Unfrei? Feige. Oder: Weshalb ich Pegida im Auge behalte.

Von Torsten Klaus. Er war von Beginn an da, hier unterschwellig, dort mehr oder weniger offen zur Schau getragen: der Hang zur Gewalt von Pegida-Demonstranten. Gestern Abend nun sind mehrere Journalisten-Kollegen in der Nähe des Landtages in Dresden aus den Pegida-Reihen heraus tätlich angegriffen worden. Die Schläger flüchteten offenbar nach ihrer Attacke zurück in den Schoß der Masse, von Gejohle und Applaus begleitet. Ein zutiefst feiger Vorgang.

 

Montägliche Pegida-Prosa. Foto: DNN
Montägliche Pegida-Prosa.                                                                                                                                                                                                                                         Foto: DNN

 

 

Er steht in der Reihe von Entwicklungen wie der Konfrontation mit Schülern, die am Dresdner Staatsschauspiel zu Gast beim Festival “Schultheater der Länder” waren und bei Verlassen des Theaters auf die Pegidisten trafen. Die wiederum bedrohten die Jugendlichen. Man muss sich das vorstellen: Selbsternannte erwachsene Bürgerrechtler treten Heranwachsenden, die eine andere Meinung vertreten, drohend gegenüber. Oder die Anrufe, natürlich anonym, an die Familie des “Dresden für alle”-Sprechers Eric Hattke.

 

“Feigheit ist ein Zustand tiefster Unfreiheit. Sie liefert den Menschen der Angst aus.” Eine Feststellung des Soziologen Wolfgang Sofsky. Angst und Feigheit gehen auch bei Pegida Hand in Hand. Dazu muss man sich nur die Transparente und weitere Aufschriften des jüngsten Montag-Aufzugs (ich weigere mich, das Spaziergang zu nennen) vor Augen halten: “Integration ist Träumerei von Idioten”, “Politiker-Pack in den Gulag”, “Deutsches Blut darf nie vergehen – Volkstod stoppen”, “Merkel nach Sibirien”. Die ankommenden Flüchtlinge sind ein Thema, das den Pegidisten wieder mehr montäglichen Zulauf bringt, wie gehabt auch von außerhalb (von Weinböhla bis Süd-Brandenburg, wie dem Herkunftsgefähnel zu entnehmen war). Genauer gesagt: Die Angst vor den Flüchtlingen und den Folgen ihres Hierseins ist es, die die Lutz-Bachmann-Jünger auf die Straße treibt.

 

Die Bachmänner wollen dieses Land ändern. Sagen sie. Ihre Vorwürfe sind oft pauschaler Natur (wie der Begriff “Lügenpresse” zeigt). Sie haben bis heute nicht bemerkt, dass sie jeden Montag ihre Meinung äußern dürfen. Jeder, der nicht so tickt wie sie oder gar widerspricht, ist ein Lügner, weil er ein Lügner sein muss. Das ist der Zirkelschluss. Wer’s nicht glaubt, der schaue sich die Facebook-Kommentare an zum besagten Angriff auf die Journalisten.

 

Auch das ist ein Weltbild. Foto: DNN
Auch das ist ein Weltbild.                                                                                                                                                                                                                                            Foto: DNN

 

Die steigenden Flüchtlingszahlen und die daraus resultierenden Situationen werden Probleme mit sich bringen. Eine stabile und reiche Gesellschaft wie die unsere sollte selbstbewusst und gelassen genug sein, sich ihnen zu stellen. Lösungen à la Pegida, nach dem Motto “Deutschland zuerst”? Danke, nein. Hatten wir. Lief nicht gut. Wenn sich bei dem einen oder anderen Pegidisten noch so etwas wie ein Rest von Selbstreflexion erhalten hat: ein Blick zu Wikipedia reicht. Aber ich erwarte da keine Wunder.

 

Ich habe so eine Ahnung, wie dieses Land aussehen würde, ließe man euch an die Hebel. Leute wie ich könnten sich einen neuen Job suchen. Oder würden auf die Fresse kriegen. Oder beides. Aber ich behalte euch im Auge, versprochen. Es ist nämlich auch mein Land. Und meine Stadt.

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