(Un)Kulturen

Von Torsten Klaus. Was ist nur los in der Welt, mit der Welt? Als das neue Millenium begann, sah alles noch verheißungsvoll aus. Der Ostblock, fast überall mehr oder minder friedlich implodiert, war auf dem Weg in liberale, aufgeklärte Gesellschaften gut vorangekommen. Er hatte sich gewandelt, wandeln müssen. Das meinte der im systemischen Siegestaumel an sich selbst besoffene Kapitalismus westlicher Prägung dagegen nicht nötig zu haben: Wandel. Dann folgte 9/11, und der Westen, vor allem die USA als seine Führungsnation, änderte sich dann doch: zu einem Ort einer weit ins Paranoide hineinreichenden Dauerüberwachung von allem und jedem, der den selbsternannten Hütern von Grundrechten und sogenannten abendländischen Werten vor die Verdachtslinse lief. Die Demokratie mutierte zu einer Diktatur der Geheimdienste. Die Angst wurde zur Triebfeder, die Feigheit zu ihrem ständigen Begleiter. Die Welt läuft seither vor allem in Richtung Konfrontation, manchmal möchte man meinen: fast Amok. Und die westliche Politik hat sich wie immer mehr ihrer Protagonisten von dem verabschiedet, was sie einst stark machte: von der anhaltenden Suche nach Kompromissen, mit denen alle Beteiligten eines bestimmten Problems leben können. Alles um uns ist hochgradig polarisiert: Wir gegen die, Schwarz oder Weiß, friss oder stirb. Für Graustufen bleibt da immer weniger Platz. In einer komplexen Lage suchen außerdem viele, zu viele Menschen zu einfache Antworten. Ich nenne es die Verweigerung des Denkens. Oder ist es die Feigheit davor?

 

Seit den Anschlägen auf das New Yorker World Trade Center macht vor allem der Westen eine Entwicklung zur Paranoia durch, die anhält.                                          Foto: Michael Foran, flickr, Creative Commons

 

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Die Welt um Dresden

 

Barack Obama. Quelle: The White House Official Fotostream

 

Von Torsten Klaus. Charles P. Pierce hatte schon lange vor der Wahl im „Esquire“ zur treffendsten Mitt-Romney-Kritik ausgeholt: der (gestern gescheiterte) republikanische Präsidentschaftskandidat der USA „couldn´t lead a whore to bed“, schrieb Pierce in Anspielung auf deutlich fehlende Führungsqualitäten von Selfmade-Mitt. Nun fällt es unter Satire, wenn ein Mann über einen anderen urteilt, der kriege nicht einmal eine Hure ins Bett. Oder unter schlechten Stil. Es erklärt aber, zumindest in diesem Fall, auch die Erleichterung, dass dieser Knabe, der den puren Kapitalismus immer noch für gottgegeben hält, nun nicht ins Weiße Haus einzieht. Was ein Segen der Stunde ist, aber dem Wahlsieger Barack Obama über diesen Moment hinaus auch nicht hilft.

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Die Welt um Dresden

Von Torsten Klaus. Mitt Romney will die USA wie ein Unternehmen führen – das kann man bestenfalls als amerikanisch betrachten. Doch die von ihm in diesem Zusammenhang ständig wiederholte Staatsschelte greift nicht: Worauf schließlich zielen die beiden großen amerikanischen Parteien, wenn nicht auf das Staatswesen? Parteien und Staat sind auch in den USA ein Konglomerat, keine Antithese. Also ist es bei genauer Betrachtung doch kein Land, das wie ein Unternehmen geführt wird, egal von welcher Partei. Dazu würden Experten reichen, dafür wurde der Terminus Technokraten geprägt. Es wäre, siehe teilweise Griechenland, die Abschaffung des Politikers. Ob das gewollt ist, lasse ich dahingestellt. Es wäre andererseits keinesfalls die Abschaffung der Politik.

 

Mitt Romney. Foto: Gage Skidmore/Wikipedia

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