„Wutanfall“ – Punk in der DDR erstmals als Bildband

Die Leipziger Fotografin Christiane Eisler wirbt in einer Crowdfunding-Kampagne um Unterstützung für ihr Buchprojekt.

Wutanfall - Punk in der DDR 1982-1989. © Christiane Eisler/transit
Wutanfall – Punk in der DDR 1982-1989. © Christiane Eisler/transit

Von Tobias Strahl. In den frühen achtziger Jahren begann die Leipziger Studentin der Fotografie Christiane Eisler die Punk-Szene der Deutschen Demokratischen Republik zu dokumentieren. Ihre Diplomarbeit mit dem Titel „Ich trage ein Herz mit mir herum“ verschwand im „Giftschrank“ der Hochschule für Grafik und Buchkunst – nachdem Eisler sie unter Ausschluss der Öffentlichkeit verteidigen durfte. In ebenso klugen wie eindringlichen Bildern hatte die Fotografin die „Jugend der Anderen“ zum Thema gemacht und fotografische Arbeiten aus dem Jugendwerkhof Crimmitschau mit ihren Beobachtungen der Punkszene kombiniert.

Zeitbewusstsein ist ein wesentliches Element guter Fotografie. Bereits zum Zeitpunkt ihrer Entstehung in den achtziger Jahren waren die Bilder von Christiane Eisler im Hinblick auf Themenwahl, fotografisches Handwerk und Einfühlung in den Gegenstand über jeden Zweifel erhaben. Man schaue sich nur einmal die ebenso bedrückenden wie meisterhaften Arbeiten über den Jugendwerkhof an, die 2013 und danach als Ausstellung „Die Jugend der Anderen zu sehen waren und heute in raren Exemplaren des gleichnamigen Ausstellungskatalogs vorliegen. Mehr kann Fotografie kaum leisten. Zeitbewusstsein: Eisler beließ es nicht dabei, die Dokumente aus ihrer Studienzeit neu zu präsentieren. Einige ihrer Modelle trifft und fotografiert sie bis heute. Die Mädchen aus dem Jugendwerkhof ebenso wie die, die einmal Punks waren oder es bis heute sind.

Christiane Eisler ist eine stille Künstlerin. Beinahe zu still, möchte man meinen. Ganz anders als viele ihrer gegenwärtigen Zunftgenossen. Dabei bieten ihre Arbeiten einen äußerst seltenen Einblick in ein kaum erschlossenes Kapitel der DDR-Geschichte. Nun wirbt die Fotografin mit einer Crowdfunding-Kampagne um Unterstützung für einen Bildband nebst zugehöriger Ausstellung, die Fotografien der Protagonisten der Punkszene der DDR aus den achtziger Jahren und heute zeigen. Neben etwa den Zeitzeugenberichten in Haare auf Krawall (Mareth/Schneider, 1999), der Ausstellung ostPUNK – Too Much Future (Boehlke / Gericke, 2005) und dem gleichnamigen Dokumentarfilm (Fiebeler / Boehlke, 2006) ist Eislers Projekt Wutanfall / Punk in der DDR 1982 – 1989 / Die Protagonisten damals und heute eines der ganz wenigen authentischen Zeitdokumente aus der Mitte der Szene. Wenn Eisler nicht über das unbedingte Vertrauen ihrer Modelle verfügte, das sie sich mit ihren Arbeiten und der Art, diese zu verrichten erworben hätte, wäre es ihr kaum gelungen, diese über einen derart langen Zeitraum zu begleiten.

Wutanfall - Punk in der DDR 1982-1989. © Christiane Eisler/transit
Wutanfall – Punk in der DDR 1982-1989. © Christiane Eisler/transit

Christiane Eislers Bildband und Ausstellung Wutanfall / Punk in der DDR 1982 – 1989 / Die Protagonisten damals und heute können über die Seite visionbakery.com finanziell unterstützt werden. Als Dankeschön stellt die Fotografin je nach Höhe des angewiesenen Betrages Exemplare des limitierten Ausstellungskataloges, Handabzüge ihrer Fotografien, Postkartenserien und Foto-Workshops in Aussicht. In einem kurzen Film äußerst sich die Fotografin selbst über ihr Projekt.

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