Gelb steht dir gar nicht!

“Ich wollte eigentlich noch ein Haus abreissen, aber dafür war einfach keine Zeit mehr. Die Jungs und ich, wir hatten alle Hände voll zu tun.” Peter Macheli wirkt geschafft, als er spät abends mit seinen Kindern von der Bunten Republik Neustadt heimkehrt. Schlaff hängt die große Heckenschere in der Faust seines jüngsten Sprosses. Elena Jupiter zählt fassungslos die Gliedmaßen ihrer Kinder nach. “Sind noch alle dran”, versichert Peter mit einem Kuss auf ihre Nasenspitze, “der Mittlere hat das mit dem Beil schon ganz gut gemacht.”

Deutschland (Abbildung ähnlich)

Deutschland (Abbildung ähnlich)


“Ja aber – was habt ihr denn mit dem ganzen Werkzeug angestellt?” will Elena beunruhigt von ihrem Gatten wissen, während sie unauffällig versucht, ihren Kindern die gefährlichen Gerätschaften abzunehmen. “Ich wollte nur ein bißchen helfen.” Macheli grinst. “War ja auch nicht schwer. Wochenlang hamse vorher diskutiert, wie sie das Fest wieder so machen können wie vor 20 Jahren.” Elena schwante etwas. “Oja, Schwanen steht dir ausgezeichnet!” wird Peter wieder munter, “Guck mal, das alles haben wir geschafft!” Damit nimmt er Anlauf, rennt zu einem riesigen gelben Berg im Garten, der von weitem wie verblühte Forsythia aussieht und springt mit einem großen Satz hinein.

“Und dieser Haufen hat die BRN so gemacht wie vor 20 Jahren?” wundert sich Elena. “Na klar“, sagt Macheli, “das sind die pissgelben Streifen von Deutschlandfahnen. War das ´ne Arbeit. Am Anfang waren die Kinder ja noch begeistert, endlich mal nach Herzenslust mit der großen Gartenschere rumschnippeln, ein Paradies.” Er wirft eine Handvoll gelber Stofffetzen in die Luft. “Unser Jüngster hat es natürlich wie immer ein bißchen übertrieben, das muss er wohl von dir haben.” Aber er erzählt ihr die Sache mit den durchtrennten Kabeln lieber nicht. Später vielleicht. “Ja und nun? Wenn unser Hausmeister diesen Haufen sieht,” Elena zieht die Stirn in Falten, “begeistert wird er nicht sein. Jetzt liegt das Zeug hier überall rum, aus Dederon ist es anscheinend auch noch.” “Das wird eine Hilfssendung”, entgegnet Peter, “den Haufen setzen wir vor´s Kanzleramt. Darin können die ihren Kram einwickeln. Ein hübsches Sparpäckchen kommt beim Volk bestimmt viel besser an.”

7 Kommentare

  1. [...] Glosse: Peter Macheli über gelbe Streifen auf Sehnsuchtsort.de Veröffentlicht in Nachrichten | Schlagworte: brn, bunte, Neustadt, Republik « Sonntag: BRN-Kindertag und Fazit [...]

  2. Der Hausmeister sagt:

    Herr Macheli!!
    Räumen Sie sofort die Fetzen vom Rasen, sonst wird der Vermieter informiert und der Schutzmann geholt! Ich bin nicht dafür da, Ihnen Ihren Müll nachzuräumen. Das ist ja hier wie beim Mülltetris. Kaum hat man eins weggeräumt, rutscht von oben der nächste Müll nach! Und ausserdem, HERR MACHELI, wie kommen Sie eigentlich dazu, dieses widerliche Zeug auf dem Rasen zu lagern?? Da könnte ja der nächste auch seinen gammligen Teppich auf den Rasen legen. Und ich habe Ihnen doch schon hunderte Male gesagt, dass das Betreten des Rasens strengstens verboten ist, ebenso wie Ballspielen, Bogenschießen, Radfahren und das Halten von Kindern und Hunden ohne Leine.
    Und geben Sie sofort die Heckenschere zurück! Von wegen VMI-Einsatz!!

  3. Werter Herr Hausmeister,
    die Fetzen wird sicherlich ein Mieter aus Ihrem Haus heute noch in seiner Wohnung gut gebrauchen können und bis zum Tage der Verwendung (Mitte 2012) platzsparend im Treppenhaus lagern. Und: VMI stimmt. Volkswirtschaftliche Masseninitiative, allerdings haben manche Mitbürger, statt der guten Sache zum Siege zu verhelfen, nur Unmengen Bier getrunken und dann in Schlüppern! (leider nur Männer – & was für Schlüpper! Elena wäre beinahe (und liebend gern) erblindet!) bzw. hilfeschreienden Farben (Frauen) auf der Straße “getanzt” (wahrscheinlich irgendein esoterisches Ritual).
    Die Heckenschere hat mein Jüngster mit in den Kindergarten zum Bastelnachmittag genommen.

  4. tobi sagt:

    Mein lieber Peter Macheli,

    eben zurück von und wieder auf dem Weg nach irgendwo hin bin ich auf Ihre Glosse gestoßen.
    Sie wissen, dass ich Sie sehr schätze. Ihr Urteil, Ihre Erfahrung und Ihre provokante Art haben die ein oder andere gemeinsame Diskussion beflügelt und so manchen Gedanken in mir angeregt.

    Jedoch muss ich Ihnen auf diesem Weg – da ich Ihrer im Moment nicht persönlich habhaft werden kann, weil Sie sich ja ebenfalls gerade irgendwo befinden – sagen, dass ich Ihre Glosse zur BRN geschmacklos finde. Insbesondere für die Bebilderung finde ich keine für mich akzeptable Lesart. Dies schon allein deshalb, weil für mich nicht ersichtlich ist, in welchem Verhältnis Bild und Text stehen. Kurzum: Ich finde die Fotografie widerlich.

    Wir haben alle unsere Standpunkte. Sie kennen die meinen größtenteils ebenso wie Ich die Ihren kenne. Gemeinsam haben wir uns entschlossen, uns zu kommunizieren. Da ich vom Diskurs nach Habermas’schem Verständnis überzeugt bin, meine ich, dass grundsätzlich (fast) alles sagbar ist und sein sollte. Ebenso bin ich der Ansicht, dass nicht alles unkommentiert stehen bleiben kann, was so gesagt wird. Hier sehe ich die Essenz unseres gemeinsamen Anliegens mit dieser Seite. Ich bin immer noch vollkommen überzeugt von unserem gemeinsamen Konzept, völlig unterschiedliche Charaktere mit teilweise weit divergierenden Ansichten auf dieser Seite zusammenzubringen und beieinander zu halten, weil unsere größte Gemeinsamkeit im Glauben an gelingende Kommunikation und geistige Auseinandersetzung besteht. Verstehen Sie diesen, meinen Beitrag bitte als einen Versuch dahingegehend.

    Sie mögen mich nun unter Umständen für spießig oder altmodisch halten – vor nicht allzu langer Zeit habe ich mir von anderer Adresse vorhalten lassen müssen, ich sei reaktionär – sei’s drum, ich erwäge den Gehalt des Vorwurfs. Diese Glosse jedoch fand ich in ihrer Art zum K….n und weit unter Ihrem Niveau.

    Vielleicht habe ich den Zusammenhang von Text und Bild ja auch einfach nicht verstanden. In diesem Fall erwarte ich mir einigen Aufschluss von Ihrer Seite.

    Auf ein baldiges Wiedersehen und mit freundschaftlichen Grüßen,

    Ihr Tobi

  5. Emmet Grogan sagt:

    Lieber Peter Macheli,

    vielen Dank für diese amüsante Glosse. Den Haufen, die Fußball-BRN und das Kanzleramt in eine Verbindung zu setzen, fällt mir nicht schwer. Mir geht die Gesamtsch…e ordentlich auf den Zeiger, das Lachen half mir dieselbe mir am Allerwertesten vorbei fahren zu lassen. Womit wir bei Habermas angelangt sind, der seine besten Zeiten vor 40 Jahren hatte und mittlerweile für alles und jeden vor den Karren gespannt wird, was sich demokratisch schimpft. Irgendwie werde ich gerade erinnert an eine Initiative, bei der sich neben H. auch noch andere europäische Intellektuelle, darunter Jaques Derrida und Umberto Eco bei mir unmöglich gemacht haben.
    (http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~ECBE3F8FCE2D049AE808A3C8DBD3B2763~ATpl~Ecommon~Scontent.html)
    Wenn es etwas gibt, was uns heute beherrscht dann ist es die mit dem Habermasschen Kommunikationsgefasel gestützte Kommunikationstheorie. Denn, wie schon Georg Schramm in seiner legendären Klofrauen rede sagte (http://www.youtube.com/watch?v=qi22VZdPFtY), heute werden die Wahlen auf dem Fußballplatz entschieden, wobei ich noch anfügen möchte, während der Pöbel auf der BRN feiert. Ich habe fertig, meine Damen und Herren.

  6. Emmet Grogan sagt:

    Nachtrag zum Kommentar: Ersetze Kommunikationstheorie durch Öffentlichkeit

  7. Nun, mein lieber Tobi,

    ich halte die Begriffe spießig und altmodisch für spießig und altmodisch, von dieser Seite ist also nichts zu befürchten. Der Text stellt eine im Vorfeld der 20. BRN gesuchte, mögliche Antwort auf die Frage der Fragen “Wie kann ein in Kommerz und Beliebigkeit abgleitendes Volksfest zu seinen Ursprüngen geführt werden” dar. Da ich damals selbst an diesen Anfängen heftig gestaltend teilnahm, verglich ich die beiden Enden des zwei Dekaden umfassenden Zeitstrahles unter Herausrechnung von Wetter, Musik und Menschenmenge. Es blieb ein für das Jahr 2010 festgestelltes Übergewicht an gelben Streifen übrig. Mit anderen Worten: Ein derart trunkenes, geistloses Zurschaustellen nationaler Symbolik wäre zur BRN 1990 unvorstellbar gewesen. Das mag in Löbtau oder Pieschen anders ausgesehen haben, in der Neustadt hatten es in dieser Zeit selbst manche Werbeschilder schwer. Der Schritt zur Nachbarschaftshilfe war ein kurzer, ich nahm die Kinder und des Hausmeisters Werkzeug mit.

    Um das Gleichgewicht der Jahre schnell und effektiv wiederherzustellen, musste auf der Seite der Guten – das ist aus meiner Sicht immer dort, wo ich bin – außerdem ein starkes Gegengewicht her. Da sich Nationalstolz mir als unangenehm riechender und mit keinem persönlichen Verdienst des Einzelnen verbundener, “minderhirniger” Gefühlsauswurf darstellt, kam mir der dekorierte Haufen im Alaunpark zur 20. BRN gerade recht vor die Linse. Solch Glück hat man nur als Sonntagskind.

    Ich drücke Ihnen die Daumen und sehe Sie vor meinem geistigen Auge bereits gesund, aber leicht erschöpft von irgendwo zurückgekehrt. In meinem Irgendwo war es ganz fantastisch, aber die Irgendwos unterscheiden sich ja schon immer und für jeden dramatisch.

    Vom Leben unterhalten,
    Ihr Peter Macheli

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