Germany’s next Top-Dingsbums…

Von Markus Loewenhaupt. Chancellor or president: Excuse me, wird in Deutschland noch Deutsch gesprochen? Neulich auf dem Heimweg: Ein Bus fährt vorbei. An der Außenseite die Werbung „FAHRSCHULE xy -: The Driving Instructor“. Aha, dachte ich, Fahrschule machen hierzulande ohnehin Leute unter dreißig Jahren. Die sprechen besser Englisch als Deutsch. Ich als Baldrentner und DDR-grundformatierter Bürger bin der deutschen Sprache und Schrift besser mächtig und lernte seinerzeit als Zweitsprache Russisch. Aber das nützt mir nichts, außer ich würde beim FC Chelsea unter Vertrag stehen. Oder, diesen Aspekt betrachtete ich noch nicht – ich hatte als NVA-Soldat Fahrstunden auf einem russischen Panzer des Typs T 55 zu absolvieren. Und – was nützte mir das? Ich habe keinen T 55. Unabhängig davon würde ich auch heute noch beim Kuppeln, Zwischengasgeben und Schalten genauso auf Deutsch und nicht auf Russisch fluchen. Aus der jüngeren Geschichte wissen wir, dass für einen der Teile Deutschlands das Lernen von der Sowjetunion nicht den damals propagierten Sieg brachte.

Also wendeten wir uns vereint nach Westen, um (für mich) spät zu erfahren, dass die deutsche Sprache hierzulande auch nicht die gesamte Bandbreite der Kommunikation abdeckt. Und schon befinden wir uns in der ambivalenten Gefühlswelt der Deutschen. Damit geht es auf und ab. Der Deutsche ist, so scheint es, auf permanenter Identitätssuche oder auf der Suche nach einem verlässlichen Leitbild. Diffus meint sich auch die jüngere Generation zu erinnern, dass wir ja einst nicht irgendeine Pillepalle-Nation waren. An was also kann man sich klammern, um in eine kollektive Erfolgseuphorie zu verfallen? An die derzeitige Regierungsriege nicht unbedingt. A „small star“ namens Lena brachte der deutschen Nation inmitten einer internationalen Krise einen Sieg allein mit einem in schlechtem Englisch vorgetragenen Liedchen und wurde, aus Oslo zurückgekehrt, angemessen empfangen und bejubelt. Der Bundespräsident indes trat wenig später zurück. Fragt besser Stefan Raab oder auch Heidi Klum, wie man sich durchsetzt.

Bei Letzterer, so ließe sich zumindest vermuten, geht es auch nicht schlicht und ergreifend um Deutschlands nächstes Topmodel, sondern um eine mediale Retorten-Barbie der Seichtgebiete deutscher Unterhaltungskunst, deren englischsprachiger Titel auch nicht über die Beleidigung eines halbwegs ausgebildeten Intellektes hinwegzutäuschen vermag. Fünfzehn Minuten der Betrachtung des Halbfinales jenes Ausscheides reichten, um in mir den Verdacht zu manifestieren, dass unsere Nation umfassend, programmiert und selbstentschlossen verblödet.

Thilo Sarrazin, seines Zeichens Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank, indes wittert die Gefahr für einen Abbau deutscher Geistesgröße aus einer anderen Richtung, nämlich in der geringeren Bildung der Zuwanderer, womit er natürlich das geistige Selbstvernichtungspotenzial der Deutschen gewaltig unterschätzt. Mehrheitlich zu verblöden, schaffen wir aus eigener Kraft, Herr Sarrazin, nicht zuletzt dank der Medienanstalten und -akteure, deren Vermögen Sie verwalten und mehren. Außerdem, Herr Sarrazin, ruht die Hoffnung der deutschen Nationalelf sowie der gesamten Nation auch auf Zuwanderern wie beispielsweise eines Özil, Khedira oder Cacau, die ungeachtet ihrer einstigen nationalen Herkunft dazu beitragen, dass das deutsche Volk für einige Tage, vielleicht auch Wochen von den obwaltenden Finanzsorgen und -ängsten abgelenkt und eben jener kollektiven Erfolgseuphorie mit oder ohne Vuvuzela teilhaftig wird. Insofern tragen aller vier Jahre zunehmend Migranten auffällig dazu bei, dass sich deutsche Staatsbürger gesinnungsübergreifend auf ihre Nation besinnen und es auch dem letzten Neonazi egal ist, wer für Deutschland Tore schießt.

Unter dieser Prämisse wird es einigen wohl bitter schmecken, dass es sich bei Germanys Next Topmodel mitnichten um eine Deutsche handelt, wie es der Titel suggeriert, sondern um eine Österreicherin mit dem klassischen österreichischen Vornamen Alisar. Aber wer weiß, vielleicht ist Germany’s Next Top-Chancellor irgendwann auch wieder ein Österreicher.

Ein Kommentar

  1. Thilo Sarrazin sagt:

    Hier stand unlustiger, rassistischer Mist. Entfernt.
    sehnsuchtsort

Deine Meinung