Schwer verunfallt: Zwei Stürze im Schnee, ein mediales Gestolpere

Von Torsten Klaus. Der alte Witz kommt mir schnell ins Gedächtnis. Was haben ein Bademeister und ein Gynäkologe gemeinsam? Beide agieren am Beckenrand.

Das war der Witz. Was nun folgt, ist die traurige Wahrheit. Denn die Kanzlerin hat sich das Becken angebrochen. Beim Skilanglauf. In der Schweiz. Tragisch. Aber nicht dramatisch. Dramatisch wird es erst, wenn die mediale Aufbereitung dieses Unfalles folgt.

 

Fotos, die Angela Merkel beim Tragen (!) eines Paars Skier Marke Germina (!!) zeigen, werden dabei noch überboten von sogenannten Grafiken, die nichts weiter sind als die Karte der Schweiz mit einem Hinweis, wo das Skigebiet Engadin liegt. Dort soll sich Angela Merkel aufgehalten haben, als es zu dem Unfall kam.

 

Das Absurde: In den Schlagzeilen wird er tatsächlich hergestellt, der Bezug von Merkels Unfall zu dem von Michael Schumacher. Aber genauer betrachtet: Womöglich haben all diese Headline-Producer völlig recht? Schließlich verbindet Merkel und Schumacher vieles. Beides Deutsche, beide mit Skiern, beide im Schnee, beide hingefallen. Bei soviel Übereinstimmung muss man doch mal komplex nachdenken dürfen. Gibt es etwa in diesem Winter eine weltweite Verschwörung des Pulverschnees gegen deutsche Prominente? Eine Frage, die meines Wissens nach noch nicht gestellt wurde. Noch.

 

Die Kanzlerin ist wohl auf den Steiß gestürzt. Bei Schumacher war’s der Kopf. Gut, dass er einen Helm trug. Eine Einführung der Helmpflicht ist angesichts der medialen Hyperventilation aber vor allem in Redaktionsstuben zu empfehlen. Obwohl die Art der Berichterstattung eher vermuten lässt, dass da schon manch einer schwer auf die Nuss bekommen haben muss. Anders sind Titel wie “Die erste Bruchstelle der Koalition – Merkel stürzt beim Langlauf” (hoho! müssen die Mannen im dpa-Büro Berlin gelacht haben bei diesem Einfall) nicht zu erklären.

 

P.S. in eigener Sache: Der Sehnsuchtsort wünscht alles Gute für 2014.

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