Olympical Correctness

Für den gemeinen Sportfan fand bis jetzt Damen-Eishockey – mithin seit 2002 olympisch – in den Statistiken als eine Merkwürdigkeit unter vielen statt. Bis jetzt.

Taugte diese Variante des Eishockeys bisher unter Eingeweihten gerade mal dem Erklärbär zur Heranführung Uneingeweihter an die schnellste Mannschaftsspportart der Welt: “Das-hier-ist-langsamer-und-ohne-Körperkontakt-aber-die-Regeln-sind-dieselben”  und weiterhin gerade noch als  Übergangslösung für die “Jetzt-kommt-grad-nix-Fraktion”,  erfuhr just diese Spielerei jetzt ihren ersten echten Skandal. Nach Erringen der olympischen Goldmedaille traute sich das gesamte – immer noch weibliche – kanadische Team doch erschröcklicherweise mit Sektflaschen, Dosenbier und brennenden Zigarren aufs Eis und ließ sich von 19.300 Zuschauern feiern. Die Meinung des IOC hierzu: “Wir dulden Feiern, aber keine Verantwortungslosigkeit.”

Das IOC hat natürlich vollkommen recht: Es lag ein eklatanter Verstoß gegen ein auch in Kanda existierendes allgemeines Nichtraucherschutzgesetz vor. Weiterhin ist das Trinken von Alkohol in der Öffentlichkeit nicht geeignet eine positive Wirkung auf die Menschheit und die Jugend der Welt insbesondere zu entfalten. Darüber hinaus ist Spaß haben außerhalb der Norm unter der Aufsicht eines Wächterrates der Weisen generell verdächtig (in der IOC-Vollversammlung hat jedes Mitglied gleiches Stimmrecht – auch Urdemokratien wie Kuba, die VR China oder Saudi-Arabien. Ähnlichkeiten mit dem UN-Menschenrechtsrat sind rein zufällig). Fakt ist: Frauen-Eishockey ist schädlich für die Gesundheit und damit auch für die Jugendvertreter des IOC (gefühles Durchschnittsalter zwischen Erich Honecker und Johannes Heesters, wobei Letzterer wesentlich frischer wirkt). Wollen alle Eishockey-Fans mal hoffen, dass am Sonntag im Falle eines Sieges des Mutterlands des Eishockeys im eigenen Land verständnisvoll (Eis)Tee getrunken und anschließend ein gemeinsames Gebet in Richtung Lausanne (für Ungläubige: Sitz des IOC) abgehalten wird. Alles andere hätte ja weder etwas mit Sport noch mit  Olympia insbesondere  zu tun.

P.S.: Für den Verfasser ist seit gestern Damen-Eishockey auch eine ernstzunehmende Sportart. Dass ich so etwas einmal äußern würde kann selbst Uneigeweihten als Rätsel gelten. Mögen es die Herren am Sonntag ebenso krachen lassen!

Mike

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