Ring frei für Bologna vs. Studienrealität
Von Thomas Haase. Die Übergangsphase von der alten zur neuen Studienordnung hält überraschende Momente bereit. Das neue Modell der Absolventenproduktion ist auf den zweiten Blick (noch) ebenso verquast wie sein Vorgänger. Hinter dem Anspruch, Elitenförderung mit effizienten Strukturen zu verbinden verbirgt sich der selbe bürokratische Dschungel wie eh und je. Verallgemeinernde Statistiken eliminieren nur scheinbar konkrete Probleme im Studienalltag. Ein Erfahrungbericht.
Ein weiteres Mal schlenderte ich über den strahlend weiß gestrichenen Flur des Weberbaus. Mein Blick glitt die Wände entlang. Alte klappernde Holztüren in regelmäßigen Abständen. Interessante Türklinken. DDR oder älter– fragte ich mich. An der letzen blieb ich stehen. Der Menschenmenge nach zu urteilen war ich am Ziel. Ich näherte mich, berührte die Klinke, wollte sehen, was mich drinnen erwartet. Die zornerfüllten Blicke der wartenden Kommilitonen brannten auf meiner Hand, ich zog zurück. Offenbar warteten alle hier auf Absolution des Patriarchen im Inneren des Raumes: des Schulpraktika-Beauftragten!
Schneller als erwartet erhielt ich Audienz. Das Büro umfasst sieben Sitzplätze, acht Studenten rief er herein. Seit neun Uhr sitze er schon hier, bisher ohne Mittag, teilte er Mitleid heischend mit. „Name? – Sie machen Praktikum an einer anderen Schule, aber im gleichen Kreis.“ Wiederum: „Name? Ihr Name, bitte! Keine Schule für sie – haben alle abgesagt!“
Schon bei meinem ersten Besuch gab es eine standardisierte Abfuhr: Eltern schulpflichtiger Kinder hätten sich über zuviel Unterricht bei Praktikanten beschwert, hieß es. Die Reaktion des Kultusministeriums ließ nicht lange auf sich warten. In den größeren Städten folgte ein Verbot aller Praktika. Ausgenommen davon waren nur Bachelor-Studenten. Da Dresden offenbar eine große Stadt ist, war auch hier der „Ofen aus“. Alle Praktikanten müssen nun aufs Land – zurück zu Mutti. Allerdings hatten auch die staatlichen Schulen in Muttis Region keine freien Plätze mehr. Überall sachsenweit die gleiche Situation.
Gleichermaßen verunsichert und aufgebracht ging ich mit dem Praktika-Papst die Alternativen durch. Seine Vorschläge, etwa ein Semester zu warten oder mir vielmehr eine Wohnung in einem anderen Bundesland zu suchen – und diese auch zusätzlich bezahlen zu müssen, eine Implikation, die unter den Tisch fiel – um die zugegeben vage Chance, dort eine Schule zu finden, nicht verstreichen zu lassen kamen für mich nicht in Frage. Wo bleibt in diesem Vorgehen die Logik? Flexibilität? Gern! Was aber macht der Brandenburger, der Anhaltiner, der Vorpommer oder der Holsteiner? In seinem Bundesland studieren und ein Praktikum in Sachsen absolvieren? Mir scheint hier eher eine immense Schieflage in den Verhältnissen von Studienplätzen, Nachfrage, und Lehrermangel zu bestehen.
Ich entschloss mich also, die Sache selbst in die Hand zu nehmen und schickte dem Praktika-Beauftragten eine E-Mail mit einer Liste von Schulen in Reichweite, von denen ich mir erhoffte, dort noch unterkommen zu können. Nach einer Woche nervösen Wartens – die Zeit drängte immerhin – hatte ich noch immer keine Antwort. Ich rief also noch einmal bei dem Amtsverweser an. Zunächst fiel ihm auf, dass er meine mit „Priorität hoch!“ gekennzeichnete Nachricht noch gar nicht gelesen hatte. Immerhin müsse er sich um die Praktikanten aller Fakultäten kümmern. Und ich war gerade einmal Nummer 80 auf der Liste der noch nicht vermittelten Praktikanten!
Mir platzte der Kragen! Ich habe mich in meinem Studium an der TU Dresden an einiges gewöhnen müssen. Ich habe – sozusagen im Selbstversuch – wie viele andere auch die (Des)Organisation der Universität vor Bologna am eigenen Leib erfahren dürfen. Doch wie noch vor kurzer Zeit – ante Bologna – ProfessorInnen, KommilitonInnen und MitarbeiterInnen der TU zwischen Listen, Prozeduren, Seminarplänen und Fördermittelanträgen sich zu verlieren drohten, scheinen die selben am neuen Bachelor-Master-System die letzten Nerven zu verlieren, Angestellte des Praktikum-Büros blieben davon nicht unberührt. Es scheint vielmehr, als sei das bisherige, schon als normal akzeptierte, Chaos noch unübersichtlicher geworden. Ich, ein aussterbendes Exemplar der Gattung „Lehramt“, wollte diesem Chaos nun endlich entfliehen und freute mich auf das Ende allen Übels, doch fehlte mir dazu eben noch jenes Schulpraktikum, das goldene Kalb.
Im Zuge der Umstellung nach dem Bologna-Prozess werden die lichtschnellen Bachelor- Studenten – ob freiwillig oder gezwungenermaßen strebsam eifernd – in der Absolventen-Legebatterie bevorzugt. Das Dumme ist nur, dass an den Schulen deren Qualifikationen – vorsichtig ausgedrückt – hinterfragt werden, und so richtig niemand was mit ihnen anfangen kann. Und das alles, wo ich doch – letztes Exemplar meiner Gattung – an dieser Universität zum Wohle aller endlich aussterben wollte!
Ich setzte mich hin und formulierte meine allererste Protestnote zu den Studienbedingungen und sandte diese ans Dekanat. Der Effekt war berauschend. Ich fühlte mich erleichtert, geradezu befreit, jedenfalls wesentlich besser. Dann wartete ich gespannt, was passieren würde.
Die Antwort kam und sie war durchaus erstaunlich. Es stellte sich heraus, das der „einzige“ und völlig überlastete Praktikumsbüroangestellte nie für mich, geschweige denn für die Studenten aller anderen Fakultäten, zuständig gewesen war. Der freiwillig hungernde Workaholic war eigentlich nur für seine eigene Fakultät, die Erziehungswissenschaften, verantwortlich. Ich hingegen gehörte in den Zuständigkeitsbereich meiner zwei Fachdidaktiken. Das war neu. Ich studiere seit einiger Zeit, doch diese Information hat wahrscheinlich ausschließlich theoretischen Wert. Und dass sie jetzt erst auffällt? Man verhandele, hieß es im Schreiben des Dekanats weiter, seit einem Jahr mit dem Sächsischen Kultusministerium (SMK) über ein neues Praktikumsbüro. Nun, das Ergebnis der Verhandlungen kommt wohl zu spät für mich.
Einen Praktikumsplatz habe ich dann, aufgrund meiner im bisherigen Studium gewonnenen Einzelkämpfer-Erfahrungen, letztendlich doch noch gefunden. In einem kleinen Dörfchen hinter den sieben Bergen meiner Heimat erbarmte sich eine winzige Privatschule. Diese hatte sich vor drei Jahren gegründet, nachdem die staatliche Bildungseinrichtung geschlossen worden war. An dieser Schule gibt es lediglich die Klassenstufen 5, 6 und 7 in jeweils zwei Klassen pro Jahrgang. Ich bin der erste Praktikant. Der Wert des Praktikums für einen werdenden Gymnasiallehrer wird in einigen Wochen zu beurteilen sein. Kein Unterricht in der Sekundarstufe II, der Oberstufe, während des gesamten Studiums. Doch will ich mich nicht über Gebühr beklagen. Das Ziel ist quantitativ vorerst erreicht, der benötigte Schein in Reichweite. Über die Qualität wird später gestritten. Auch meinen Praktikumsplatz(ver)sucher hat es gefreut. Mit tiefer Befriedigung besiegelte er seine Zustimmung mit einem mächtigen Stempel in einem Formular, und schwupps! – wieder wurde ein Name von einer schier endlosen Liste gestrichen. Wo hin geht’s? Welche Qualität hat die Ausbildung? Was sind ihre Zuständigkeitsbereiche? – Im zuckenden, sich dahinquälenden Systemwechsel werden keine Fragen gestellt. Augen zu und durch, wir werden sehen wo es endet.
Bis die letzten Dinosaurier von den Weiden der alten Studienordnungen ausgewandert und die ersten Labortest-Bachelor-Generationen im Dampfdruckkessel der Universitätsmaschine zu Eliten veredelt worden sind wird noch einiges Wasser die Elbe hinab fließen. Proteste, Kämpfe um Einfluss auf Studien- und Lebensziele, Dauer und Inhalte werden sich abwechseln. Wenn am Ende doch ein akzeptables modernes Studiensystem herausgekommen sein sollte (was zu bezweifeln ist, weil nichts jemals irgendwo herauskommt sondern ständig entwickelt, geknetet und neu angestrichen wird), wird es einen hohen Preis verlangt haben. Man kann zwar nicht sagen, dass das neue System jeder planenden Vorausschau entbehrt, doch offensichtlich ist selbst die Bewältigung von einfachsten, prekären organisatorischen Notwendigkeiten, wie sie viele Studierende betreffen, ein Ding der Unmöglichkeit.
Die TU Dresden soll so schnell wie möglich in ein eigenständiges, exzellentes, Spitzenleistungen produzierendes Unternehmen verwandelt werden und man wähnt sich bereits auf dem richtigen Weg zum utopischen Ziel [1]. Diesen Weg vom Rande, mit dem Voyeurismus und aus der Distanz eines Beinahe-Dinosauriers betrachtend sehe ich ratlose Professoren, die noch immer jedes Semester erneut ihre gesamte erste Vorlesung dem Entwirren der verschiedenen Studienleistungen und der Organisation widmen müssen. Studentische Anliegen und die eigentlich Lehre bleiben dabei oft auf der Strecke. Ich sehe junge Studenten, die allein mit der Organisation ihrer bis zu elf Klausuren pro Semester gnadenlos überfordert sind. Wissen rein, Schein abholen, Wissen raus. Oder: „Format C“ und neu bespielen. Die Produktion und Distribution von Wissen ähnelt immer mehr den Kassen in Supermärkten, an denen die Auslaufstrecken entfernt wurden, damit der Kunde seinen Kram schneller wegpackt. Lernprozesse erscheinen als möglichst begrenzt zu haltende, schnell abzuwickelnde Phänomene. Dem Studierenden sind sie unangenehm, die Verwaltung kosten sie Geld. Lernen ist etwas, dass überwunden werden muss.
Dass jeder Prozess Zeit braucht, scheint bei den Damen und Herren dieser Entwicklung aber bis heute eine hohle Phrase zu sein, die je nach Argumentationsziel bald in Stellung gebracht, bald ignoriert wird. Die erfolgte Verkürzung der Studiendauer wird indes als Erfolg gefeiert, die schnelle Umsetzung von Bologna ebenfalls. [2] Auf der letzten Hochschulrektorenkonferenz (HRK) in Leipzig war es unter dem Druck der schon seit Jahren andauernden und sich auch dort zeitigenden Studentenproteste erstmals möglich, „Defizite in Teilbereichen“ einzuräumen“. [3] Recht hatten die Hochschulrektoren jedenfalls, wenn sie meinten, der Wechsel ließe sich nun nicht mehr aufhalten. Die Lokomotive donnert auf die Schlucht zu, hoffen wir, dass die Brück hält. Der Umstrukturierungsprozess ist längst im Gange, doch von dessen eventuellen Vorteilen werden ich und viele Andere nicht mehr profitieren können. So funktioniert Geschichte. Das Versuchslabor TU Dresden wird mich jedoch nicht animieren können, mit den Jahren steinreich geworden, aus Dankbarkeit mein Geld in dieses Unternehmen zu stecken, und zum Stifter zu werden. Nur ein halber Trost für mich. Als Lehrer, im sächsischen Bildungssystem bei Zeiten zur menschlichen Ruine ausgefackelt, werde ich schon aus Selbstschutzgründen wahrscheinlich recht bald zu strikt ökonomischen Formen der Wissensvermittlung übergehen und automatisierte Formen einer schlechten Imitation von „Lehre“ in meinen engen Dienstplan pressen müssen. Reich werde ich dabei sicher nicht und das war ja auch nie das Ziel. Die Förderung der „Legebatterie Uni“ jedoch sollen mal die späteren Absolventen übernehmen. Die, zufrieden zurückschauend, dieser Einrichtung zu Dank verpflichtet zu sein glauben. Doch sieht es im Moment eher danach aus, als ließe der beschworene Quantensprung noch etwas auf sich warten. Zumindest noch so lange, wie sich Hochschulrektoren und Bundesländer um die Schuld für „teilweise“ Defizite und Finanzierungen streiten.
Immerhin beginnt die Präsidentin der vergangenen HRK, Margret Wintermantel, sich langsam Sorgen zu machen, dass es eine allgemeine Unzufriedenheit der Studenten mit der Studiensituation gibt. [4.] Sieh mal einer an! Allein aus dem Gesichtspunkt, dass diese Erkenntnis im Bewusstsein der Rektoren angekommen ist, die Erbse auch durch ein Dutzend Matratzen zu drücken scheint, war der lange Protestkampf der Studierenden nötig. Er geht nun in die nächste Runde. Ein lange Prozess, der Kampf um die Wahrnehmung, hat gerade erst begonnen.
1 „Professor Kokenge nannte als Schwerpunkte seiner Arbeit für die kommenden drei Jahre das Streben nach mehr Autonomie der Universität und die erfolgreiche Bewerbung der TUD auch bei der 2. Runde der Exzellenzinitiative.“ http://www.uni-protokolle.de/nachrichten/id/126912/ s. auch TU Leitbilddebatte des Studentenrates: http://www.stura.tu-dresden.de/tu_leitbild
2 Dazu Wintermantel: „Man musste auch früher zügig studieren, wenn man schnell und vernünftig einen Abschluss haben wollte, das ist vielen Studierenden offenbar nicht ganz klar“ http://www.focus.de/politik/deutschland/studentenproteste-rektoren-raeumen-fehler-ein_aid_456864.html
3 http://www.sz-online.de/nachrichten/artikel.asp?id=2322090



Bevor wir uns Vor- und Nachteilen des Bachelor widmen, sollte erst einmal klar sein, wo der Riesenfehler in Deutschland liegt: es heißt immer noch viel zu oft: “was, du kannst das (Chemie, Biologie, Geschichte etc.) nicht richtig? Dann machs doch einfach auf Lehramt.” Die guten Wissenschaftler machen Karriere, die schlechten übernehmen die Lehre für die nächste Generation.
Sie, Herr Haase, wurden in Ihrem Studium tlw. von Honorarkräften unterrichtet, die von der TU Dresden sage und schreibe 8 Euro die Stunde bekommen, Vor- und Nachbereitungszeiten von Seminaren und Übungen (z.B. Korrekturen) werden nicht honoriert. Noch Fragen?
Das mit den Honorarkräften ist tatsächlich ein wahrgewordenes Stereotyp von Ausbeutung, die Studentenzahlen steigen, doch in beiden meiner Fakultäten werden ausscheidende Professoren nicht ersetzt. Doch das betrifft alle Studenten der Fakultäten (also auch die “guten” Wissenschaftler) , nicht nur die Lehrämter!
(Thema 1. Vorlesung 1. Semester!). Doch was nützt das, wenn in der 5. Klasse nur 1 Stunde Geschichte pro Woche unterrichtet wird und die gesamte Antike und das Mittelalter nur in den Klassenstufen 5-7 Gegenstand sind (was unbedingt geändert werden muss!)? In den 1-2 Jahren Referendariat nach dem Studium wird man dann ebenfalls als unterbezahte Lehrkraft verheizt (und ins kalte Wasser geschmissen), um am Ende noch eine zweite Abschlussarbeit schreiben zu müssen. Meines Wissens nach müssen das nur noch Mediziner und Juristen.
Zu deinem Lehrerbild, lieber Martin, fallen mir zuviele Gegenargumente ein. In meinen Augen iegt ersteinmal der Riesenfehler in Deutschland darin, dass genau das von dir geäußerte Klischee geglaubt wird. Lehrer werden mit den Produkten der gesellschaftlichen Entwicklung direkt konfrontiert und sollen dafür zuständig sein, dass die Schüler bessere soziale und kognitive Kompetenzen erlangen. Doch damit stehen sie so ziemlich alleine da (oft eben auch ohne elterliche Unterstützung, nicht nur institutionelle). Die Arbeitsbedingungen an staatlichen Schulen sind immernoch unterirdisch, 28 Schüler-Klassen keine Seltenheit. Auch wenn Toiletten, Sporthallen und Gebäude saniert sind, in Lehrer und neue bekannte pädagogische Konzepte investiert Niemand (weshalb u.a. Privatschulen Hochkonjunktur haben). Allerdings finde ich es auch äußerst problematisch, wenn wie in vielen der Alten Bundesländern mit einer Einstellungsquote von 100% keinerlei Auslese von Uniabsolventen getroffen werden kann. Somit kommen auch die wie überall existierenden “schwarzen Schafe” locker unter.
Aber nochmal zur Ausbildung. Selbst wenn die von dir angegebenen Gründe entscheidend für die Wahl eines Lehramtstudiums wären, so wird der Entscheidungsträger diese sehr schnell bereuen müssen. Lehrer sind auf jeden Fall die universeller ausgebildeten Wissenschaftler. Lehramtsstudenten müssen ihre 2 Fächer fast genauso vertiefst studieren, wie Diplom, Master etc. Es fallen nur wenige Kurse vom Masterstundenplan weg. Dafür haben sie noch Pädagogik und Psychologie. Wenn dann noch das Latinum benötigt wird, kann man sich schon mal von der Regelstudienzeit verabschieden. Ich empfinde die Lehramtsausbildung als zu wissenschaftlich und genau da liegt der Hase begraben! Kein angehender Lehrer wird wirklich auf seinen kommenden Beruf vorbereitet. Praktika sind Mangelware, unvorbereitet und begleiten das Studium kaum. Schulpraktische Übungen werden z.T. aufgrund von Kapazitätsproblemen anstatt in Schulen in Kursen abgehalten. Wie kann es sein, dass man nur 1 Stunde im gesamten Grundstudium halten muss? Das apokalyptische Weltbild im Mittelalter? – Ich bin der Meister
Lehrer müssen nicht die besseren Wissenschaftler sein, aber die besseren Pädagogen. Doch ich kann aus so vielen Angeboten der Pädagogischen Fakultät wählen, dass eigene Vorlieben doch zu oft die für den Lehrerberuf notwendigen Kurse (Schulrecht…) ersetzen.
Deshalb bin ich schon lange ein Fan von der neuen alten Idee von Pädagogischen Hochschulen, von ein auf den Beruf Lehrer zugeschnittenes Studium. Dann fällt das miese Image als Wissenschaftleranhängsel weg (ein guter Wissenschaftler in seinem Fach kann sowieso kein besserer Lehrer sein – nicht ohne entsprechende Ausbildung!) und die Lehre würde verbessert. Aber das finge alles mit einer grundsätzlichen wirklichen Bildungsreform an. Das geht vom gesamten Schulkonzept los (Entscheidung Mittelschule oder Gymnasium in Klasse 5?) und endet auch noch nicht in der Lehrerausbildung. Leider in Fräulein Merkels Bildungsoffensive (neben den ganzen anderen) wie vorhergesehen eine Luftnummer geblieben…eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung hat sie gesagt…ja das wird sie noch lange sein.
Übrigens haben die ersten Unis (Dresden natürlich noch nicht) damit angefagen, den Professoren Didaktikkurse aufzudrücken. Die besten Wissenschaftler sind eben doch sehr oft die schlechtesten Lehrkräfte…
Ich kann das nicht beurteilen, wie häufig das Kriterium – ich bin in einem Fach in der Schule nicht gut genug – für die Aufnahme eines Lehramt/Bachelor-Studienganges zur Anwendung kommt. Doch das ist nicht das tatsächliche Problem. In der Schule gibt es kein Pädagogik, keine Psychologie, kein Didaktik. Somit ist die universitäre Ausbildung entscheidend und Spitzenschüler müssen keine besseren Lehrer werden als ehemals leistungsschwächere Schüler. Des Weiteren finde ich die generelle Unterstellung, aus diesen Gründen ein Studium aufgenommen zu haben, als Beleidigung für alle vom Lehrerberuf überzeugten Studienanfänger, sowie für die angestellten Lehrer. Die Diskussion über das Ausbildungssystem als einzige zweckführend. Praxisnähe und eine Einstellungsoption mit transparenten Kriterien wäre eine Motivation für die Studierenden. Anerkennung gebührt den Lehrern, die trotz einer fachwissenschaftlichen und praxisfernen Ausbidung nach besten Kräften tagtäglich unterrichten.