(Un)Kulturen

Von Torsten Klaus. Was ist nur los in der Welt, mit der Welt? Als das neue Millenium begann, sah alles noch verheißungsvoll aus. Der Ostblock, fast überall mehr oder minder friedlich implodiert, war auf dem Weg in liberale, aufgeklärte Gesellschaften gut vorangekommen. Er hatte sich gewandelt, wandeln müssen. Das meinte der im systemischen Siegestaumel an sich selbst besoffene Kapitalismus westlicher Prägung dagegen nicht nötig zu haben: Wandel. Dann folgte 9/11, und der Westen, vor allem die USA als seine Führungsnation, änderte sich dann doch: zu einem Ort einer weit ins Paranoide hineinreichenden Dauerüberwachung von allem und jedem, der den selbsternannten Hütern von Grundrechten und sogenannten abendländischen Werten vor die Verdachtslinse lief. Die Demokratie mutierte zu einer Diktatur der Geheimdienste. Die Angst wurde zur Triebfeder, die Feigheit zu ihrem ständigen Begleiter. Die Welt läuft seither vor allem in Richtung Konfrontation, manchmal möchte man meinen: fast Amok. Und die westliche Politik hat sich wie immer mehr ihrer Protagonisten von dem verabschiedet, was sie einst stark machte: von der anhaltenden Suche nach Kompromissen, mit denen alle Beteiligten eines bestimmten Problems leben können. Alles um uns ist hochgradig polarisiert: Wir gegen die, Schwarz oder Weiß, friss oder stirb. Für Graustufen bleibt da immer weniger Platz. In einer komplexen Lage suchen außerdem viele, zu viele Menschen zu einfache Antworten. Ich nenne es die Verweigerung des Denkens. Oder ist es die Feigheit davor?

 

Seit den Anschlägen auf das New Yorker World Trade Center macht vor allem der Westen eine Entwicklung zur Paranoia durch, die anhält.                                          Foto: Michael Foran, flickr, Creative Commons

 

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