(Un)Kulturen

Von Torsten Klaus. Der Kopf dröhnt. Und dieser Text fühlt sich an, als sei er wieder und wieder geschrieben worden. Vielleicht ist das so. Ich kann aber auch nicht aus meiner Haut und mich Themen verwehren, die uns gerade prägen. Genauso wenig, wie ich den Schreihälsen die Netzpräsenz überlassen will.

 

In dem Maße, wie sich Grenzen in unseren Tagen erst verbal und schnell auch materiell wieder etablieren, fallen sie anderswo umso schneller weg. Sie erodieren, an verschiedenen Stellen, immer ein wenig nur, doch in der Masse des Bröckelns liegt die Gefahr. Der Grünen-Politiker Boris Palmer will in der Debatte um das Alter von Flüchtlingen allen Ernstes die Beweisumkehr, wie er auf Facebook schreibt. Die AfD-Bundestagsabgeordnete Beatrix von Storch tadelt die Kölner Polizei wegen einer Silvester-Botschaft, die AUCH auf Arabisch abgesetzt wurde. Donald Trump gratuliert dem neuen Herausgeber der New York Times und schreibt gleichzeitig auf Twitter, dies sei die letzte Chance der „scheiternden“ Zeitung, die Vision ihres Gründers Adolph Ochs zu erfüllen.

 

Das hat nichts miteinander zu tun und ist in meinen Augen doch kaum voneinander zu trennen. Es sind nur ein paar wenige Nachrichten der vergangenen Tage. Was sie eint, ist ihr Inhalt. Er distanziert sich, offenbar sehr bewusst, von dem, was vor nicht allzu langer Zeit Konsens war: dem Konzept eines Anstandes, der alles andere als kleinbürgerlich oder bieder daherkommt, sondern die eigentliche Basis bietet für das, was in akademischen Kreisen gern als Diskurs bezeichnet wird. Es ist dieses Basis, die erodiert.

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