24. Juli 2012, 13:26
“A Balkan Tale” in den Kunstsammlungen Chemnitz mit konzeptionellen und inhaltlichen Schwächen.

Jutta Benzenberg, Pascha-Tor, Berat, 2011, C-Print, 60 x 90 cm, Privatbesitz, © Jutta Benzenberg
Von Tobias Strahl. Fünf Fotografen aus Frankreich, Deutschland, Mazedonien, Serbien und Kosovo hat das Goethe-Institut verpflichtet, um für das Multimediaprojekt „A Balkan Tale“ osmanische Architektur auf dem Balkan abzulichten. Der deutsche Kultur-Exporteur mit Niederlassungen in allen bedeutenden Metropolen Südosteuropas verfolgt mit dem Projekt ein hehres Ziel: Auf das osmanische Erbe der Region soll aufmerksam gemacht, eine historische Gemeinsamkeit betont werden, um einen neuen Trend zu setzen im krisengebeutelten „Hinterhof Europas“ (Ihlau, Mayr), dessen Völker in den vergangenen hundert Jahren vor allem über ihre Differenzen gegeneinander ausgespielt wurden. Das leuchtet ein. Im übrigen Europa ist der Balkan zu allererst für besonders brutal geführte Kriege bekannt, die seinen Bewohnern den Ruf einer fatalistischen Einstellung zum Leben eingetragen haben – ein Bild, das in der Tat ebenso falsch wie korrekturbedürftig ist.
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15. Mai 2012, 10:23
Von Torsten Klaus. Die Dame mit dem roten Haar lächelt, wenn sie spricht. Sie kann beides gut miteinander verbinden. Die Besucher bittet sie, näher heranzutreten an die Fotos. Dann erzählt die Dame mit dem roten Haar über die porträtierten Menschen, die Details der Bilder. „Sehen sie sich die unterschiedliche Körperhaltung an“, sagt sie. Dabei wirkt die Dame mit dem roten Haar nicht wie eine Museumsführerin, auch wenn all das in einem Museum passiert. Die Dame mit dem roten Haar redet über ihre Arbeiten, ihre Fotos, die hier ausgestellt sind. Die Dame mit dem roten Haar ist Herlinde Koelbl, die Grande Dame der deutschen Fotografie.

Herlinde Koelbl vor einem ihrer Doppelporträts. Foto: D. Brandt
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24. April 2012, 10:15
Von Torsten Klaus. Man schrieb das Jahr 1991, als ein Song in den Radios rauf und runter lief: „Losing my religion“. „Out of time“ hieß das dazugehörige Album von R.E.M., und Michael Stipe, dieser schmale Typ mit durchaus androgyner Attitüde, warf als Sänger mit den Zeilen um sich. Kürzlich erzählte R.E.M.-Manager Bertis Downs eine kleine Anekdote dazu: Ein Porträtfoto von Michael Stipe, aufgenommen von Anton Corbijn, sei einer der entscheidenden Aspekte gewesen, dass „Losing my religion“ damals die erste Singleauskopplung wurde. Downs wies auf das mittlerweile berühmte Schwarz-Weiß- Bild – Stipe ernst, fast introvertiert, mit gesenktem Blick, der Hut eher ein Schutz als eine modische Marotte – und erinnerte sich an das entscheidende Gespräch mit den Managern der Plattenfirma Warner Bros. Records. Zur Single-Auswahl habe noch „Radio song“ gestanden, meinte Downs. Da aber das Corbijn-Foto schon als Optik der ersten Auskopplung feststand, habe man die Manager gefragt, welches Lied besser zu dem eher düsteren Bild passe. Die Antwort ist bekannt.

Michael Stipe by Anton Corbijn.
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2. Februar 2012, 00:07
Von Torsten Klaus. Ein sonniger Septembertag. James Nachtwey war spät am Vorabend von Frankreich nach Hause zurückgekehrt, nach New York, in sein Apartment im South Street Sea Port. Müde, sicher auch mit Jetlag in den Gliedern, legte er sich in seinem Loft in der Nähe der Brooklyn Bridge schlafen. Nichts deutete darauf hin, dass der nächste Tag für ihn, der das Leid schon aus allen Blickwinkeln gesehen hatte, zum schlimmsten seines Lebens werden sollte. Fast unmittelbar vor seiner Haustür. Der nächste Tag trug das Datum 11. September 2001.

James Nachtwey: New York, 2001 - Collapse of the south tower of the World Trade Center.
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11. Dezember 2011, 01:00

Belgrad. Foto: Strahl
Ein Tag in dieser furchtbar schönen Stadt. Stundenlang laufen. Versuchen, das immer Gleiche neu zu sehen. Von Zeleni Venac , dem Grünen Kranz, mit dem Bus, Linie 65, über die Brankov Most nach Novi Beograd und dort zu Fuß die Save entlang bis zur Veliko Ratno Ostrvo, der Großen Kriegsinsel. Die schwimmenden Restaurants, die, von der Festung Kalemegdan, aus der Entfernung gesehen, so beschaulich wirken, erscheinen am Tag als schäbige Kähne, um die sich im Schlamm der Save, die Niedrigwasser führt, eine Unmenge an Müll angesammelt hat. Die Szene wechselt. Der impressionistische Prospekt wird zur realistischen Studie.
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26. November 2011, 13:57

Belgrad im Nebel I. Foto: Strahl
Von Tobias Strahl. Es ist kalt geworden in den letzten Tagen. Save und Donau kühlen aus, die Stadt liegt oft im Nebel. Belgrad hat sich verwandelt. Ich wandere mit dem Fotoapparat durch eine Stadt, die ich nicht kenne.
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19. November 2011, 01:39
Von Torsten Klaus. Es ist ein eigenwilliges Credo, das aus den Zeilen spricht. „Dies ist kein objektives Buch. Das erste Wort, das ich aus einer Lehre des Journalismus entfernen würde, ist das Wort ‚objektiv‘. Das wäre ein gewaltiger Schritt in Richtung Wahrheit für die ‚freie‘ Presse. Als zweites würde ich wahrscheinlich das Wort ‚frei‘ entfernen. Ohne diese verzerrenden Klischees könnten Journalisten und Fotografen ihre wahre Verantwortung erlangen. […] Dies ist ein leidenschaftliches Buch.“ So kündigt Eugene W. Smith im Vorwort sein Buch “Minamata: A Warning to the World” an. Der Fotojournalist, dem im Berliner Gropius-Bau eine Retrospektive gewidmet ist, war einer der wichtigsten Wegbereiter einer mittlerweile fast komplett verschwundenen Gattung: der Fotoreportage.

Eugene W. Smith: "Tomoko Uemura in Her Bath", published in "Life Magazine", 1972. Tomoko Uemura was 16 at the time the photo was taken. She died at the age of 21.
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11. Juli 2011, 07:45

Soldat der Afghanischen Nationalen Armee (ANA) in Khost, im Osten Afghanistans. Foto: Strahl
„Wie Fotografien dem Menschen den imaginären Besitz einer Vergangenheit vermitteln, die unwirklich ist, so helfen sie ihm auch, Besitz von einer Umwelt zu ergreifen, in der er sich unsicher fühlt. So entwickelt sich die Fotografie zum Zwillingsbruder der kennzeichnendsten aller modernen Aktivitäten: des Tourismus… Als Mittel der Beglaubigung von Erfahrung verwandt, bedeutet das Fotografieren aber auch eine Form der Verweigerung von Erfahrung… Das Fotografieren hat eine chronisch voyeuristische Beziehung zur Welt geschaffen, die die Bedeutung aller Ereignisse einebnet… Eine Aufnahme zu machen, ist selbst schon ein Ereignis, und zwar eines, das immer mehr gebieterische Rechte verleiht: sich einzumischen in das, was geschieht, es zu usurpieren oder aber zu ignorieren…“ (Sontag, Susan: Über Fotografie. (On Photography, 1977) Frankfurt am Main, 2010, S. 15 ff.).
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17. März 2011, 20:54

Istanbul. Foto: Strahl
Von Tobias Strahl. „Ich weiß nicht, was mit euch los ist“ – Acar blickt mich nachdenklich an. „Was ist euer Problem?“ Wir unterhalten uns über das Kopftuchverbot – nicht nur in der Türkei ein heißes Eisen. In der laizistischen Türkei war das Tragen von Kopftüchern lange verboten. Es gilt als religiöses Symbol, eine angebliche Zurschaustellung, die säkularen Kräften ein Dorn im Auge ist. Im Westen wird die von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan maßgeblich angestoßene Debatte in einigen Kreisen als Abkehr von der säkularen Politik der Türkei und Zugeständnis an konservative Politiker gewertet.
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