, ohne Transformation, ist nicht denkbar. Ohne Transformation gibt es keinen Fortschritt. „Sutra“, „Morgen“, das heißt, sich auf einem relativ niedrigen Niveau der Notwendigkeit eines persönlichen Wechsels bewusst zu werden. Jedoch auch auf einem gesellschaftlichen Niveau, das ist uns sehr wichtig. Deswegen arbeiten wir mit jungen Menschen zusammen, und deswegen haben wir auch einen Junior-Direktor, der einige Filme für das diesjährige Programm ausgewählt hat. Wir haben gesehen, dass die Fragen nach Identität und Transformation unter Jugendlichen die gleichen sind, es besteht ein Bewusstsein für die Notwendigkeit, sich selbst und die Welt zu verändern.

Rajko: In den letzten anderthalb Jahren haben wir eine Menge Veränderungen auf der ganzen Welt verfolgen können. Zuerst ist da die ökonomische Krise, die sehr stark wirkt; keiner weiß, wie dieses Problem gelöst werden kann. Insbesondere die Europäische Union, der beizutreten wir uns erträumen, sehen wir von dieser Krise erschüttert und es fällt uns schwer, uns eine Lösung vorzustellen.

Wir konnten eine Reihe von Revolutionen in Nordafrika in den letzten Monaten verfolgen, die Menschen haben Studentenproteste auf der ganzen Welt gesehen.

Wir haben im Programm unseres Real Social Network-Projekts einen Film über die Studentenproteste in London zu Anfang des Jahres. Eine Menge Veränderung finden derzeit weltweit statt. Wir sehen das als besonderen Moment in der Geschichte. Für uns alle ist nicht klar, was sich da ereignet, aber wir fühlen, dass irgendetwas Großes passiert, etwas, das eine Zäsur in der Geschichte bedeutet.

Wir ahnen: irgendetwas gärt da, ebenso in Serbien. Wir haben eine Menge Probleme hier und wir befinden uns nicht außerhalb dieser Welt, tatsächlich befinden wir uns mitten in ihr. Wir möchten die Antworten von den jungen Menschen in Serbien haben, darum laden wir Schulkinder ein, an unseren Workshops teilzunehmen, sich eine visuelle Identität zu kreieren. Ich erwarte einfach, dass deren Antworten emotionaler ausfallen werden, intuitiver als irgendeine rationale Analyse. Ich erwarte eine sehr spezifische Aussage, was dieses „Morgen“ anbelangt, und ich bin sehr glücklich, dass wir dutzende von Arbeiten und Ideen aus ganz Serbien erhalten. Ich sehe, dass diese Jugendlichen sehr clever und intelligent sind. Sie sind sich der derzeitigen Situation vollauf bewusst. Andererseits sind diese Antworten sehr ironisch, teilweise sarkastisch. Nicht innerhalb derselben Arbeiten selbstverständlich, aber wir haben zum Beispiel zwei junge Regisseure in Serbien, einer ist sehr sarkastisch in seinen Arbeiten, der andere sehr ironisch, was zeigt, dass sie einerseits optimistisch sind, was nachvollziehbar ist, denn sie sind sehr jung, andererseits zeigt es aber auch, dass sie sehr clever sind, was ihre Einschätzung der derzeitigen Situation anbelangt, sie haben eine Meinung, und das ist das Wichtigste.

Branka: Wir geben ihnen die Möglichkeit etwas zu sagen, zumindest durch das Medium Film.

Rajko: Wir möchten mit dem Festival ebenso Menschen eine Plattform bieten, die sonst nicht in dem Maß die Möglichkeit haben, am sozialen Leben teilzuhaben. Im letzten Jahr haben wir uns dazu entschieden, Menschen mit dem Down-Syndrom eine visuelle Identität zu verleihen. Es gibt eine Werkstatt in Serbien, die mit behinderten Menschen arbeitet. In diesem Jahr haben wir deren Arbeiten, Grafiken und textile Produkte in das Festival integriert. Bisher war der Raum für visuelle Identität innerhalb des Festivals immer für bereits erfolgreiche Künstler reserviert. Wir haben uns dazu entschieden, keine Agentur mehr zu beschäftigen, die uns diesen Raum füllt. Er wird in Zukunft Menschen zur Verfügung stehen, die sonst nicht in dem Maß am sozialen Leben teilhaben können.

Tobias Strahl: Ist das die Slobodna Zona, die Free Zone, die Freie Zone?

Rajko: Eine offene Sphäre für Ideen, für Menschen, für den Versuch, Denken in Stereotypen zu vermeiden. Offen für Menschen, die interessiert sind, zu erfahren, was sonst in dieser Welt passiert. Für Menschen, die sehen wollen, dass sie ein Teil dieser Welt sind, dass sie ihre Probleme mit allen anderen Menschen in der Welt teilen. Andererseits ist es auch wichtig zu zeigen, dass der Balkan, Serbien, keine Region ist, die grundsätzlich anders funktioniert als der Rest der Welt, wie das insbesondere vor dem Hintergrund der letzten Kriege immer wieder dargestellt worden ist. Ja, es gibt problematische Ansichten hier, aber es gibt eine überwältigende Zahl von Menschen, die sehr offen sind, neugierige, weltoffene Menschen, und das Hauptziel des Slobodna Zona Festivals ist es, sie zusammenzubringen.

Branka: Die meisten dieser Menschen sind nicht laut, sie stehen nicht in der ersten Reihe, du siehst sie nicht. Wir wollen sie zusammenbringen, ihnen zeigen, wie viele sie sind und wir wollen sie ermutigen und unterstützen.

Tobias: Die freie Zone ist also gar nicht frei von etwas, sondern vielmehr frei für etwas.

Rajko: Frei von Gewalt, Stereotypen, Diskriminierung, Vorurteilen.

Tobias: Eure Visionen für das Slobodna Zona / Free Zone Filmfestival 2012?

Branka: Wir freuen uns, wenn wir im nächsten Jahr drei Filme der Teilnehmer unserer Workshops präsentieren können.

Tobias: Nicht wenige Menschen in dieser Region haben ihre Identität in Bildern aus der Vergangenheit gesucht, ihr projiziert eure Visionen an den Horizont einer Zukunft – „Sutra“ , „Morgen“?

Branka: Ja. Ich denke, es ist eine Identität während ihrer Erschaffung und wir haben keine Ahnung, was es werden wird. Es ist eine Art Labor, wir stellen die Möglichkeiten zur Verfügung, den Raum, die Zeit und die Unterstützung, die benötigt wird, unsere Erfahrung, die Lehrer – wir werden sehen, was daraus wird

Tobias: Wer wird an euren nächsten Workshops teilnehmen?

Rajko: Jugendliche aus Slowenien, Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Montenegro, Mazedonien und Serbien. Es wird eine Gruppe von 12 Schülern geben, die aus den zuvor eingegangenen Bewerbungen zusammengestellt wird. Der Workshop wird zwei Wochen im Januar und eine weitere Woche in Mai umfassen. Während dieser drei Wochen werden die Jugendlichen von den besten Regisseuren, Kameraleuten und Produzenten aus der Dokumentarfilmszene auf dem Balkan Grundkenntnisse vermittelt bekommen, wie man einen Dokumentarfilm produziert und bewirbt.

Wir möchten diese Kooperation mit den Gymnasien, mit jungen Menschen, die noch die Schule besuchen, denn das ist die Generation der in den 90er Jahren Geborenen und wir wissen nicht, was aus denen wird, denn unsere Politiker, überall im ehemaligen Jugoslawien, bestehen auf den Unterschieden, die angeblich zwischen uns bestehen, nicht auf den Gemeinsamkeiten, die wir teilen. Doch wir sind im ehemaligen Jugoslawien aufgewachsen, wir wissen, dass es weit mehr Gemeinsamkeiten unter uns gibt als Unterschiede. Wir möchten mit diesen Jugendlichen eine Art Test machen, welche Qualität ihre interkulturelle Kommunikation aufweist. Wir werden sehen, was passiert.

Dom Omladine, das "Haus der Jugend", einer der Veranstaltungsorte des Slobodna Zona / Free Zone Filmfestivals in Belgrad,Serbien. Foto: Strahl

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